Gepostet im Mai, 2018


MEHR Schutz für die Umwelt, nicht für die Kon­zer­ne

 

Mit sei­nen Ber­gen, Fel­dern, Wäl­dern, Wie­sen, Seen und Flüs­sen ist Bay­ern ein wun­der­schö­nes Land. Aber die Groß­kon­zer­ne beu­ten unse­re Umwelt aus und ver­schmut­zen die Natur. Mit Flä­chen­ver­sie­ge­lung, Mono­kul­tu­ren, Luft- und Was­ser­ver­schmut­zung machen Groß­kon­zer­ne in Bay­ern Rekord­ge­win­ne. Ob Gam­mel­fleisch, Che­mie­ab­fäl­le oder Die­sel­skan­dal – DIE LINKE. Bay­ern will Berei­che­rung auf Kos­ten unse­rer Umwelt kon­se­quent bestra­fen und end­lich wirk­sa­me Kli­ma­schutz­maß­nah­men durch­set­zen.

Öko­lo­gi­scher Umbau – für ein lebens­wer­tes Bay­ern

Intak­te Lebens­grund­la­gen sowie eine öko­lo­gi­sche, nach­hal­ti­ge und gerech­te Nut­zung der Res­sour­cen sind für DIE LINKE untrenn­bar mit der sozia­len Gestal­tung unse­rer Gesell­schaft ver­knüpft. Des­halb sind für uns Öko­lo­gie, Natur‑, Kli­ma- und Umwelt­schutz Teil einer sozia­len und soli­da­ri­schen Gesell­schaft. Dar­über hin­aus ach­tet DIE LINKE den Eigen­wert der Natur. Denn Pflan­zen und Tie­re sowie Bio­to­pe oder Land­schaf­ten sind auch dann schutz­be­dürf­tig, wenn sie kei­nen erkenn­ba­ren Nut­zen für die Men­schen haben. Unse­re Par­tei tritt zudem für einen kon­se­quen­ten Tier­schutz und Tier­rech­te ein. Die wich­tigs­te Bedro­hung für die Umwelt welt­weit sind der fort­schrei­ten­de Kli­ma­wan­del und die Zer­stö­rung der natür­li­chen Lebens­räu­me. Seit über 60 Jah­ren wird der Agrar­sek­tor bei uns – genau wie die ande­ren Wirt­schafts­be­rei­che – nach dem kapi­ta­lis­ti­schen Prin­zip „Wach­sen oder Wei­chen“ getrimmt. Das bewirkt nicht nur, dass immer mehr klei­ne bis mitt­le­re Höfe auf­ge­ben und ihre Flä­chen an Grö­ße­re abge­ben müs­sen, son­dern auch, dass gan­ze dörf­li­che Struk­tu­ren in Bay­ern zer­stört wer­den. Fel­der, Wäl­der und Hof­stel­len wer­den zu Agrar­fa­bri­ken und Gewer­be­ge­bie­ten. DIE LINKE in Bay­ern hängt zwar kei­nem nost­al­gi­schen Hei­mat­be­griff an, sie kämpft aber mit den Men­schen in der Regi­on für ihr gesi­cher­tes Aus­kom­men und  den Zusam­men­halt in ihren Wohn­or­ten, ohne dass sie in die Bal­lungs­räu­me pen­deln müs­sen. DIE LINKE will klei­ne­re bäu­er­li­che Betrie­be bei Zusam­men­schlüs­sen und Bil­dung von Genos­sen­schaf­ten finan­zi­ell för­dern und unter­stüt­zen.

Bay­ern, das die CSU gern „mit Lap­top und Leder­ho­se“ sieht und als Vor­stu­fe zum Para­dies betrach­tet, ist Bun­des­land eines der größ­ten Indus­trie­staa­ten der Erde. Als sol­ches muss es einen spür­ba­ren Anteil für die Ver­ant­wor­tung für die Zukunft unse­res Pla­ne­ten über­neh­men. Der öko­lo­gi­sche Fuß­ab­druck unse­rer wachs­tums- und pro­fit­ori­en­tier­ten Wirt­schafts- und Kon­sum­wei­se ist unak­zep­ta­bel hoch.

Denn sowohl der Pro-Kopf-Aus­stoß von Treib­haus­ga­sen als auch der Ver­brauch von Res­sour­cen liegt hier­zu­lan­de um ein Viel­fa­ches höher als in Ent­wick­lungs­län­dern. Für den Ver­brauch von Roh­stof­fen und Ener­gie muss glei­cher­ma­ßen gel­ten: ver­mei­den, Effi­zi­enz erhö­hen, nicht erneu­er­ba­re durch erneu­er­ba­re Res­sour­cen erset­zen, geplan­te Schwach­stel­len ver­bie­ten. Eine Dis­kus­si­on über Sinn und Zweck von Wachs­tum wie über unse­re Kon­sum­ge­wohn­hei­ten ist des­halb zwin­gend not­wen­dig.

DIE LINKE wen­det sich gegen Schein­lö­sun­gen und Hoch­ri­si­ko­tech­no­lo­gi­en, auf die die Staats­re­gie­rung setzt, wie etwa die Atom­for­schung, die Agro­gen­tech­nik oder die Abschei­dung und unter­ir­di­sche Ver­pres­sung von Kraft­werks­emis­sio­nen. Fer­ner gilt es, die ursprüng­li­che bio­lo­gi­sche Viel­falt zu bewah­ren bzw. wie­der her­zu­stel­len und eine wei­te­re Zer­stö­rung der baye­ri­schen Land­schaf­ten zu ver­hin­dern. Ein wei­te­res Pro­blem sind die vie­len frei ver­käuf­li­chen Pro­duk­te mit Nano-Teil­chen und Mikro­plas­tik, deren Zahl sich stän­dig erhöht und deren Gefähr­dungs­po­ten­ti­al für Mensch und Umwelt bereits belegt ist.

Gera­de wenn es um den Aus­bau der erneu­er­ba­ren Ener­gi­en geht, mel­den sich aus den Rei­hen von CDU/CSU, FDP und AfD ver­meint­li­che Sach­wal­ter des „Klei­nen Man­nes“ zu Wort, die davor war­nen, dass die Ener­gie­wen­de für Gering­ver­die­nen­de zu teu­er wird und des­halb nicht statt­fin­den darf. Das sind genau die Kräf­te, die die Armut in Deutsch­land durch Dum­ping­löh­ne, pre­kä­re Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se und Sozi­al­leis­tun­gen, die den Namen nicht ver­die­nen, beför­dern. Eine nach­hal­ti­ge Umwelt‑, Ener­gie- und Ver­kehrs­po­li­tik kann nur gelin­gen, wenn die Poli­tik ins­ge­samt dar­auf aus­ge­rich­tet ist, Armut zu bekämp­fen.

Kli­ma schüt­zen, Ener­gie umbau­en – sozi­al und öko­lo­gisch

DIE LINKE unter­stützt die wei­te­re För­de­rung inno­va­ti­ver und kli­ma­scho­nen­der Tech­ni­ken zur Ener­gie­er­zeu­gung in Bay­ern. Im Unter­schied zu ande­ren Par­tei­en ver­bin­den wir damit die For­de­rung, dass mit dem ver­stärk­ten Ein­satz erneu­er­ba­rer Ener­gi­en ein sozia­ler Fort­schritt ein­her­geht. Für die immer häu­fi­ger pro­pa­gier­te „Green Eco­no­my“ trifft das kei­nes­falls zu, denn sie blen­det Herr­schafts- und Aus­beu­tungs­ver­hält­nis­se völ­lig aus. „Grü­ner“ Agro-Sprit aus tro­pi­schen Palm­öl­plan­ta­gen bei­spiels­wei­se för­dert Ent­eig­nun­gen von Bau­ern („Land-Grab­bing“) und Aus­beu­tung der Land­be­völ­ke­rung. Wir leh­nen Fracking („“) ent­schie­den ab.

Gegen die Wert- und Preis­lo­gik des grü­nen Kapi­ta­lis­mus setzt DIE LINKE auf den sozi­al-öko­lo­gi­schen Umbau aller Wirt­schafts­be­rei­che. Wir unter­stüt­zen daher eine dezen­tra­le Ener­gie­er­zeu­gung, an der die Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher selbst betei­ligt sind. Neben Klein­an­la­gen kön­nen es auch grö­ße­re, genos­sen­schaft­lich und kom­mu­nal ver­wal­te­te Anla­gen sein.

Mit Windkraft‑, Solar- und Kraft-Wär­me-Kopp­lungs­an­la­gen (KWK und Spei­cher) schaf­fen wir so neue regio­na­le Wert­schöp­fung und befrei­en uns aus der Feu­dal­herr­schaft der Ener­gie­kon­zer­ne. DIE LINKE steht für einen schritt­wei­sen bun­des­wei­ten Aus­stieg aus der Koh­le bis spä­tes­tens 2035, der unver­züg­lich mit der Abschal­tung der 20 dre­ckigs­ten Koh­lemei­ler ein­ge­lei­tet wer­den muss. Die Staats­re­gie­rung soll auf Bun­des­ebe­ne den Koh­le­aus­stieg und die Finan­zie­rung des Struk­tur­wan­dels in den Revie­ren unter­stüt­zen. Dies wäre nicht nur ein Bei­trag für den Kli­ma­schutz. Die Abschal­tun­gen wür­den auch einen Teil jener Höchst­span­nungs­tras­sen über­flüs­sig machen, wel­che aus dem Nor­den nach Bay­ern füh­ren sol­len. Denn die­se wer­den nach gegen­wär­ti­gen Pla­nun­gen zu einem gro­ßen Teil auch für Koh­le­strom­lie­fe­run­gen nach Süd­eu­ro­pa genutzt.

DIE LINKE for­dert ein gerech­te­res Preis­sys­tem für Ener­gie. Die EEG-Umla­ge muss refor­miert wer­den: Vie­le Aus­nah­men, die die Indus­trie von der Zah­lung der Umla­ge zu Las­ten der Ver­brau­cher befrei­en, müs­sen ent­fal­len. Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher, die Ihre Rech­nung nicht bezah­len kön­nen, dür­fen nicht vom Netz getrennt wer­den.

