Betriebsqualität, Arbeitsschutz, Organisation und Wirtschaftlichkeit bei der VAG Nürnberg (insb. E-Bus-Betrieb)

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

sehr geehrte Damen und Herren,

 

die Stadt Nürnberg trägt als Aufgabenträgerin des ÖPNV sowie über ihre Beteiligung an der VAG besondere Verantwortung für einen verlässlichen, sicheren und sozial verantwortlichen öffentlichen Nahverkehr. Vor dem Hintergrund der Flottenumstellung, der Anforderungen an Betriebsqualität und Arbeitsschutz sowie der wirtschaftlichen Steuerung bitte ich um Prüfung und Beantwortung der folgenden Fragen und um Zuleitung an den zuständigen Ausschuss zur weiteren Beratung.

I. Betriebsqualität, Klima/Heizung und Fahrgastkomfort

  1. Welche Zielwerte (Temperaturkorridore) gelten bei der VAG für die Innenraumtemperatur in Bussen (Sommer/Winter) und – soweit einschlägig – in Straßenbahnen, und wie werden diese technisch sichergestellt sowie dokumentiert (Messung/Sensorik/Auswertung)?
  2. Welche Handlungsanweisungen gibt es zum Betrieb von Heizung und Klimaanlage (z. B. Energiespar-/Drosselungsmodi, Eco-Betrieb) – seit wann gelten sie und mit welcher Begründung?
  3. In welchem Umfang liegen der VAG Beschwerden von Fahrgästen über zu hohe/zu niedrige Temperaturen vor (bitte für die letzten 3 Jahre nach Jahr, Fahrzeugtyp/Linie soweit möglich sowie Beschwerdekanal darstellen)?
  4. Welche technischen oder betrieblichen Gründe können dazu führen, dass Heizung oder Klimatisierung nicht bzw. nur eingeschränkt betrieben werden (z. B. Ladefenster, Reichweite, Energiemanagement, Software-Settings)?
  5. Welche Maßnahmen wurden seit Beginn/Erweiterung des E-Bus-Betriebs umgesetzt, um Heizung/Klima auch bei hoher Auslastung zuverlässig zu gewährleisten?
  6. Welche Unterschiede bestehen zwischen Herstellern/Serien im Hinblick auf Temperaturstabilität, Energieverbrauch (Heizung/Klima) und Reichweitenverhalten?
  7. Welche Erkenntnisse liegen der VAG zur Wechselwirkung von Temperaturbedingungen und Konflikten im Fahrgastbetrieb vor (z. B. Beschwerdehäufungen, Eskalationen – jeweils aggregiert)?

II. Arbeitsschutz, Gesundheit und Unterstützungsangebote 

  1. Wie haben sich Krankenstände/Fehlzeiten im Fahrdienst (Bus/Tram getrennt) in den letzten 5 Jahren entwickelt (jährlich, aggregiert)?
  2. Welche arbeitsmedizinischen/arbeitsschutzrechtlichen Bewertungen liegen der VAG zu klimatischen Belastungen (Hitze/Kälte) im Fahrdienst vor?
  3. Welche Maßnahmen ergreift die VAG zur Prävention psychischer Belastungen im Fahrdienst, insbesondere im Umgang mit Konflikten im Fahrgastbetrieb (z. B. Deeskalation, Unterstützungssysteme, Sicherheitskonzept)?
  4. Welche Unterstützungsangebote bestehen für Beschäftigte (bitte jeweils kurz darstellen; Nutzung aggregiert angeben, soweit vorhanden):
  • betriebliche Sozialberatung
  • Suchtberatung / Unterstützung bei Abhängigkeitserkrankungen
  • psychologische Beratung
  • Angebote bei gesundheitlichen Belastungen/Erkrankungen
  • Sprachförderung/Sprachkurse
  1. Wie ist die Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat, Unternehmensleitung und Belegschaft strukturiert (z. B. Regelkommunikation, Betriebsversammlungen), und wie wird sichergestellt, dass Probleme im Arbeitsalltag niedrigschwellig und ohne Nachteile adressiert werden können?

III. Dienstanweisungen und Praxistauglichkeit

  1. Welche Dienstanweisungen bestehen aktuell im Busbetrieb in Bezug auf:
  • Türen (Öffnen/Schließen an Haltestellen, Sommerbetrieb)
  • Fenster (Öffnen/Verriegelung)
  • Innenraumklima (Heizung/Klima)
  • Mitnahme/Handhabung von E-Scootern
  • Fahrscheinkontrollen (Zeiträume/Schwerpunkte, z. B. abends)?

(Bitte zusammenfassen und Zweck/Begründung angeben.)

  1. Welche dieser Regelungen wurden in den letzten 3 Jahren geändert (Datum, Anlass, erwartete Wirkung)?
  2. Welche Rückmeldemechanismen/Erkenntnisse nutzt die VAG, um die Praxistauglichkeit dieser Regelungen zu prüfen (z. B. Konfliktquote, Beschwerden, betriebliche Meldungen – aggregiert)?

