Zum Hauptinhalt springen

Statt einmalige Großveranstaltung: Nürnberg muss langfristig Sportvereine stärken

Susanne Horn und Titus Schüller

Die Linke kritisiert mögliche Bewerbung für die Finals – finanzielle Prioritäten und demokratische Transparenz müssen auf den Tisch

Nürnberg – Der Oberbürgermeister Marcus König hat Interesse an der Austragung der „Finals“ (Deutsche Meisterschaften in verschiedenen Sportarten) bekundet. Ministerpräsident Markus Söder hat auf X (ehemals Twitter) erklärt, dass Nürnberg sich für die Austragung der Sportgroßveranstaltung bewerben möchte. Für DIE LINKE im Nürnberger Stadtrat ist dieses Vorhaben angesichts der aktuellen finanziellen Situation der Stadt das falsche Signal. Erst Ende Juli wurde aufgrund der angespannten Haushaltslage eine Haushaltssperre verhängt. Das bedeutet meist Einsparungen bei den freiwilligen Leistungen – Bereiche, von denen auch die Nürnberger Sportvereine betroffen sein können.

Nach Erfahrungen der bisherigen austragenden Kommunen der Finals ist mit Gesamtkosten in Höhe von mindestens 10 Millionen Euro zu rechnen, von denen bisher ein Eigenanteil von rund 5 Millionen Euro bei den austragenden Kommunen verblieben ist. Selbst wenn der Freistaat Bayern bis zu 50 Prozent der Kosten übernehmen würde, müsste Nürnberg weiterhin einen erheblichen finanziellen Beitrag leisten. Dieses Geld wäre aus Sicht der Linken nachhaltiger in der Sportinfrastruktur und in der direkten Unterstützung der gemeinnützigen Sportvereine angelegt – wo es dauerhaft bei den Bürgerinnen und Bürgern ankommt.

Für Die Linke ist klar: Die gemeinnützigen Sportvereine leisten unverzichtbare Arbeit für Kinder und Jugendliche, fördern Gesundheit und Bewegung und schaffen Orte der Begegnung und des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Dafür benötigen sie eine verlässliche finanzielle Grundlage und eine funktionierende Sportinfrastruktur. Viele Sportstätten sind in die Jahre gekommen und müssen dringend saniert und modernisiert werden. Gleichzeitig sehen sich Vereine mit steigenden Kosten konfrontiert und müssen einen erheblichen Teil ihrer Arbeit durch ehrenamtliches Engagement auffangen.

„Wenn die Stadt Geld für den Sport in die Hand nimmt, dann sollte das Geld nachhaltig wirken. Ein modernisierter Sportplatz oder eine sanierte Turnhalle kommt den Menschen in Nürnberg über viele Jahre zugute. Bei einer Großveranstaltung hingegen ist der Effekt nach wenigen Tagen vorbei“ so Susanne Horn, Stadträtin für die Linke in der Sportkommission.

Neben den finanziellen Prioritäten stellt sich für Die Linke jedoch eine weitere grundsätzliche Frage: Wie wird über eine Bewerbung dieser Größenordnung eigentlich entschieden?

Dass die Öffentlichkeit von einer möglichen Bewerbung Nürnbergs zunächst durch eine Mitteilung des Bayerischen Ministerpräsidenten auf X erfährt, wirft aus Sicht der Linken Fragen nach Transparenz und demokratischer Beteiligung auf.

„Demokratische Politik bedeutet, dass Entscheidungen nachvollziehbar getroffen werden und die gewählten Vertreterinnen und Vertreter ihre Verantwortung wahrnehmen können. Gerade bei einer Haushaltssperre müssen wir darüber diskutieren, welche Ausgaben wirklich Priorität haben. Wenn gleichzeitig Vereine um Unterstützung kämpfen und notwendige Sanierungen von Sportstätten finanziert werden müssen, darf das Interesse für die Austragung einer solchen Großveranstaltung nicht einfach ohne Beteiligung der zuständigen politischen Gremien bekundet werden.“ erklärt Susanne Horn.

Die Linke stellt sich ausdrücklich nicht gegen Sport oder attraktive Sportveranstaltungen in Nürnberg. Die Frage sei vielmehr, wie die vorhandenen öffentlichen Mittel am sinnvollsten eingesetzt werden.

Eine starke Vereinslandschaft sei die Grundlage dafür, dass Sport in Nürnberg nicht nur bei Großveranstaltungen sichtbar sei, sondern 365 Tage im Jahr stattfinde.

Susanne Horn fasst es folgendermaßen zusammen: „Sportförderung darf nicht daran gemessen werden, wie viele Kameras für ein paar Tage auf Nürnberg gerichtet sind. Sie muss daran gemessen werden, ob unsere Vereine auch morgen noch gute Arbeit leisten können.“

Zurück zum Kopf der Seite