Wir wol­len die Grund­ver­sor­gung sicher­stel­len und Ver­schwen­dung ein­däm­men: Ener­gie­ver­sor­ger sol­len dazu ver­pflich­tet wer­den, einen Sockel­ta­rif für Strom ein­zu­füh­ren, durch den jeder Pri­vat­haus­halt ein kos­ten­lo­ses, an der Haus­halts­grö­ße ori­en­tier­tes Grund­kon­tin­gent an Strom erhält. Die­ses soll deut­lich nied­ri­ger als der durch­schnitt­li­che Ver­brauch lie­gen. Über dem kos­ten­lo­sen Kon­tin­gent sol­len die Prei­se über heu­ti­ges Niveau stei­gen. Unter dem Strich soll sich somit bei Durch­schnitts­ver­bräu­chen nichts ändern, wäh­rend ein nied­ri­ge­rer Ver­brauch stär­ker belohnt und ein über­durch­schnitt­li­cher Ver­brauch stär­ker belas­tet wer­den soll. Für Haus­hal­te mit hohen spe­zi­fi­schen Strom­ver­bräu­chen auf­grund von Nacht­spei­cher­hei­zun­gen oder einer elek­tri­schen Warm­was­ser­be­rei­tung muss es zusätz­li­che Grund­kon­tin­gen­te geben. Dabei ist eine mög­lichst rasche Umstel­lung auf öko­lo­gisch und öko­no­misch güns­ti­ge­re Hei­zun­gen anzu­stre­ben. Über­dies ist es erfor­der­lich, Maß­nah­men zur Anpas­sung an den Kli­ma­wan­del zu ergrei­fen, der Bay­ern in beson­de­rer Wei­se betrifft.

In den baye­ri­schen Alpen fiel die Erwär­mung, wie im gesam­ten Alpen­raum, dop­pelt so hoch aus wie im glo­ba­len Durch­schnitt. Bis Ende des Jahr­hun­derts wird es kaum noch Alpen­glet­scher geben. In Bay­ern ist jetzt schon mit nie­der­schlags­är­me­ren und hei­ße­ren Som­mern und deut­lich nie­der­schlag­rei­che­ren Win­tern zu rech­nen. Das Land muss sich auf ein Abtau­en gro­ßer Berei­che des alpi­nen Dau­er­frost­bo­dens und auf Stark­re­ge­n­er­eig­nis­se ein­stel­len. Die Lebens­räu­me vie­ler Arten wer­den sich ver­schie­ben.

DIE LINKE for­dert den voll­stän­di­gen Aus­stieg aus der Atom­kraft auch in Bay­ern bis Ende 2020. Für die Kos­ten der Atom­ener­gie­nut­zung müs­sen die Atom­kon­zer­ne in die Ver­ant­wor­tung genom­men wer­den. Die Suche nach einem ato­ma­ren End­la­ger muss trans­pa­rent und ergeb­nis­of­fen erfol­gen. Im Stand­ort­aus­wahl­ge­setz sind aus­rei­chen­de Betei­li­gungs- und Kla­ge­rech­te zu ver­an­kern. Auch wenn die erneu­er­ba­ren Ener­gi­en im Frei­staat künf­tig deut­lich schnel­ler wach­sen als bis­lang, wird in Bay­ern der Bau eini­ger fle­xi­bler Gas­kraft­wer­ke aus Aus­gleich für weg­fal­len­de AKW-Kapa­zi­tä­ten unver­meid­bar sein. Der beschleu­nig­te Aus­stieg aus der Atom­ener­gie ist für Bay­ern eine gro­ße Chan­ce. Das Land muss sich als Inno­va­ti­ons­mo­tor für Ener­gie­ef­fi­zi­enz, rege­ne­ra­ti­ve Ener­gi­en und moder­ne Ener­gie­ma­nage­ment­sys­te­me pro­fi­lie­ren. Ein Neu­bau von Koh­le­kraft­wer­ken als Ersatz­ka­pa­zi­tä­ten wäre dage­gen ein Weg in die Ver­gan­gen­heit und ein Schlag gegen den Kli­ma­schutz. DIE LINKE in Bay­ern lehnt ihn des­halb ab. Glei­ches gilt für Betei­li­gun­gen von baye­ri­schen Stadt­wer­ken und öffent­li­chen Ban­ken an Atom- und Koh­le­kraft­wer­ken in ande­ren Bun­des­län­dern. Dage­gen kön­nen dezen­tra­le Block­heiz­kraft­wer­ke auf Gas-Basis und Mini-KWK-Anla­gen einen Bei­trag zur Sys­tem­in­te­gra­ti­on der erneu­er­ba­ren Ener­gi­en leis­ten, wenn vie­le von ihnen zusam­men­ge­schal­tet und strom­ge­führt zen­tral gesteu­ert wer­den. Sie kön­nen so einen Teil der schwan­ken­den Ein­spei­sung von Strom aus Wind und Son­ne abfe­dern.

Wir hal­ten den weit über­di­men­sio­niert geplan­ten Aus­bau der Strom­über­tra­gungs­net­ze für tech­nisch nicht not­wen­dig und wen­den uns dage­gen. Wir leh­nen den Aus­bau der Strom­über­tra­gungs­net­ze sowohl durch Frei­lei­tun­gen als auch durch Erd­ka­bel ab. Wäh­rend auf nied­ri­ger und mitt­le­rer Span­nungs­ebe­ne die Ver­le­gung von Strom­ka­beln unter die Erde kei­ne tech­ni­schen Pro­ble­me dar­stellt, ver­wei­sen wir bei den viel leis­tungs­stär­ke­ren und grö­ße­ren Höchst­span­nungs-Erd­ka­beln auf bis­lang unzu­rei­chen­de Erfah­run­gen. Die unter­ir­di­schen Strom-Auto­bah­nen wer­den die Kos­ten des Netz­aus­baus um ca. 8 bis 10 Mil­li­ar­den Euro im Ver­gleich zu Frei­lei­tun­gen ver­teu­ern. Da das auf die Strom­ta­ri­fe umge­legt wird, kom­men auf den Durch­schnitts­haus­halt Mehr­kos­ten bis zu 10 Euro im Jahr zu. Ein typi­scher Indus­trie­be­trieb muss dem­nach bis zu 160000 und eine Gewer­be­fir­ma bis zu 11 000 Euro zusätz­lich auf­brin­gen.

Da wir die Ener­gie­wen­de sozi­al ver­träg­lich und im Sin­ne einer regio­na­len Ener­gie­er­zeu­gung gestal­ten wol­len, leh­nen wir daher den Aus­bau der Strom­über­tra­gungs­net­ze in jeg­li­cher Form ab. Sie wider­spre­chen einer dezen­tra­len und rege­ne­ra­ti­ven Ener­gie­ver­sor­gung und die­nen nur einer wei­te­ren Libe­ra­li­sie­rung des Strom­mark­tes in Euro­pa sowie der Durch­lei­tung von Koh­le­strom. Da die Ren­di­ten der Netz­be­trei­ber gesetz­lich garan­tiert wer­den, wer­den Inter­es­sen der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger in kei­ner Wei­se berück­sich­tigt, son­dern die mas­si­ven Kos­ten auf Klein­kun­den und den Mit­tel­stand abge­wälzt.

DIE LINKE for­dert die Rück­füh­rung des Über­tra­gungs­strom­net­zes in die öffent­li­che Hand sowie die Rekom­mu­na­li­sie­rung der Erzeu­gungs­ka­pa­zi­tä­ten bei Stadt­wer­ken, sowie eine Stär­kung und Betei­li­gung von Bür­ger­en­er­gie­ge­nos­sen­schaf­ten. DIE LINKE wird im Land­tag dafür ein­tre­ten, Rah­men­be­din­gun­gen zu schaf­fen, die den Rück­kauf von Stadt­wer­ke­an­tei­len von pri­va­ten Ener­gie­ver­sor­gern beför­dern. Wir wol­len Öko­stadt­wer­ke und Bür­ger­en­er­gie statt Oli­go­pol-Abspra­chen, Preis­miss­brauch und Struk­tur­kon­ser­va­ti­vis­mus der über­kom­me­nen fos­sil-ato­ma­ren Ener­gie­lob­by. So las­sen sich auch am ein­fachs­ten inno­va­ti­ve Stra­te­gi­en zur Ener­gie­ein­spa­rung und zum Aus­bau erneu­er­ba­rer Ener­gi­en ent­wi­ckeln und umset­zen.

Wir unter­stüt­zen das Ziel des Bun­des Natur­schutz, nach dem künf­tig min­des­tens 50 Pro­zent des baye­ri­schen Stroms von Bür­ger­ge­sell­schaf­ten oder öffent­li­chen Trä­gern (Stadt­wer­ke) kom­men soll. DIE LINKE stemmt sich dage­gen, ärme­re Haus­hal­te von einem ange­mes­se­nen Wär­me- und Strom­ver­brauch aus­zu­schlie­ßen. Des­halb sind wir auch für ein Ver­bot von Strom­ab­schal­tun­gen. Der Staats­re­gie­rung bzw. dem baye­ri­schen

Land­tag kommt dabei die Auf­ga­be zu:

  • unver­züg­lich die 10-H-Rege­lung abzu­schaf­fen, die das Poten­ti­al zum Wind­kraft-Aus­bau absurd ver­klei­nert und den Öko­strom-Aus­bau mas­siv behin­dert.
  • dar­auf hin­zu­wir­ken, dass Gas­kraft­wer­ke nicht mehr ohne Abwär­me­nut­zung und Wär­me­kon­zept gebaut wer­den dür­fen.
  • durch finan­zi­el­le Anrei­ze, Auf­klä­rung, Infor­ma­ti­on und Kenn­zeich­nungs­pflich­ten die Anschaf­fung von strom­spa­ren­den Haus­halts­ge­rä­ten (Ener­gie­ef­fi­zi­enz­klas­se A+++ oder neu­er) in pri­va­ten Haus­hal­ten zu beför­dern.
  • die Ener­gie­agen­tur Bay­ern („Ener­gie inno­va­tiv“) beim Staats­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Medi­en, Ener­gie und Tech­no­lo­gie so aus­zu­rich­ten, dass kom­mu­na­le Ener­gie­agen­tu­ren unter ande­rem dar­in unter­stützt wer­den, Haus­hal­ten mit nied­ri­gen Ein­kom­men kos­ten­freie Ener­gie­be­ra­tun­gen anzu­bie­ten.
  • das Kli­ma­schutz­pro­gramm „Bay­ern 2050“ zu for­cie­ren.
  • bei der Beschaf­fung für die öffent­li­che Hand und bei öffent­li­chen Inves­ti­tio­nen beson­ders ener­gie­spa­ren­de Gerä­te und Bau­wei­sen vor­zu­schrei­ben.

Im Bun­des­durch­schnitt wer­den rund 40 Pro­zent der Treib­haus­gas­emis­sio­nen im Gebäu­de­be­reich erzeugt, ins­be­son­de­re bei der Raum­hei­zung und Warm­was­ser­be­reit­stel­lung. Dar­um muss die Wär­me­däm­mung nicht nur bei Neu­bau­ten, son­dern auch im Gebäu­de­be­stand deut­lich ver­bes­sert wer­den.

