Zensurvorwürfe gegen die Akademie der Bildenden Künste Nürnberg (AdBK) im Rahmen der „Blauen Nacht“-Ausstellung „Debüt“
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren des Stadtrats,
die Stadtratsfraktion Die Linke Nürnberg beantragt, die folgenden Fragen im Rahmen der nächsten Sitzung des Stadtrates zu behandeln:
Sachverhalt:
Im Rahmen der „Blauen Nacht“-Ausstellung „Debüt“, die von der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg (AdBK) im ehemaligen Kaufhofgebäude veranstaltet wurde, kam es zu massiven Zensurvorwürfen. Die Künstlerin „ffi“ plante, ein Werk mit antifaschistischer Botschaft im Schaufenster des Ausstellungsortes zu präsentieren. Die Hochschulleitung der AdBK untersagte dies und erlaubte lediglich eine Präsentation im Innenraum als Postkarte. Bei dem Kunstwerk war lediglich zu lesen: „Seite an Seite gegen den Faschismus“ sowie „Alerta Antifascista“.
Gerade in einer Stadt wie Nürnberg, die im Nationalsozialismus eine zentrale Rolle für das NS-Regime spielte und sich heute als Stadt der Menschenrechte versteht, sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, klare antifaschistische Positionen öffentlich sichtbar zu vertreten.
Diese Entscheidung zur Zensur führte zu Protesten und Solidaritätsbekundungen anderer Kunstschaffender, von denen einige ihre Werke aus der Ausstellung zurückzogen. Die Hochschulleitung begründete ihre Entscheidung mit der aktuellen „politischen Stimmung“, insbesondere im Hinblick auf rechte Drohungen, Hakenkreuzschmierereien auf dem Campus und einen Antrag der AfD im bayerischen Landtag, der die politische Neutralität der AdBK infrage stellt.
Fragen:
1)Wie bewertet die Stadtverwaltung die Zensurvorwürfe gegen die AdBK im Kontext der Kunstfreiheit?
2)Welche Maßnahmen ergreift die Stadt, um die Kunstfreiheit in städtischen und stadtnahen Kultureinrichtungen zu gewährleisten?
3)Inwiefern sieht die Stadtverwaltung eine Verbindung zwischen den rechten Drohungen und dem AfD-Antrag und der Entscheidung der AdBK-Leitung?
4) Welche Unterstützung bietet die Stadtverwaltung der AdBK an, um mit den aktuellen Herausforderungen, insbesondere im Hinblick auf rechte Bedrohungen und politische Einflussnahmeversuche durch die AfD, umzugehen?
5)Welche Rolle spielt die Stadt bei der Sicherstellung, dass städtische Fördermittel nicht zu einer Einschränkung der Kunstfreiheit führen?
6)Wie kann die Stadt Nürnberg, gemeinsam mit der AdBK, sicherstellen, dass zukünftige Ausstellungen und künstlerische Projekte frei von Zensur und politischer Einflussnahme durch rechtsextreme Kräfte bleiben?
7)Welche Strategien gibt es, um Künstler:innen vor rechter Hetze zu schützen?
8)Wie gedenkt die Stadt mit der AfD-Debatte umzugehen?
9)Wie gedenkt die Stadt mit der Angst der Studierenden umzugehen und ihnen den Rücken zu stärken im Einsatz für die Einhaltung der universell geltenden Menschenrechte?
10)Sieht die Stadt eine Möglichkeit, das Exponat in einem anderen, würdigen Rahmen und in voller Größe - in Absprache mit der Künstler:in - auszustellen?
Begründung:
Die Zensurvorwürfe gegen die AdBK werfen wichtige Fragen zur Kunstfreiheit und zum Umgang mit politischer Einflussnahme auf. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Stadt Nürnberg als Förderer und Unterstützer der Kunst- und Kulturszene klare Position bezieht und Maßnahmen ergreift, um die Kunstfreiheit und als Stadt der Menschenrechte das Engagement von Künstler:innen für Menschenrechte zu schützen. Die Vorfälle an der AdBK zeigen, dass rechte Kräfte versuchen, durch Einschüchterung und politische Anträge Einfluss auf die Kunstszene zu nehmen. Diesen Bestrebungen muss entschieden entgegengetreten werden.
Gerade in Nürnberg – der einstigen „Stadt der Reichsparteitage“ und Ort der Nürnberger Prozesse – trägt die Stadt eine besondere historische Verantwortung, Faschismus und rechten Tendenzen entschieden entgegenzutreten. Antifaschistische Botschaften öffentlich sichtbar zu machen, sollte daher nicht nur erlaubt, sondern aktiv geschützt und unterstützt werden.
Mit freundlichen Grüßen,
Kathrin Flach Gomez Titus Schüller