IV. Personalstruktur, Einsatzsteuerung und Organisation

  1. Wie hoch ist die Fluktuationsrate im Fahrdienst (Bus/Tram getrennt) in den letzten 5 Jahren (jährlich)?
  2. Welche Gründe für Austritte/Wechsel werden erfasst und wie stellen sie sich in aggregierter Form dar?
  3. Wie ist die Dienst- und Urlaubsplanung organisiert, und welche Qualitätskriterien gelten (z. B. Planbarkeit, Ausgleich, kurzfristige Änderungen)?
  4. Wie ist die Einsatzsteuerung organisatorisch aufgebaut (z. B. betriebliche Bereiche/Standorte), und welche Auswirkungen hat die Struktur auf:
  • Flexibilität im Personaleinsatz (z. B. bereichsübergreifender Einsatz)
  • Strecken-/Ortskenntnis
  • Verwaltungsaufwand?
  1. Welche Optionen zur organisatorischen Vereinfachung/Optimierung (z. B. Zentralisierung oder Neu-Zuschnitt) wurden in den letzten Jahren geprüft und mit welchem Ergebnis?
  2. Welche Maßnahmen ergreift die VAG zur Personalgewinnung und -bindung (Qualifizierung, Arbeitsbedingungen, Vergütung, Entwicklungsperspektiven)?

V. Einsatz von Subunternehmen und Qualitätssicherung

  1. In welchem Umfang setzt die VAG aktuell Subunternehmen im Busbetrieb ein (Anteil an Leistung/Fahrzeugkilometern)?
  2. Welche Mindeststandards gelten vertraglich für Subunternehmen hinsichtlich:
  • Einhaltung von Lenk- und Ruhezeiten
  • Qualifikation/Ausbildung
  • Sprachkenntnisse
  • Arbeitsschutz und Betriebssicherheit?
  1. Wie kontrolliert die VAG die Einhaltung dieser Standards (Prüffrequenz, Prüfinstrumente, Sanktionen), und wie viele Verstöße wurden in den letzten 5 Jahren festgestellt (aggregiert)?
  2. Welche Unterschiede zeigt das Qualitätsmonitoring (sofern vorhanden) zwischen Eigen- und Fremdleistung, z. B. bei:
  • Beschwerden
  • Ausfällen
  • Unfällen/Vorkommnissen
  • Pünktlichkeit/Verfügbarkeit?

VI. Vergütung, Wirtschaftlichkeit und Folgekosten

  1. Wie stellt sich die Entgeltentwicklung im Fahrdienst in den letzten 10 Jahren dar (tariflich, ggf. Zulagen/Schichtmodelle – aggregiert)?
  2. Inwieweit bewertet die VAG Zusammenhänge zwischen Vergütung, Fluktuation, Personalsituation, Mehrarbeit/Überstunden, Krankenstand sowie Unfall-/Schadensgeschehen (bitte vorhandene Auswertungen/Indikatoren darstellen)?
  3. Welche Kosten entstehen der VAG durch Fluktuation (z. B. Recruiting, Ausbildung, Einarbeitung, Ausfallkosten) – und wie entwickeln sich diese?

VII. Fahrzeugstrategie und Kosten (E-Bus vs. Diesel) inklusive Infrastruktur

  1. Wie hoch sind die Anschaffungskosten von Diesel- und E-Bussen (bitte nach Fahrzeugtyp/Serie, soweit möglich) und welche Annahmen liegen zugrunde?
  2. Wie stellt sich der Lebenszyklus-Kostenvergleich (Total Cost of Ownership) dar – inklusive:
  • Anschaffung
  • Wartung/Instandhaltung
  • Energie
  • Infrastruktur (Ladeeinrichtungen, Netzanschlüsse, Betriebshofumbau)
  • Abschreibung/Nutzungsdauer
  • Reservebedarf und betriebliche Zusatzkosten?
  1. Welche Investitionen in Ladeinfrastruktur und Betriebshofumbauten sind seit Beginn der E-Bus-Strategie angefallen bzw. geplant (bitte nach Jahr, Maßnahme, Kostenvolumen)?
  2. Welche Fördermittel wurden hierfür genutzt (Programm, Höhe, Eigenanteil) und welche dauerhaften Folgekosten verbleiben bei VAG/Stadt (Betrieb, Wartung, Ersatzinvestitionen)?
  3. Welche betrieblichen Einschränkungen bestehen aktuell durch Reichweite/Ladezeiten, und welche Auswirkungen hat dies auf:
  • Umlaufplanung
  • Einrückzeiten
  • Pünktlichkeit
  • Reservefahrzeuge
  • Personaleinsatz?
  1. Welche Maßnahmen verfolgt die VAG, um bei E-Bussen Heizung und Klimatisierung ohne Einschränkungen sicherzustellen (z. B. Ladefenster, Umlaufplanung, technische Nachrüstungen, Software)?
  2. Welche kurzfristigen und mittelfristigen Maßnahmen sieht die VAG, um Betriebskosten zu senken, ohne Betriebsqualität, Arbeitsschutz und Verlässlichkeit zu verschlechtern?

VIII. Berichterstattung und Transparenz

  1. Ist die VAG bereit, dem Stadtrat jährlich einen kompakten Bericht vorzulegen, der zentrale Kennzahlen aggregiert darstellt (z. B. Betriebsqualität/Beschwerden, Krankenstand/Fluktuation, Subunternehmer-KPIs, TCO-Update, Investitionen, Pünktlichkeit/Verfügbarkeit)?

Mit freundlichen Grüßen

Kathrin Flach Gomez                Titus Schüller