DIE LINKE hat sich zum Ziel gesetzt:

  • tat­säch­lich 10 000 Häu­ser im Jahr mit För­de­rung des Frei­staats ener­ge­tisch zu sanie­ren, da das 10 000-Häu­ser-Pro­gramm zur ener­ge­ti­schen Gebäu­de­sa­nie­rung mit nur 1300 Fäl­len in der För­de­rung im Jahr 2017 ein Eti­ket­ten­schwin­del der CSU ist.
  • ener­ge­ti­sche Sanie­run­gen sozi­al abzu­si­chern, dass sie nicht zu Ver­drän­gun­gen oder Armut bei Mie­te­rin­nen und Mie­tern füh­ren; nach der ener­ge­ti­schen Sanie­rung dür­fen die umge­leg­ten Kos­ten der Sanie­rung nicht höher aus­fal­len als die ein­ge­spar­ten Heiz­kos­ten („warm­mie­ten­neu­tral“).
  • den Voll­zug der gel­ten­den Ener­gie­ein­spar­ver­ord­nung (EnEV) und die dazu gehö­ren­den Bau­kon­trol­len deut­lich zu ver­bes­sern.
  • das Aus­tausch­pro­gramm für inef­fi­zi­en­te Heiz­kes­sel („Hei­zungs­tausch-Plus“) fort­zu­füh­ren und nicht ein­zu­stel­len, da auch hier beson­ders preis­wer­te CO2-Ein­spar­po­ten­zia­le lie­gen.
  • ein Aus­tausch­pro­gramm für Nacht­spei­cher­öfen auf­zu­le­gen um die­se beson­ders kli­ma­schäd­li­che Art der Wär­me­be­reit­stel­lung zu been­den.
  • den Bau von Nied­rig­ener­gie- und Pas­siv­häu­sern zu för­dern.
  • über den Bun­des­rat tätig zu wer­den um das Mie­ter­recht dahin­ge­hend zu ändern, dass zum einen die Moder­ni­sie­rungs­um­la­ge abge­schafft und durch einen öko­lo­gi­schen Miet­spie­gel ersetzt wird, und zum ande­ren Miet- bzw. Neben­kos­ten­ab­schlä­ge mög­lich gemacht wer­den, sofern sich Haus­ei­gen­tü­mer einer sinn­vol­len Wär­me­sa­nie­rung ver­wei­gern.
  • sich im Bun­des­rat dafür ein­zu­set­zen, dass eine steu­er­li­che För­de­rung der ener­ge­ti­schen Gebäu­de­sa­nie­rung ermög­licht wird. Sie ist als Abzug von der Steu­er­schuld (also nicht von der Bemes­sungs­grund­la­ge) zu gestal­ten, damit Per­so­nen mit nied­ri­ge­rem Ein­kom­men nicht gegen­über Per­so­nen mit höhe­rem Ein­kom­men benach­tei­ligt wer­den.

Ener­gie­ge­win­nung aus Bio­mas­se ist nur sinn­voll, wenn nur Gül­le und land­wirt­schaft­li­che Rest­stof­fe zur Beschi­ckung der Anla­gen ver­wen­det wer­den oder Res­te aus der Holz­ver­ar­bei­tung, nicht als Nutz­holz geeig­ne­tes Wald­holz, Stroh und Alt­holz in Bio­mas­se­heiz­kraft­wer­ken (BMHKW) und Pyro­ly­se-Anla­gen. Nach­wach­sen­de Roh­stof­fe zur Bio­ga­ser­zeu­gung sind zurück zu fah­ren bzw. durch mehr­jäh­ri­ge Kul­tu­ren von Blüh­pflan­zen zu erset­zen. DIE LINKE wen­det sich gegen die „Ver­mai­sung“ der Land­schaft zu Guns­ten der Ener­gie­er­zeu­gung. Sie wen­det sich zudem dage­gen, aus tro­pi­schen Län­dern Agro­kraft­stof­fe oder Palm­öl zu impor­tie­ren, weil die­se zum Groß­teil im Zusam­men­hang mit Raub­bau an Tro­pen­wäl­dern und Ver­trei­bun­gen von indi­ge­nen Völ­kern und Klein­bau­ern pro­du­ziert wer­den.

Pro­ble­me gibt es bis­her noch bei der Spei­che­rung des Stroms aus erneu­er­ba­ren Ener­gi­en. Wenn bis 2040 100 Pro­zent des Strom­be­darfs aus erneu­er­ba­ren Ener­gi­en gewon­nen wer­den soll, braucht Deutsch­land bis dahin eine elek­tri­sche Spei­cher­ka­pa­zi­tät von 100 Tera­watt­stun­den. Pump­spei­cher­wer­ke kön­nen nur einen gerin­gen Teil des künf­tig erfor­der­li­chen Spei­cher­vo­lu­mens über­neh­men. Bay­ern soll­te als Inno­va­ti­ons­land füh­rend bei der Ent­wick­lung und der Markt­über­füh­rung von „Power-to-Gas“-Systemen wer­den. Zeit­wei­se über­schüs­si­ger Öko­strom kann so in Was­ser­stoff umge­wan­delt und gespei­chert oder unter Nut­zung von Koh­len­stoff­di­oxid in einer nach­ge­schal­te­ten Metha­ni­sie­rung in Methan über­führt und anschlie­ßend in das Erd­gas­netz ein­ge­speist wer­den. Das Gas­netz hat bereits eine Spei­cher­ka­pa­zi­tät von 220 Tera­watt­stun­den che­mi­scher Ener­gie. Bei Wind­flau­ten und Dun­kel­heit kann durch hoch­ef­fi­zi­en­te Gas­kraft­wer­ke mit KWK die Ener­gie rück­ver­stromt und zusätz­lich Wär­me gewon­nen wer­den. Dies sorgt für eine höhe­re Ver­sor­gungs­si­cher­heit als sie durch die ver­fehl­te Tras­sen­po­li­tik ver­spro­chen wird.

Die Staats­re­gie­rung und der Land­tag Bay­ern ste­hen fer­ner vor der Auf­ga­be:

  • Initia­ti­ven zu ergrei­fen, die die Blo­ckie­rung des Wind­ener­gie­aus­baus durch angeb­li­che Anfor­de­run­gen mili­tä­ri­scher Ein­rich­tun­gen (Radar­an­la­gen etc.) been­den.
  • die natur­ver­träg­li­che Gestal­tung der bestehen­den gro­ßen Was­ser­kraft­wer­ke mit genü­gend Rest­was­ser­men­gen, Fisch­wan­der­hil­fen und Schutz von Gewäs­ser­or­ga­nis­men vor der Tur­bi­nen­pas­sa­ge zu unter­stüt­zen und – ent­ge­gen den Pla­nun­gen der Staats­re­gie­rung – aus Natur­schutz­grün­den auf den wei­te­ren Aus­bau der klei­nen Was­ser­kraft­wer­ke zu ver­zich­ten; die weni­gen ver­blie­be­nen frei flie­ßen­den Gewäs­ser­stre­cken sind zu erhal­ten.
  • eine Vor­rei­ter­rol­le Bay­erns in der Tie­fen­geo­ther­mie sowohl bei Wär­me­net­zen als auch bei der Strom­erzeu­gung anzu­stre­ben; das baye­ri­sche Pro­gramm zum ver­stärk­ten Aus­bau von Tie­fen­geo­ther­mie-Wär­me­net­zen blieb bis­her weit­ge­hend wir­kungs­los, obwohl das süd­deut­sche Molas­se­be­cken gute geo­lo­gi­sche Bedin­gun­gen bie­tet.
  • die ange­mes­se­ne Nut­zung von Bio­mas­se aus Abfäl­len ins­be­son­de­re in dezen­tra­len Anla­gen zur gemein­sa­men Erzeu­gung und Spei­che­rung von Strom und Wär­me in sta­tio­nä­ren Anla­gen zu unter­stüt­zen.
  • den Aus­bau ins­be­son­de­re der Strom­ver­teil­net­ze für die Mit­tel­span­nung (bis 20 kV) sowie für Haus­halts­strom (bis 400 V) zu beschleu­ni­gen um die Inte­gra­ti­on von Öko­strom aus dezen­tra­len Erzeu­gungs­an­la­gen zu ermög­li­chen.

Um den Umbau des fos­sil-ato­ma­ren auf ein nach­hal­ti­ges und ver­sor­gungs­si­che­res Ener­gie­sys­tem vor­an­zu­brin­gen, sind neue For­schungs­leis­tun­gen erfor­der­lich.

Gesund­heit der Men­schen schüt­zen – Grenz­wer­te strikt ein­hal­ten!

Hohe Schad­stoff­be­las­tun­gen durch Stick­oxi­de (NOx) und Fein­staub sind eine Gefahr für die Gesund­heit der Bevöl­ke­rung, beson­ders in den Groß­städ­ten. Ursa­che der Schad­stoff­be­las­tung sind vor allem die Auto­ab­ga­se. Um die Belas­tun­gen zu ver­rin­gern, ist es nötig, dass der Auto­ver­kehr in den Städ­ten mini­miert wird und Ver­bren­nungs­mo­to­ren durch alter­na­ti­ve Antrie­be ersetzt wer­den.

Vor dem Hin­ter­grund des aktu­el­len Die­sel­skan­dals for­dern wir die poli­tisch Ver­ant­wort­li­chen in der Kom­mu­ne, auf Lan­des- und auf Bun­des­ebe­ne nach­drück­lich dazu auf, end­lich sicher­zu­stel­len, dass die Grenz­wer­te in Bezug auf die Ver­kehrs­ge­schwin­dig­kei­ten sowie alle rele­van­ten Emis­sio­nen (Lärm, Fein­staub, Stick­stoff­di­oxid und CO2) ein­ge­hal­ten wer­den.. Fast alle Auto­her­stel­ler haben offen­sicht­lich in der Ver­gan­gen­heit bei den Anga­ben zum Stick­oxid-Aus­stoß mani­pu­liert. Tat­säch­lich wur­den und wer­den die Grenz­wer­te für Stick­stoff­di­oxid bis zum 8‑fachen des Zuläs­si­gen über­schrit­ten. Wir wol­len, dass die Fol­ge­kos­ten die­ses Betrugs nach dem Ver­ur­sa­cher­prin­zip von den Her­stel­lern getra­gen wer­den. Blo­ße Soft­ware-Updates und selbst die Nach­rüs­tung von Kata­ly­sa­to­ren wer­den dabei kei­nes­falls aus­rei­chen! Der Ein­satz von Agro­treib­stof­fen ist kei­ne Alter­na­ti­ve zur Sen­kung des CO2-Aus­sto­ßes.

Der CO2-Grenz­wert für Neu­wa­gen in Euro­pa soll ab 2025 deut­lich unter 60 Gramm pro Kilo­me­ter betra­gen. Wir unter­stüt­zen den Vor­schlag des Bun­des­ra­tes, ab 2030 nur noch PKW mit null CO2-Emis­si­on zuzu­las­sen. Für die Über­wa­chung der Abgas­nor­men wol­len wir eine neue, unab­hän­gi­ge und schlag­kräf­ti­ge Behör­de beim Umwelt­bun­des­amt ansie­deln.

