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Prüfantrag zur Ausrichtung der Finals 20XX

Susanne Horn, Titus Schüller

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

der Oberbürgermeister Marcus König und der Ministerpräsident Dr. Markus Söder haben trotz bestehender Haushaltssperre in einer gemeinsamen Pressekonferenz verkündet, dass die Stadt Nürnberg Interesse an einer Austragung der Finals 20XX hat.

Die Linke begrüßt ausdrücklich geplante Investitionen in den Sportbereich. Die Investitionen sollten jedoch zielgerichtet erfolgen, um möglichst viele Bürgerinnen und Bürger in Bewegung zu bringen und allen einen Zugang zum Sport ermöglichen. In Zeiten angespannter Haushaltsmittel gilt deshalb zu prüfen, ob die erforderlichen Mittel für eine Ausrichtung der Finals 20XX alternativ nicht effektiver und nachhaltiger in den gemeinnützigen Sportbereich und zur Bewegungsförderung der Kinder- und Jugendlichen eingesetzt werden können.  

Vor diesem Hintergrund stellt die Fraktion Die Linke folgende Anfrage:

  1. Die Verwaltung möge berichten, wie hoch die prognostizierten Gesamtkosten für die Stadt Nürnberg für eine Ausrichtung der Finals 20XX sein werden und in welchem Umfang die Kosten mit Einnahmen gegenfinanziert werden sollen (Sponsoringgelder, Zuschüsse des Freistaats).
  2. Die Verwaltung soll prüfen, aus welchem Budget die städtischen Kosten für die Ausrichtung der Finals 20XX getragen werden sollen und wie sichergestellt werden kann, dass trotz der zusätzlich entstehenden Kosten die bestehenden Unterstützungsleistungen an die gemeinnützigen Sportvereine nicht gekürzt werden müssen.
  3. Die Verwaltung möge prüfen, ob die erforderlichen städtischen Mittel für die Ausrichtung der Finals 20XX nicht durch die Investition in einem anderen Bereich gewinnbringender für den Breitensport und die Bewegungsförderung von Kindern und Jugendlichen eingebracht werden können (z.B. Finanzierung Schwimmkurse für Kinder- und Jugendliche, Schnuppermitgliedschaft für Erstklässlerinnen und Erstklässler, Ausbau kostenfreie Bewegungsangebote, Sanierung Bolzplätze, Abbau Barrieren Sportstätten etc.).

Begründung

Die geplante Bewerbung Nürnbergs für die „Finals 20XX“ wirft angesichts der angespannten Haushaltslage Fragen nach dem nachhaltigen Nutzen der dafür notwendigen öffentlichen Mittel auf.

Die aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen, dass Sportgroßveranstaltungen nicht automatisch zu einer höheren Sportbeteiligung der Bevölkerung führen. Jan Haut und Christian Gaum führen in ihrem Artikel Nachhaltige Vorbilder? Auswirkungen von Sportgroßveranstaltungen auf die Sportaktivitäten der Bevölkerung1 an: „Zwischen den Top-Events und ihren Protagonisten auf der einen Seite und dem sportlichen Engagement der Bevölkerung auf der anderen liegt also keineswegs eine unmittelbare Verzahnung vor, sondern dazwischen liegt die ganze Welt des Sports mit ihren verschiedenen Ebenen, Zugängen, Akteuren und Deutungen“. Demnach kann der in der Vergangenheit oft zitierte „Boris-Becker-Effekt“ inzwischen widerlegt werden. Der Fokus von zusätzlichen Investitionen im Sportbereich sollte nach Einschätzung der LINKEN daher auf dem Breitensport liegen und neue Zugänge zur Sportaktivität schaffen. Denn die Stadt Nürnberg braucht weiterhin engagierte Sportvereine, niedrigschwellige Bewegungsangebote, umfangreiche Nachwuchsarbeit und eine funktionierende Sportinfrastruktur, damit Menschen dauerhaft selbst Sport treiben können.

Statt erhebliche Mittel für ein wenige Tage dauerndes Großereignis aufzuwenden, sollten die Gelder für die nachhaltige Steigerung der Sportaktivität der Bevölkerung verwendet werden.

1 Bundesinstitut für Sportwissenschaften (2020), https://www.bisp.de/SharedDocs/Downloads/Publikationen/Publikationssuche_Sonderpublikationen/SportgrossveranstaltungenBand2.pdf?__blob=publicationFile&v=1

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