Antrag: Kaufhof im kommunalen Eigentum sichern – Entwicklung als Baustein einer sorgenden Stadt wirtschaftlich tragfähig gestalten
Kaufhof im kommunalen Eigentum sichern – Entwicklung als Baustein einer sorgenden Stadt wirtschaftlich tragfähig gestalten
Der Stadtrat möge beschließen:
- Dauerhafter Verbleib in städtischem Eigentum
Die Stadt Nürnberg hält den Kaufhof-Komplex (Königstraße/Frauengasse) dauerhaft im Eigentum. Ein Verkauf des Gesamtobjekts oder zentraler Teilflächen wird ausgeschlossen.1 - Leitbild „Sorgende Stadt“ als verbindliches Ziel
Die langfristige Nachnutzung wird am Leitbild der sorgenden Stadt ausgerichtet: Der Kaufhof wird als gemischt genutzter Innenstadtbaustein entwickelt, der Sorgearbeit, Daseinsvorsorge, Teilhabe und kurze Wege stärkt – nicht als reine Handels-/Eventimmobilie.2 - Verbindliche Sorge-Quote / Flächenbindung
Mindestens 20 % der oberirdischen Hauptnutzfläche werden dauerhaft für gemeinwohlorientierte Sorge- und Stadtgesellschaftsnutzungen gebunden (u.a. Pflege-/Gesundheitsstützpunkt, Sozial- und Mieterberatung, Familien- und Nachbarschaftsräume, Selbsthilfe/Community-Angebote – ohne Konsumzwang, barrierefrei, bezahlbar).3 - Wirtschaftliche Tragfähigkeit durch Nutzungsmix und Quersubvention im Objekt
Die wirtschaftliche Tragfähigkeit wird über einen Nutzungsmix gesichert (z.B. marktgängige Büro-/Bildungs-/Wissensflächen, ausgewählte Handels-/Gastroflächen, ggf. tagungsnahe Nutzungen).
Dabei gilt: Erträge aus marktfähigen Nutzungen werden zur dauerhaften Mitfinanzierung der Sorgeflächen (u.a. niedrigere Mieten für Träger, Betrieb/Programm) innerhalb des Projekts eingesetzt (Quersubvention im Objekt).4 - Stufenplan statt „Großsanierung auf Vorrat“
Die Verwaltung legt dem Stadtrat bis Ende des 3. Quartals 2026 ein umsetzungsreifes Konzept vor, inklusive:
- Stufen- und Investitionsplan (Technik/Brandschutz/Barrierefreiheit priorisiert),
- Wirtschaftsplan (10–15 Jahre: Mieten, Betrieb, Instandhaltung, Risiken),
- Fördermittelstrategie (u.a. Städtebauförderung),
- Vorschlag für ein Betreiber- und Organisationsmodell (z.B. städtische Tochter/wbg), inkl. Governance zur Sicherung der Sorge-Quote.1
- Pilotierung ab 2026: Sorge sichtbar starten
Bereits in der Übergangsphase werden Pilotflächen für Sorgeangebote eingerichtet (mindestens eine dauerhaft zugängliche Anlaufstelle + ein nicht-kommerzieller Begegnungsraum) und sozialräumlich ausgewertet. Orientierung bieten Best-Practice-Ansätze wie Barcelonas VilaVeïna (quartiersnahe Anlaufstellen, Koordination, Treffpunkte, Angebote) und die Debatten/Erfahrungen der Kampagne „Shoppingmalls zu Sorgezentren“.5 - Verbindliche Beteiligung: Beirat „Sorgende Stadt Kaufhof“
Zur Ausgestaltung der Sorgeflächen richtet die Stadt einen Beirat ein (Wohlfahrt/Träger, Pflege- und Gesundheitsakteur:innen, Gleichstellungsstelle, Behindertenbeirat, Mieterverein, Stadtteilinitiativen u.a.). Der Beirat begleitet Bedarfsanalyse, Zugänge, Öffnungszeiten, Barrierefreiheit und Belegungskriterien.3 - Kriterien für ein Konzeptauswahlverfahren ergänzen
Falls ein Konzeptauswahlverfahren durchgeführt wird, sind Sorge-Quote, nicht-kommerzielle Räume, Barrierefreiheit und Bezahlbarkeit als verbindliche Mindestanforderungen aufzunehmen und gleichrangig mit städtebaulicher Qualität und Wirtschaftlichkeit zu bewerten.1
Begründung
- Innenstadt-Leerstände wirken als Negativspirale – auch finanziell für Kommunen. Zwischennutzung kann stabilisieren, aber sie ersetzt keine sozial ausgerichtete Zielsetzung.6
- Der Kaufhof ist ein Schlüsselstandort. Wenn die Stadt bereits Eigentümerin ist, muss sie diese Steuerungsfähigkeit nutzen, um Daseinsvorsorge und Teilhabe dauerhaft zu verankern – nicht nur Frequenz und Markenbildung.
- Internationale Praxis und die kommunalpolitische Debatte zu sorgenden Städten zeigen: Quartiersnahe Anlaufstellen, Koordination und nicht-kommerzielle Räume entlasten Menschen im Alltag und stärken Zusammenhalt.2,5
- Der Antrag verbindet das mit Haushaltsrealität: Tragfähiger Nutzungsmix + Quersubvention im Objekt + Fördermittel, statt dauerhafter struktureller Zuschüsse.
Fußnoten:
- Barcelona Time Use Initiative – „Superblock of Care (VilaVeïna)“: https://timeuse.barcelona/good-practices/superblock-of-care-vilaveina/
- RLS-Dokumentation „Shoppingmalls zu Sorgezentren“: https://www.rosalux.de/dokumentation/id/52866/shoppingmalls-zu-sorgezentren-1
- (optional, Interview) Zeitschrift Luxemburg – „Shoppingmalls zu Sorgezentren“: https://zeitschrift-luxemburg.de/artikel/shoppingmalls-zu-sorgezentren
- Stadt Nürnberg – Projektseite „Kaufhof in der Königstraße“: https://www.nuernberg.de/internet/stadtportal/kaufhof.html
- Rosa-Luxemburg-Stiftung – Themenseite „Sorgende Städte“: https://www.rosalux.de/sorgende-staedte
- Rosa-Luxemburg-Stiftung (PDF, 2024) – „Sorgende Städte / Care-Arbeit vergesellschaften“: https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/sonst_publikationen/Sorgende_Staaedte_CareArbeitVergesellschaften_RLS_2024.pdf
- Stadt Nürnberg – PM zum Vorgehen/Konzeptstudie (Hintergrund): https://www.nuernberg.de/presse/mitteilungen/pm_25682.html
- Best Practice / Debatte:
- IFH Köln – „Leerstand kostet!“: https://www.ifhkoeln.de/leerstand-kostet/ und Presse-Service-Zusammenfassung: https://www.presse-service.de/data.aspx/static/1201006.html
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