Die maß­geb­li­che Beein­flus­sung der Ver­kehrs­po­li­tik durch die Auto­mo­bil­kon­zer­ne muss gera­de in Bay­ern the­ma­ti­siert wer­den. Die CSU-Lan­des­re­gie­rung scheint eher Sach­wal­ter der Inter­es­sen der Akti­en­in­ha­ber der Auto­mo­bil­kon­zer­ne zu sein als ver­ant­wort­lich für die Zukunfts­in­ter­es­sen der Bevöl­ke­rung. Der ehe­ma­li­ge Ver­kehrs­mi­nis­ter Dob­rindt hat maß­geb­lich eine wesent­li­che Ver­schär­fung der Abgas­wer­te bei der EU ver­hin­dert und sich auch auf Bun­des­ebe­ne gegen eine Ent­schä­di­gungs­re­ge­lung für die betrof­fe­nen Auto­be­sit­zer gestellt. Die CSU als Lob­by­is­tin blo­ckiert gute Abgas- und CO2-Rege­lun­gen. Sie blo­ckiert damit umwelt­ver­träg­li­che­re Antriebs- und Ver­kehrs­sys­te­me.

Dem Trend zu SUVs wol­len wir durch eine höhe­re Besteue­rung ent­ge­gen­wir­ken. Wir tre­ten für eine all­ge­mei­ne inner­ört­li­che Geschwin­dig­keits­be­gren­zung von 50 km/h auf 30 km/h ein. Auch höhe­re Stell­platz­ge­büh­ren, sozi­al ver­träg­lich gestal­tet, für PKW und Motor­rä­der dür­fen kein Tabu sein, wenn wir die Lebens­qua­li­tät in der Innen­stadt nach­hal­tig ver­bes­sern wol­len.

Um Mensch und Kli­ma zu schüt­zen, for­dern wir ein Tem­po­li­mit von 120 km/h auf allen baye­ri­schen Auto­bah­nen und auto­bahn­ähn­li­chen Schnell­stra­ßen sowie eine Beschrän­kung der zuläs­si­gen Ver­kehrs­ge­schwin­dig­keit auf 80 km/h auf allen ande­ren Stra­ßen außer­halb geschlos­se­ner Ort­schaf­ten.  Ver­kehrs­lärm gehört zu den am stärks­ten emp­fun­de­nen Lärm­be­läs­ti­gun­gen. Die Mobi­li­tät in Bay­ern ist unter dem Gesichts­punkt des Kli­ma­schut­zes, der Luft­rein­hal­tung und der Lärm­ver­mei­dung zun­pla­nen. DIE LINKE will Umgebungs‑, Stra­ßen- und Schie­nen­lärm mit einem ver­bind­li­chen Lärm­schutz­ge­setz regeln und ver­rin­gern. Für den Lärm­schutz müs­sen ent­spre­chen­de Mit­tel bereit­ge­stellt wer­den. Lärm macht krank!

DIE LINKE for­dert:

  • die För­de­rung von Fahr­zeu­gen mit nied­ri­gem Kraft­stoff­ver­brauch.
  • das Ver­bot der Bei­mi­schungs­quo­te für Agro­treib­stof­fe.
  • ein Tem­po­li­mit auf allen baye­ri­schen Auto­bah­nen.
  • eine Ände­rung der Stadt­ent­wick­lungs­po­li­tik um unnö­ti­gen Ver­kehr mög­lichst zu ver­mei­den
  • die För­de­rung der gemein­schaft­li­chen Nut­zung von Autos, wie Car­sha­ring oder Pend­ler­net­ze.
  • Inves­ti­tio­nen in inno­va­ti­ve Mess­ge­rä­te, die flä­chen­de­ckend die Belas­tung durch NOx, Fein­staub und ande­re Schad­stof­fe mes­sen kön­nen, womit ziel­ge­rich­te­te Maß­nah­men zur Ver­bes­se­rung der Luft­qua­li­tät bes­ser umge­setzt wer­den kön­nen.
  • die Auf­sto­ckung der Mit­tel für den Lärm­schutz.
Personen‑, Güter- und Lie­fer­ver­kehr auf der Stra­ße ein­däm­men!

Einen wei­te­ren Neu- und Aus­bau von Auto­bah­nen und Bun­des­stra­ßen leh­nen wir ab. Neue Orts­um­fah­run­gen kom­men für uns nur dann in Betracht, wenn in den betref­fen­den Orten eine deut­lich spür­ba­re Ver­kehrs­be­ru­hi­gung zu erwar­ten ist und wenn die erfor­der­li­che Umweltvertr.glichkeitsprüfung zu einem posi­ti­ven Ergeb­nis führt. Wo immer mög­lich, ist auch ein Rück­bau bestehen­der Stra­ßen in Betracht zu zie­hen.

Die inter­na­tio­na­len Kon­zer­ne sor­gen dafür, dass immer mehr Trans­port­ki­lo­me­ter in den Pro­duk­ten ste­cken, weil die pro­fi­ta­bels­ten Bedin­gun­gen in allen Ecken Euro­pas und der Welt genutzt wer­den. Der Preis ist hoch: Unfäl­le, Lärm, Abga­se, Kli­ma­wan­del und Umwelt­zer­stö­rung. Die Kos­ten wer­den der All­ge­mein­heit auf­ge­bür­det (exter­na­li­siert) – sie sum­mie­ren sich auf 77 Mil­li­ar­den Euro pro Jahr und belas­ten vor allem die Kran­ken­kas­sen. Wir wol­len die­se Ent­wick­lung umkeh­ren, Trans­por­te ver­teu­ern und die regio­na­le Wirt­schaft stär­ken.

Die LKW-Maut wol­len wir auf alle Stra­ßen aus­wei­ten und erhö­hen. Die exter­nen Kos­ten wie Luft­ver­schmut­zung und Lärm­be­läs­ti­gung müs­sen ein­be­zo­gen wer­den. Wir wol­len ein LKW-Fahr­ver­bot ab Frei­tag­nach­mit­tag und nachts ein­füh­ren und die Nut­zung von Bun­des- und Land­stra­ßen unter­sa­gen, wenn eine Bun­des­au­to­bahn par­al­lel vor­han­den ist. Die Zulas­sung von Giga­li­nern („Mons­ter-Trucks“) leh­nen wir ab. Eben­so leh­nen wir staat­lich geför­der­te Pro­jek­te zur Erpro­bung und Ein­füh­rung von Ober­lei­tun­gen für Hybrid-LKW mit Strom­ab­neh­mern auf Auto­bah­nen und elek­tro­ni­schen Deich­seln für Kolon­nen­fahr­ten von LKW und ande­ren Nutz­fahr­zeu­gen ab. Für LKW-Fah­re­rin­nen und ‑Fah­rer wol­len wir län­ge­re Ruhe­zei­ten und bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen durch­set­zen.

Kli­ma­schutz ernst neh­men – Flug­ver­kehr ein­däm­men!

Wir sind gegen eine Erwei­te­rung des Nürn­ber­ger und des Münch­ner Flug­ha­fens, gegen jeden wei­te­ren Aus­bau von Regio­nal­flug­plät­zen und für einen Ver­zicht auf jede Sub­ven­tio­nie­rung von Luft­ver­kehrs-Infra­struk­tur. Die vor­han­de­ne Infra­struk­tur ist für baye­ri­sche Ver­hält­nis­se mehr als aus­rei­chend; vie­le inner­deut­sche und auch inner­eu­ro­päi­sche Flü­ge sind ange­sichts zahl­lo­ser schnel­ler Bahn­ver­bin­dun­gen unnö­tig. Der Aus­bau wei­te­rer Flug­ka­pa­zi­tä­ten ist sofort zu been­den! Den sozia­len und öko­lo­gi­schen Dum­ping­wett­be­werb im Luft­ver­kehr wol­len wir unter­bin­den. Öffent­li­che Zuschüs­se für Flug­hä­fen sol­len gestri­chen wer­den.

Wir sind davon über­zeugt, dass selbst die aktu­el­len, noch unzu­rei­chen­den Kli­ma­schutz­zie­le durch ein unge­brems­tes Wachs­tum des Flug­ver­kehrs kon­ter­ka­riert wer­den. Des­halb plä­die­ren wir für höhe­re Start- und Lan­de­ge­büh­ren, eine ein­heit­li­che Besteue­rung von Kero­sin, die umge­hen­de Abschaf­fung der Kero­sin­zu­schüs­se für den Münch­ner Flug­ha­fen und für den vol­len Mehr­wert­steu­er­satz auf alle Flug­ti­ckets! Wir wol­len die­se Sub­ven­tio­nen (4,7 Mil­li­ar­den Euro) strei­chen und statt­des­sen den Mehr­wert­steu­er­satz für Bahn­ti­ckets hal­bie­ren.

Der Flug­ha­fen Mün­chen darf nicht zum fünf­ten glo­ba­len Dreh­kreuz in Mit­tel­eu­ro­pa aus­ge­baut wer­den. Den Bau einer drit­ten Start- und Lan­de­bahn nach Ablauf der Bin­dungs­frist des im Jahr 2012 her­bei­ge­führ­ten Bür­ger­ent­schei­des leh­nen wir eben­so ent­schie­den ab wie den Ver­kauf der Antei­le der Lan­des­haupt­stadt Mün­chen an der Flug­ha­fen-GmbH (23 Pro­zent­Pro­zent), die den ver­blei­ben­den bei­den Gesell­schaf­tern – dem Frei­staat Bay­ern (51 Pro­zent­Pro­zent) und der BRD (26 Pro­zent­Pro­zent) – freie Hand geben wür­de, die drit­te Start­bahn ent­ge­gen dem Bür­ger­wil­len doch noch zu rea­li­sie­ren.

Wir befürch­ten eine wei­te­re Zunah­me des Flug­lärms und for­dern des­halb ein Nacht­flug­ver­bot an allen baye­ri­schen Flug­hä­fen. Die­ses Nacht­flug­ver­bot ist im Bun­des­luft­ver­kehrs­ge­setz zu ver­an­kern. Flug­rou­ten müs­sen in einem trans­pa­ren­ten, öffent­li­chen, demo­kra­ti­schen und bundesl.nderübergreifenden Ver­fah­ren aus­ge­ar­bei­tet wer­den.

DIE LINKE will:

  • kei­ne drit­te Start­bahn am Flug­ha­fen Mün­chen.
  • die Umbe­nen­nung des Franz-Josef-Strauß-Flug­ha­fens in Kurt-Eis­ner-Flug­ha­fen zur Wür­di­gung des ers­ten baye­ri­schen Minis­ter­prä­si­den­ten.
  • kei­ne Erwei­te­rung des Nürn­ber­ger Flug­ha­fens und kei­nen wei­te­ren Aus­bau von Regio­nal­flug­plät­zen.
  • die umge­hen­de Abschaf­fung von Ver­güns­ti­gun­gen des Münch­ner Flug­ha­fens für Flug­ge­sell­schaf­ten.
  • die ein­heit­li­che Besteue­rung von Kero­sin.
  • die Erhe­bung der Mehr­wert­steu­er auch auf inter­na­tio­na­le Flug­ti­ckets.
Natur und Land­schaft schüt­zen

Der Genuß der Natur­schön­hei­ten und die Erho­lung in der frei­en Natur, ins­be­son­de­re das Betre­ten von Wald und Berg­wei­de, das Befah­ren der Gewäs­ser und die Aneig­nung wild­wach­sen­der Wald­früch­te in orts­üb­li­chem Umfang ist jeder­mann gestat­tet. 2 Dabei ist jeder­mann ver­pflich­tet, mit Natur und Land­schaft pfleg­lich umzu­ge­hen. 3 Staat und Gemein­de sind berech­tigt und ver­pflich­tet, der All­ge­mein­heit die Zugän­ge zu Ber­gen, Seen, Flüs­sen und sons­ti­gen land­schaft­li­chen Schön­hei­ten frei­zu­hal­ten und allen­falls durch Ein­schrän­kun­gen des Eigen­tums­rech­tes frei­zu­ma­chen sowie Wan­der­we­ge und Erho­lungs­parks anzu­le­gen. (Art. 141)

Bay­ern hat eine viel­ge­stal­ti­ge, in eini­gen Regio­nen auch ein­zig­ar­ti­ge Natur- und Kul­tur­land­schaft. Sie reicht vom Fran­ken­wald über die baye­ri­schen Seen bis hin zu den Alpen. Die übergro.e Mehr­heit der Men­schen in Bay­ern ist mit die­sen Regio­nen tief ver­bun­den. Den­noch sind sie bedroht. Zuneh­men­de Flä­chen­ver­sie­ge­lung, Inten­siv­land­wirt­schaft, Schad­stoff­ein­trä­ge der Indus­trie, Zer­schnei­dung von Natur­räu­men, Ver­kehrs­emis­sio­nen und Lärm sowie teil­wei­se auch tou­ris­ti­sche Über­nut­zung schä­di­gen Land­schaf­ten und Bio­to­pe. Zuneh­mend setzt auch der Kli­ma­wan­del den hei­mi­schen Arten zu.

Die völ­lig unge­re­gel­te Frei­set­zung von Nano­par­ti­keln ist eine Gefahr für die Umwelt und die Gesund­heit von Mensch und Tier. Die am häu­figs­ten ver­wen­de­ten Mate­ria­li­en (Sili­zi­um­di­oxid, Titan­di­oxid, Zink­oxid, Sil­ber, Koh­len­stoff) sind in makro­sko­pi­scher Form nicht toxisch, aber als Nano­par­ti­kel haben sie oft ver­än­der­te che­mi­sche und phy­si­ka­li­sche Eigen­schaf­ten und damit auch einen ande­ren Ein­fluss auf Umwelt und Gesund­heit. Zum Bei­spiel hat sich das anti­bak­te­ri­ell wir­ken­de Nano-Sil­ber als schäd­lich für nütz­li­che Was­ser­bak­te­ri­en her­aus­ge­stellt, Nano-Titan­di­oxid ver­ur­sacht  im Tier­ver­such Lun­gen­krebs und beim Nach­wuchs Schä­den des Hirns und des Ner­ven­sys­tems. Über die Umwelt­ge­fähr­dun­gen, die von den Nano­tech­no­lo­gi­en aus­ge­hen, ist bis­her wenig bekannt.

Die Anzahl der unzer­schnit­te­nen ver­kehrs­ar­men Land­schafts­räu­me in Bay­ern ist seit 1975 auf etwa die Hälf­te zurück­ge­gan­gen. Auch hat das Spek­trum unter­schied­li­cher Lebens­räu­me abge­nom­men. Damit zusam­men­hän­gend ist ein deut­li­cher Rück­gang der Arten­viel­falt zu ver­zeich­nen. Ins­be­son­de­re sind Arten der Offen­land­schaf­ten betrof­fen, zum Bei­spiel Feld- und Wie­sen­brü­ter.

Pro Tag wird in Bay­ern die Flä­che von annä­hernd 20 Fuß­ball­fel­dern der Natur ent­ris­sen und für immer ver­sie­gelt. Der Flä­chen­be­darf pro Ein­woh­ner ist in den letz­ten 15 Jah­ren um fast 20 Pro­zent gestie­gen – bei gleich­zei­tig deut­lich wach­sen­der Bevöl­ke­rung. Dies wur­de durch die exzes­si­ve Wirt­schafts- und Immo­bi­li­en­po­li­tik der CSU ver­ur­sacht. Die­ser Ent­wick­lung muss unver­züg­lich Ein­halt gebo­ten bzw. sie durch Rück­bau umge­kehrt wer­den, damit auch in Zukunft für nach­fol­gen­de Genera­tio­nen genü­gend Flä­chen für den Natur­schutz und eine nach­hal­ti­ge Land­wirt­schaft zu Ver­fü­gung ste­hen.

Der sich stän­dig aus­wei­ten­de Flä­chen­be­darf ist zu hin­ter­fra­gen, sowohl für Woh­nen, Ver­kehr als auch für Gewer­be. Soll­te eine Aus­wei­tung der zu bebau­en­den Flä­che wirk­lich unab­wend­bar sein, soll­te mög­lichst ein Bau­en in die Höhe statt in die Flä­che ver­ord­net wer­den. Die beschlos­se­ne Teil­fort­schrei­bung des Lan­des­ent­wick­lungs­pro­gramms (LEP) leh­nen wir ab. Ins­be­son­de­re die Locke­run­gen des Anbin­de­ge­bots für Ein­zel­han­dels­groß­pro­jek­te und die Ände­rung des Alpen­plans müs­sen ver­hin­dert bzw. rückg.ngig gemacht wer­den. Der LEP muss genutzt wer­den um den unge­hemm­ten Flä­chen­ver­brauch in Bay­ern zu redu­zie­ren. DIE LINKE unter­stützt das Volks­be­geh­ren „Beton­flut ein­däm­men“.

Gemein­den dür­fen sich nicht wei­ter­hin einen Wett­be­werb um die güns­tigs­ten Gewer­be­steu­er­sät­ze lie­fern. Sinn­voll ist die Erhe­bung einer Ver­sie­ge­lungs­ab­ga­be. Dabei wol­len wir dar­auf ach­ten, dass nicht die Mecha­nis­men des „frei­en Mark­tes“ als Steue­rungs­in­stru­ment ein­ge­setzt wer­den, denn die­se haben bereits völ­lig ver­sagt. Mit einem Han­dels­sys­tem für Zer­ti­fi­ka­te zum Flä­chen­ver­brauch sind wir auf dem fal­schen Weg. Finan­zi­ell gut aus­ge­stat­te­te Kom­mu­nen könn­ten dann noch mehr Gewer­be­be­trie­be ansie­deln und die Leucht­turm­po­li­tik in Bay­ern noch wei­ter ver­stär­ken. Finanz­schwä­che­re Kom­mu­nen wür­den durch den Ver­kauf von Gewer­be­flä­chen­zer­ti­fi­ka­ten ihre zukünf­ti­ge Pla­nungs­ho­heit aufs Spiel set­zen und die kom­mu­na­le Ent­schei­dungs­ho­heit wür­de zur han­del­ba­ren Ware. Genau­so hal­ten wir es nicht für ziel­füh­rend Aus­gleichs­flä­chen in ent­fern­te Gemein­den zu ver­la­gern und damit die Pro­ble­me unver­ant­wort­lich von sich weg zu schie­ben.

Zukünf­tig müs­sen alle Bau­vor­ha­ben Nach­hal­tig­keits­kri­te­ri­en unter­wor­fen wer­den. Wir schla­gen dazu eine Grund­zu­tei­lung von Verkehrs‑, Gewerbe‑, Wohn- und Infra­struk­tur­flä­chen pro Ein­woh­ner vor. Struk­tur­schwa­che Gebie­te kön­nen nur durch eine sinn­vol­le För­de­rung auf­ge­wer­tet wer­den und damit einer wei­te­ren Ent­völ­ke­rung mit den Kon­se­quen­zen für die Zuzugs­ge­bie­te ent­ge­hen.

Die baye­ri­sche Staats­re­gie­rung bzw. der Land­tag sind daher auf­ge­for­dert:

  • den Anteil von Schutz­ge­bie­ten an der Lan­des­flä­che zu erhö­hen.
  • zwei wei­te­re Natio­nal­parks zu grün­den.
  • inner­halb der Schutz­ge­bie­te auch Rückzugsr.ume für die Natur zu schaf­fen, in denen sie sich weit­ge­hend ohne Ein­fluss des Men­schen ent­wi­ckeln kann.
  • die bestehen­den und neu zu schaf­fen­den Schutz­ge­bie­te groß­räu­mig mit­ein­an­der zu ver­net­zen um Tie­ren und Pflan­zen die Mög­lich­keit zu geben, zu wan­dern, sich zu paa­ren bzw. sich gene­tisch aus­zu­tau­schen; dies wäre gleich­zei­tig ein Bei­trag zur Anpas­sung an den Kli­ma­wan­del.
  • eine Flä­chen­ver­sie­ge­lungs­ab­ga­be ein­zu­füh­ren um den zusätz­li­chen Flä­chen­ver­brauch für Ver­kehrs- und Sied­lungs­flä­chen in Höhe von gegen­wär­tig rund 20 Hekt­ar am Tag zu stop­pen sowie Ent­sie­ge­lun­gen an nicht mehr benö­tig­ten Flä­chen vor­zu­schrei­ben bzw. attrak­tiv zu machen.
  • die Ein­hal­tung der guten fach­li­chen Pra­xis in der Land­wirt­schaft und der Dün­ge­mit­tel­ver­ord­nung bes­ser zu über­wa­chen und den öko­lo­gi­schen Land­bau als beson­ders natur­scho­nen­de Vari­an­te der Land­wirt­schaft stär­ker zu för­dern.
  • die bestehen­den Arten- und Bio­top­schutz­pro­gram­me stär­ker an den sich voll­zie­hen­den Kli­ma­wan­del aus­zu­rich­ten sowie Pro­gram­me auf­zu­le­gen, die den Schutz vor Berg­rut­schen infol­ge des Auf­tau­ens des Per­ma­frost­bo­dens in den hoch­al­pi­nen Gebie­ten zum Inhalt haben.
  • im Bun­des­rat einen Gesetz­ent­wurf ein­zu­brin­gen mit dem Ziel, dass der Ein­satz syn­the­ti­scher Nano­ma­te­ria­li­en in umwelt­of­fe­nen und ver­brau­cher­na­hen Anwen­dun­gen solan­ge gestoppt wird, bis wirk­sa­me nano­spe­zi­fi­sche Rege­lun­gen in Kraft sind, die mög­li­che Risi­ken für Men­schen und Umwelt aus­schlie­ßen sowie eine Kenn­zeich­nungs­pflicht für Nano­ma­te­ria­li­en in Pro­duk­ten ent­hal­ten.
Flüs­se müs­sen frei flie­ßen

Die Flüs­se haben in der Ver­gan­gen­heit an Was­ser­stra­ßen­pro­jek­ten und was­ser­bau­li­chen Maß­nah­men gelit­ten. Nur 12,5 Pro­zent der natür­li­chen Gewäs­ser Bay­erns sind unver­baut oder gering ver­baut. Die CSU wird die Zie­le der Was­ser­rah­men­richt­li­nie und der natio­na­len Bio­di­ver­si­täts­stra­te­gie kra­chend ver­feh­len.

Der Aus­bau des letz­ten Stü­ckes frei flie­ßen­der Donau zwi­schen Strau­bing und Vils­ho­fen ist momen­tan vom Tisch. Das beharr­li­che Enga­ge­ment der Men­schen vor Ort für die Donau hat sich bezahlt gemacht. Jetzt gilt es den Fluss wei­ter auf­zu­wer­ten. Die Donau zwi­schen Regens­burg und Pas­sau ist öko­lo­gisch schutz­wür­dig und kul­tur­his­to­risch wert­voll. Wir unter­stüt­zen daher die Bestre­bung, die­se Land­schaft als UNESCO-Welt­erbe zu bewah­ren.

4250 Was­ser­kraft­an­la­gen fin­den sich an Bay­erns Fließ­ge­wäs­sern. Den wesent­li­chen Anteil der Strom­erzeu­gung mit 92 Pro­zent leis­ten aller­dings nur 219 Anla­gen, die sich vor allem an den alpi­nen Flüs­sen Isar, Inn, Lech und Iller befin­den. Über 4000 Klein­was­ser­kraft­an­la­gen mit einer Leis­tung unter 1000 Kilo­watt erbrin­gen ins­ge­samt nur 8 Pro­zent der Leis­tung. Sie leis­ten damit nur einen sehr gerin­gen Bei­trag zum Kli­ma­schutz, hin­dern aber Fische an der Wan­de­rung und zer­stö­ren mas­siv Fließ­ge­wäs­ser­le­bens­räu­me.

Die zahl­rei­chen Hoch­was­ser­er­eig­nis­se, die nicht nur an Bay­erns gro­ßen Flüs­sen, son­dern auch an klei­nen Bächen auf­tre­ten, zei­gen die zer­stö­re­ri­sche Kraft von Extrem­wet­ter­er­eig­nis­sen. Men­schen mit gerin­gem Ein­kom­men wer­den von sol­chen Kata­stro­phen in beson­de­re Not gestürzt. Das Hoch­was­ser­schutz- Akti­ons­pro­gramm „2020plus“ fixiert sich ein­sei­tig auf den tech­ni­schen Hoch­was­ser­schutz und ver­nach­läs­sigt den erfor­der­li­chen natür­li­chen Hoch­was­ser­schutz in der Flä­che.

DIE LINKE for­dert daher:

  • die Erhal­tung der weni­gen ver­blie­be­nen frei flie­ßen­den Gewäs­ser­stre­cken.
  • den Neu­bau von Was­ser­kraft­wer­ken in unse­ren Flüs­sen zu stop­pen.
  • den Ein­satz von Strom-Bojen, die in mitt­le­ren bis gro­ßen Flüs­sen Strö­mungs­en­er­gie in Elek­tri­zi­tät umwan­deln, zu erfor­schen und auf den Weg zu brin­gen.
  • die natur­ver­träg­li­che Gestal­tung der bestehen­den Was­ser­kraft­wer­ke mit genü­gend Rest­was­ser­men­gen, Fisch­wan­der­hil­fen und Schutz von Gewäs­ser­or­ga­nis­men vor der Tur­bi­nen­pas­sa­ge.
  • öko­lo­gi­schen Hoch­was­ser­schutz in der Flä­che; Deich­bau allei­ne ist kei­ne Lösung, son­dern ver­schärft das Pro­blem.
  • eine soli­da­ri­sche Ele­men­tar­ver­si­che­rung und einen Ent­schä­di­gungs­fonds für Hoch­was­ser­schä­den und ande­re Natur­ka­ta­stro­phen.

DIE LINKE will:

  • kei­ne Bau­maß­nah­men auf hoch­was­ser­ge­fähr­de­ten Flä­chen und angren­zend kei­ne Ver­sie­ge­lung.
  • eine Rück­ver­le­gung von Dei­chen.
  • die För­de­rung von Bewirt­schaf­tungs­for­men, die Boden­ver­dich­tung, bewuchs­freie Peri­oden und Ober­flä­chen­ab­fluss mini­mie­ren.
  • den ver­bind­li­chen Schutz der Ufer- und Gewäs­ser­rand­strei­fen.
  • die Wie­der­ver­näs­sung von Moo­ren im Rah­men eines lan­des­wei­ten Moor­schutz­plans.
  • ein Lan­des­pro­gramm zur För­de­rung von öko­lo­gi­schen Bewirt­schaf­tungs­for­men von dena­tu­rier­ten Moo­ren (Palu­di­kul­tur).
  • Auen­schutz als geleb­ten Klima‑, Natur- und Hoch­was­ser­schutz; dies beinhal­tet einen Natio­nal­park Donau­au­en.
  • die Rena­tu­rie­rung von Fluss­läu­fen bei­spiels­wei­se durch das Ent­fer­nen von Ufer­ver­bau­un­gen.
  • eine Sicher­stel­lung der Durch­gän­gig­keit der Gewäs­ser für wan­dern­de Fisch­ar­ten.
  • flä­chen­de­cken­de und eng­ma­schi­ge Kon­trol­len der baye­ri­schen Gewäs­ser auf Schad­stof­fe, ins­be­son­de­re auch auf Pflan­zen­schutz­mit­tel, hor­mon­ak­ti­ve Sub­stan­zen, Mikro­plas­tik, anti­bio­tika­re­sis­ten­te Bak­te­ri­en und mul­ti­re­sis­ten­te Kei­me.
  • die Erwei­te­rung des Mas­ter­plans für die baye­ri­sche Donau zu einem Mas­ter­plan für ein weiß­blau­es Band der Flüs­se und Bäche in Bay­ern.
  • grenz­über­schrei­ten­de öko­lo­gi­sche und sozia­le Zusam­men­ar­beit durch Bele­bung und Über­ar­bei­tung der EU-Donau­raum­stra­te­gie.
Für einen öko­lo­gisch ori­en­tier­ten Land­bau

Die bis­he­ri­ge Land­wirt­schafts­po­li­tik stört unser Umwelt­gleich­ge­wicht. Ein öko­lo­gisch ori­en­tier­ter Land­bau trägt hin­ge­gen zum Gewäs­ser­schutz bei, erzeugt weni­ger Treib­haus­ga­se und ist in der Lage, die­se zu bin­den, erhält die Arten­viel­falt und bewahrt die klein­tei­li­ge, reich struk­tu­rier­te Kul­tur­land­schaft.

Die momen­ta­ne Aus­rich­tung nach Pro­fit­ma­xi­mie­rung und Export der Agrar­wirt­schaft hat ver­hee­ren­de Aus­wir­kun­gen auf die Umwelt sowie auf Klein­bau­ern und die Kul­tur­land­schaft. Damit die Land­wirt­schaft auch außer­halb von Agrar­fa­bri­ken und Mono­kul­tu­ren noch ren­ta­bel ist, for­dert DIE LINKE einen Min­dest­preis für Agrar­pro­duk­te wie bei­spiels­wei­se Milch. Wir tei­len die For­de­rung der Bau­ern nach Mini­mum 42 Cent pro Liter Milch. Die bis­he­ri­ge Sub­ven­ti­ons­po­li­tik hat haupt­säch­lich zu stär­ke­ren Expor­ten geführt.

Fleisch­pro­duk­te wer­den häu­fig ins EU-Aus­land expor­tiert, da die Ange­stell­ten in den Schlacht­häu­sern in Deutsch­land im EU-Ver­gleich sehr schlecht bezahlt wer­den. Oft­mals wer­den Pro­duk­te expor­tiert, wel­che im Ziel­land eben­falls ange­baut wer­den könn­ten. Gleich­zei­tig wer­den Lebens­mit­tel impor­tiert, die wie­der­um hier pro­du­ziert wer­den könn­ten. Die­ser absur­de Waren­ver­kehr ist eine mas­si­ve Belas­tung für die Umwelt. Gleich­zei­tig schwächt dies auch die Posi­ti­on der Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer, da eine Stand­ort­kon­kur­renz auf­ge­baut wird. Der Frei­staat muss in die Pflicht genom­men wer­den die­se Sub­ven­ti­ons­po­li­tik grund­le­gend zu ver­än­dern, sodass Pro­duk­te, die kur­ze Stre­cken trans­por­tiert wer­den, stär­ker bevor­zugt wer­den. DIE LINKE steht für Wochen­markt statt Welt­markt.

Gro­ße Tier­fa­bri­ken leh­nen wir ab. DIE LINKE setzt sich für eine Nutz­tier­hal­tung ein, die flä­chen­ge­bun­den, auf die ein­hei­mi­sche Nach­fra­ge bezo­gen und tier­ge­recht ist. DIE LINKE setzt sich für eine Min­dest­flä­che von zwei Groß­vieh­ein­hei­ten pro Hekt­ar ein. Dazu sind Bestands­ober­gren­zen für Regio­nen und Stand­or­te ein­zu­füh­ren. For­men der Nutz­tier­hal­tung mit quä­le­ri­schen Pro­duk­ti­ons­wei­sen und einem hohen Bedarf an Anti­bio­ti­ka wol­len wir ver­bie­ten. Der Ein­satz von Anti­bio­ti­ka und Wachs­tums­mit­teln in der Tier­zucht kann zu gesund­heit­li­chen Risi­ken füh­ren und belas­tet die Umwelt. Daher muss der Ein­satz von Anti­bio­ti­ka in der Land­wirt­schaft auf zwin­gend not­wen­di­ge Behand­lun­gen begrenzt wer­den, Kon­trol­len müs­sen ver­schärft und Ver­stö­ße här­ter bestraft wer­den.

DIE LINKE for­dert ein tota­les Ver­bot von gesund­heits­ge­fähr­den­den Her­bi­zi­den, wozu u.a. Gly­pho­sat gehört, und ver­ur­teilt das Abstim­mungs­ver­hal­ten des frü­he­ren Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­ters Chris­ti­an Schmidt.

Drei Ent­wick­lungs­per­spek­ti­ven für die baye­ri­sche Land- und Forst­wirt­schaft will DIE LINKE beson­ders för­dern:

  • den Umbau der För­de­rung land- und forst­wirt­schaft­li­cher Betrie­be hin zu umwelt­ver­träg­li­che­ren Pro­duk­ti­ons­for­men.
  • die Stär­kung und den Aus­bau der land­schafts­pfle­ge­ri­schen Akti­vi­tä­ten nach den ört­li­chen Gege­ben­hei­ten, zum Bei­spiel Alm­wirt­schaft, grü­ne Fluss­au­en, Bann­wald.
  • den Zusam­men­schluss und die Koope­ra­ti­on von Bäue­rin­nen und Bau­ern (bei­spiels­wei­se durch Erzeu­ger- oder Absatz­ge­nos­sen­schaf­ten).
Bay­erns Äcker ohne Gen­tech­nik, kei­ne Paten­te auf Leben

Gen­tech­nik in der Land­wirt­schaft ist nutz­los und ris­kant und wird von einer Mehr­heit der Bevöl­ke­rung in Bay­ern abge­lehnt. Sie gefähr­det die gen­tech­nik­freie Land­wirt­schaft und Imke­rei. Sie bringt Bäue­rin­nen und Bau­ern in immer stär­ke­re Abhän­gig­keit von trans­na­tio­na­len Agro­che­mie-Kon­zer­nen wie Mon­s­an­to, Bay­er oder BASF. Die­se haben nur ihre Pro­fit­ma­xi­mie­rung, aber nicht die Inter­es­sen der Land­wirt­schaft im Kopf. Gen­tech­nisch ver­än­der­te Pflan­zen kön­nen sich unkon­trol­liert aus­brei­ten. Die Tren­nung von gen­tech­nisch ver­än­der­ten und unver­än­der­ten Pflan­zen ist in der Pra­xis kaum mög­lich. Dafür gibt es unzäh­li­ge Bei­spie­le inter­na­tio­na­ler Skan­da­le.

DIE LINKE in Bay­ern lehnt die Agro-Gen­tech­nik ab. Wir brau­chen weder Gen­mais auf unse­ren Äckern, noch Gen­so­ja in den Fut­ter­trö­gen unse­rer Milch­kü­he.

Wir unter­stüt­zen basis­de­mo­kra­ti­sche Pro­tes­te und die Ein­rich­tung von gen­tech­nik­frei­en Regio­nen oder Kom­mu­nen. Wir brau­chen regio­na­le Lösun­gen und nicht inter­na­tio­na­le Labor­pflan­zen, die nur zur Pro­fit­ma­xi­mie­rung weni­ger Kon­zer­ne die­nen. Alte Sor­ten von Nutz­pflan­zen wol­len wir bewah­ren.

Immer öfter kommt es vor, dass Bio­tech-Fir­men, wie zum Bei­spiel Mon­s­an­to, auch Paten­te auf kon­ven­tio­nell gezüch­te­te Pflan­zen­sor­ten und Nutz­tie­re bean­tra­gen. Dann kann es dazu kom­men, dass die­se Fir­men Anspruch auf die ent­spre­chen­den Pflan­zen oder Tie­re bei den Bau­ern anmel­den und Lizenz­ge­büh­ren ver­lan­gen. Wir for­dern die baye­ri­sche Staats­re­gie­rung auf, alle Mit­tel ein­zu­set­zen, um bäu­er­li­che Betrie­be vor die­sen Ansprü­chen zu schüt­zen. Paten­te auf Leben darf es nicht geben!

Blü­hen­de Land­schaf­ten gegen das Insek­ten­ster­ben

Die indus­tri­el­le Land­wirt­schaft schä­digt die Arten­viel­falt in den länd­li­chen Räu­men Bay­erns. Mono­kul­tu­ren sind krank­heits­an­fäl­lig, lau­gen die Böden aus und tra­gen zur Boden­ero­si­on bei. Agro­che­mi­ka­li­en wie das krebs­er­re­gen­de Gly­pho­sat sind mitt­ler­wei­le im Kör­per vie­ler Men­schen nach­weis­bar. Wie sich die­ser Cock­tail aus ver­schie­dens­ten Che­mi­ka­li­en auf die Gesund­heit aus­wirkt bleibt ein unkal­ku­lier­ba­res Risi­ko.

Noch wesent­lich dra­ma­ti­scher sind die Aus­wir­kun­gen auf die Tier­welt. Insek­ten ster­ben sowohl durch feh­len­des Nah­rungs­an­ge­bot in den Agrar­wüs­ten, als auch durch direk­te Ein­wir­kung ins­be­son­de­re von Insek­ti­zi­den. Wenn die Bie­ne stirbt, sin­ken nicht nur die Erträ­ge durch feh­len­de Bestäu­bung. Insek­ten­ster­ben ist immer auch ein Vogel­ster­ben. Mit die schäd­lichs­ten Aus­wir­kun­gen hat der Mais­an­bau, des­sen Anteil an der Acker­flä­che in Bay­ern bereits über 25 Pro­zent beträgt. Beson­ders Wie­sen­stand­or­ten führt er zum Ver­lust von Bio­to­pen für Boden­brü­ter wie dem Kie­bitz. Her­bi­zi­de ver­gif­ten Begleit­kräu­ter und Insek­ten, Nitra­te z.T. von der Gül­le aus der Mas­sen­tier­hal­tung gefähr­den das Grund­was­ser. Ener­gie­mais ist ein Ein­falls­tor für die grü­ne Gen­tech­nik. Blü­hen­de, gift­freie Land­schaf­ten sind unse­re Visi­on.

Kon­kret for­dert DIE LINKE:

  • die Auf­sto­ckung der Mit­tel zur För­de­rung von Maß­nah­men im Bereich der Bie­nen­hal­tung.
  • die För­de­rung des Anbaus von Becher­pflan­zen als Alter­na­ti­ve zum Ener­gie­mais. Stau­den wie die Becher­pflan­ze müs­sen nicht jedes Jahr neu ein­ge­sät wer­den, ver­wer­ten mit ihren lan­gen Wur­zeln schäd­li­ches Nitrat aus grö­ße­rer Tie­fe, bie­ten mit ihren Blü­ten Bie­nen­wei­de und brin­gen ähn­li­che Erträ­ge wie der Mais.
  • ein flä­chen­de­cken­des Moni­to­ring auf Pestizidrückst.nden im Honig.
  • eine Inten­si­vie­rung der Erfor­schung von Bie­nen­krank­hei­ten wie der Ame­ri­ka­ni­schen Faul­brut.
  • ein För­der­pro­gramm als Anreiz für Kom­mu­nen Blühfl.chen im öffent­li­chen Grün zu schaf­fen.
  • eine bes­se­re För­de­rung von Streu­obst­wie­sen als Lebens­raum und Fut­ter­grund­la­ge für Insek­ten einer­seits und zur Stär­kung regio­na­ler Wert­schöp­fung ande­rer­seits.
  • eine geziel­te För­de­rung des Nah­rungs­an­ge­bots der Bie­nen im Som­mer, da es mit Ende der Lin­den­blü­te nur noch ein gerin­ges Nek­tar- und Pol­len­an­ge­bot gibt.
  • die Vor­rei­ter­rol­le Bay­erns in der Erfor­schung des bio­lo­gi­schen Pflan­zen­schut­zes.
  • das sofor­ti­ge Ver­bot von Pes­ti­zi­den, die nach­weis­lich das Insek­ten­ster­ben mit­ver­ur­sa­chen oder die mensch­li­che Gesund­heit bedro­hen.
  • den kon­ti­nu­ier­li­chen Ersatz des kon­ven­tio­nel­len Pflan­zen­schut­zes durch Maß­nah­men des öko­lo­gi­schen Pflan­zen­schut­zes.
  • das Ver­bot von grü­ner Gen­tech­nik.
  • auf EU-Ebe­ne eine Ände­rung der Vor­ga­ben des Euro­päi­schen Land­wirt­schafts­fonds für die Ent­wick­lung des länd­li­chen Raums (ELER), damit eine För­de­rung zum Bei­spiel von Stra­ßen­rand­strei­fen oder Park­an­la­gen ermög­licht wird.
  • die Nut­zung der durch den Frei­staat oder die Kom­mu­nen bewirt­schaf­te­ten Stra­ßen­rand­strei­fen als Insek­ten­wei­den.
  • eine bes­se­re För­de­rung exten­siv bewirt­schaf­te­ter Grünlandfl.chen auch als wirk­sa­me Schutz­maß­nah­me für Wie­sen­brü­ter.
  • die Ein­däm­mung der Licht­ver­schmut­zung.
Roh­stof­fe erhal­ten und recy­clen

Roh­stof­fe wer­den in der Zukunft immer wich­ti­ger. Das heißt, dass aus die­sem Grun­de immer mehr ein­ge­spart und der Wie­der­ver­wer­tung zuge­führt wer­den muss und in abseh­ba­rer Zeit eine Kreis­lauf­wirt­schaft ent­ste­hen kann, die nahe­zu auf neue Res­sour­cen ver­zich­ten kann.

Dies muss auch in Bay­ern Leit­li­nie wer­den, wenn wir eine zukunfts­fä­hi­ge Poli­tik für kom­men­de Genera­tio­nen ent­wi­ckeln wol­len. Die Men­ge der Abfäl­le aus Haus­hal­ten und der haus­halts­ähn­li­chen Abfäl­le in Bay­ern hat sich seit 1990 nicht ver­rin­gert. Sie liegt bei jähr­lich etwa 530 kg je Ein­woh­ner. 2006 lag die Men­ge noch bei etwa 506 kg. Abfall­ver­mei­dungs­stra­te­gi­en, so es sie gab, haben also offen­sicht­lich nicht gegrif­fen.

Die Ver­wer­tung die­ser Abfäl­le liegt zwar mit 74 Pro­zent rech­ne­risch auf einem hohen Niveau, im Gegen­satz zu ande­ren Bun­des­län­dern hat­ten in Bay­ern aber bio­lo­gisch-mecha­ni­sche Abfall­be­hand­lungs­an­la­gen (MBA) bis­lang kei­ne Chan­ce. Dabei sind sie für die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger preis­wer­ter und las­sen sich im Gegen­satz zu Müll­ver­bren­nungs­an­la­gen dezen­tral in klei­ne­ren Anla­gen betrei­ben. Das ver­min­dert Trans­port­we­ge. Zudem lie­fern die MBA nach der Ver­rot­tung oder Ver­gä­rung der Abfäl­le rund zu zwei Drit­teln ein boden­ähn­li­ches Sub­strat und zu einem Drit­tel heiz­wertrei­che Stof­fe, die zur Ener­gie­ge­win­nung genutzt wer­den kön­nen.

Die Mehr­weg­quo­te bei Geträn­ke­ver­pa­ckun­gen ist bun­des­weit dra­ma­tisch gesun­ken. Die Hoff­nun­gen, die mit der Ein­füh­rung des Pflicht­pfands ver­bun­den wur­den, haben sich also offen­sicht­lich nicht erfüllt, weil die Wirt­schaft auf Ein­weg aus­ge­wi­chen ist. Das scha­det nicht nur der Umwelt, son­dern kos­tet auch jede Men­ge Arbeits­plät­ze in der Geträn­ke­wirt­schaft.

Die baye­ri­sche Staats­re­gie­rung bzw. der Land­tag sind auf­ge­for­dert:

  • im Bun­des­rat auf die Ein­füh­rung einer Res­sour­cen­ver­brauchs­ab­ga­be hin­zu­wir­ken, die zu einem bes­se­ren Umgang mit Res­sour­cen füh­ren und dadurch Umwelt­schä­den ver­rin­gern soll; der Preis­nach­teil von Mehr­weg­ver­pa­ckun­gen wird dadurch redu­ziert.
  • ein Pro­gramm auf­zu­le­gen, wel­ches die Ein­füh­rung von bio­lo­gisch-mecha­ni­schen Abfall­be­hand­lungs­an­la­gen in Bay­ern för­dert.
  • den Müll­im­port aus dem Aus­land ent­spre­chend den Mög­lich­kei­ten des Abfall­ver­brin­gungs­ge­set­zes zu ver­bie­ten.
  • auf ein völ­li­ges Ver­bot von Plas­tik-Ein­kaufs­tü­ten zu drän­gen.
  • die öffent­li­che Hand zu einem öko­lo­gisch nach­hal­ti­gen Beschaf­fungs­we­sen mit Bevor­zu­gung von Recy­cling­pro­duk­ten zu ver­pflich­ten.
Was­ser ist kei­ne Ware!

Eigen­tum an Boden­schät­zen, die für die all­ge­mei­ne Wirt­schaft von grö­ße­rer Bedeu­tung sind, an wich­ti­gen Kraft­quel­len, Eisen­bah­nen und ande­ren der All­ge­mein­heit die­nen­den Ver­kehrs­we­gen und Ver­kehrs­mit­teln, an Was­ser­lei­tun­gen und Unter­neh­mun­gen der Ener­gie­ver­sor­gung steht in der Regel Kör­per­schaf­ten oder Genos­sen­schaf­ten des öffent­li­chen Rech­tes zu. (Art. 160)

Die Qua­li­tät des Trink­was­sers in Bay­ern ist unter­schied­lich. In vie­len Regio­nen ist das Was­ser dank eines Sys­tems klein­tei­li­ger Was­ser­ver­sor­gung durch eine Viel­zahl von kom­mu­na­len Was­ser­be­trie­ben sehr gut.

Andern­orts ist die Was­ser­be­las­tung durch Nitra­te viel zu hoch. In Bay­ern muss­ten bereits mehr als 1000 Brun­nen auf­grund der Nitrat­be­las­tung geschlos­sen wer­den. Bei ande­ren Brun­nen muss das gewon­ne­ne Was­ser mit Was­ser aus ande­ren Regio­nen ver­dünnt wer­den, um über­haupt den zuläs­si­gen Grenz­wert von 50 mg/l zu errei­chen. Und selbst die­ser Grenz­wert ist aus Sicht von Umwelt­or­ga­ni­sa­tio­nen ein­deu­tig zu hoch; er muss also ange­passt wer­den.

Die Lan­des­re­gie­rung muss Kon­zep­te ent­wi­ckeln, wie die Was­ser­ver­sor­gung auch in Fran­ken, wo durch den Kli­ma­wan­del und die Belas­tung durch die Land­wirt­schaft Trink­was­ser­man­gel ent­ste­hen wird, sicher­ge­stellt wer­den kann.

Ins­ge­samt ist auch die Was­ser­ver­sor­gung in Bay­ern stark ver­al­tet. Ein Groß­teil der Ver­sor­gung wur­de zwi­schen 1960 bis 1980 gebaut und braucht drin­gend eine Moder­ni­sie­rung. Auch hier ist die Lan­des­re­gie­rung in der Pflicht, denn die Gesund­heit der Bevöl­ke­rung muss ernst genom­men wer­den.

Die Was­ser­grund­ge­bühr in Bay­ern ist allei­ne in den Jah­ren zwi­schen 2014 und 2016 um 11 Pro­zent gestie­gen. Zudem schwankt der Was­ser­preis stark zwi­schen den ein­zel­nen Regio­nen. 2016 ergab sich je nach Wohn­ort eine Preis­span­ne von 0,89 Euro bis hin zu 2,99 Euro pro Kubik­me­ter. Für DIE LINKE ist Trink­was­ser ein Men­schen­recht. Somit ist es eine staat­li­che Auf­ga­be, Was­ser in guter Qua­li­tät zu einem ange­mes­se­nen Preis flä­chen­de­ckend anzu­bie­ten.

DIE LINKE wen­det sich gegen Pri­va­ti­sie­run­gen bei der Was­ser­wirt­schaft und damit auch gegen die Pri­va­ti­sie­rung von regio­na­len Stadt­wer­ken. Zudem setzt sich DIE LINKE für einen Kampf gegen Kor­rup­ti­on bei der Ver­ga­be von Bau­auf­trä­gen beim Bau von Klär­an­la­gen, Lei­tungs­net­zen und ande­ren öffent­li­chen Vor­ha­ben ein.

Bay­erns Wald: Kul­tur­gut, Nah­erho­lungs­ge­biet und Wirt­schafts­fak­tor

Für den Schutz von Was­ser, Luft und Boden haben die baye­ri­schen Wäl­der eine her­aus­ra­gen­de Bedeu­tung. Durch Mono­kul­tu­ren und die aus­schließ­lich gewinn­ori­en­tier­te Bewirt­schaf­tung ist ihr Zustand besorg­nis­er­re­gend. Bay­ern ist arm an öko­lo­gisch wert­vol­len Natur­wäl­dern, die sich natür­lich ent­wi­ckeln dür­fen. Als ein­zi­ge Lan­des­re­gie­rung blo­ckiert die CSU die forst­po­li­ti­schen Vor­ga­ben der natio­na­len Bio­di­ver­si­täts­stra­te­gie.

Die baye­ri­schen Wäl­der die­nen vor­ran­gig dem Gemein­wohl und der Daseins­vor­sor­ge und erst danach der Holz­nut­zung und Erwerbs­funk­ti­on. Ziel lin­ker Poli­tik ist die Erhal­tung einer flä­chen­de­cken­den Land- und Forst­wirt­schaft sowie auch die Gewin­nung von Ein­kom­mens­al­ter­na­ti­ven für die Land- und Forst­wir­te. Die land­wirt­schaft­li­che Pro­duk­ti­on hat sich an den loka­len Stand­ort­be­din­gun­gen und den Bedürf­nis­sen der Men­schen zu ori­en­tie­ren. Um dem Kli­ma­wan­del zu trot­zen bedarf es einer geziel­ten För­de­rung stand­ort­hei­mi­scher Baum­ar­ten. Beson­ders betrof­fen hier­von sind die Alpen und die ost­baye­ri­schen Mit­tel­ge­bir­ge. Von den 260.000 ha Wald in den baye­ri­schen Alpen sind vie­le Bestän­de von Fich­ten domi­niert und anfäl­lig für den Kli­ma­wan­del. Ihre Funk­ti­on als Schutz­wald ist des­halb zuneh­mend ein­ge­schränkt, die Sicher­heit im Alpen­raum gefähr­det.

Die LINKE steht für:

  • die Ableh­nung der Pri­va­ti­sie­rung von Staats- und Kom­mu­nal­wäl­dern.
  • den Rück­kauf pri­va­ti­sier­ter Wäl­der.
  • eine Rück­kehr zur bewähr­ten Forst­ver­wal­tungs­struk­tur, denn die Forst­re­form der CSU opfert den baye­ri­schen Staats­wald einer kurz­sich­ti­gen Pro­fit­ori­en­tie­rung.
  • den Schutz und die Rena­tu­rie­rung aller Moo­re in den Staats­wäl­dern.
  • die Über­ar­bei­tung und Wei­ter­ent­wick­lung des Wald­ge­set­zes für Bay­ern, den Vor­rang von natur­schutz­re­le­van­ten Zie­len vor öko­no­mi­scher Nut­zung sowie das Ver­bot von groß­flä­chi­gen Kahl­schlä­gen und des Pes­ti­zid­ein­sat­zes.
  • eine Erhö­hung der Finanz­mit­tel für das Ver­trags­na­tur­schutz­pro­gramm Wald.
  • aus­rei­chend Stel­len für Bera­tungs­förs­ter zur Unter­stüt­zung der Wald­be­sit­zer.
  • ein Gesamt­nut­zungs­kon­zept für holz­nut­zungs­freie Wäl­der. Min­des­tens 10 Pro­zent der Staats­wäl­der sol­len sich natür­lich ent­wi­ckeln.
  • ein lan­des­wei­tes Ver­bund­sys­tem an Natur­wäl­dern.
  • den Vor­rang des Schut­zes der Lebens­räu­me von Tier- und Pflan­zen­ar­ten in den Wäl­dern vor der Holz­nut­zung.
  • die För­de­rung nach­hal­ti­ger Forst­wirt­schaft als Motor für die Ent­wick­lung länd­li­cher Räu­me und des Tou­ris­mus.
  • einen Aus­bau der Kli­ma­for­schung Wald – Forst – Holz.
  • den Erhalt von Alle­en als Kul­tur­gü­ter.
  • eine For­cie­rung der Berg­wal­d­of­fen­si­ve ver­bun­den mit grenz­über­schrei­ten­der Zusam­men­ar­beit im Rah­men der euro­päi­schen Alpen­raum­stra­te­gie.
  • ernst­haf­te Bemü­hun­gen für eine flä­chen­de­cken­de regio­na­le Anpas­sung der Fors­te an die Fol­gen des Kli­ma­wan­dels.
Tier­schutz: Ein Gebot der Mensch­lich­keit

DIE LINKE setzt sich für eine art­ge­rech­te Tier­hal­tung ein. Nutz­tie­re müs­sen ihr ange­bo­re­nes Ver­hal­tens­re­per­toire aus­le­ben kön­nen. DIE LINKE for­dert die För­de­rung von For­schung und den Ein­satz von Metho­den, die Tier­ver­su­che erset­zen. Wir set­zen uns für ein Ver­bands­kla­ge­recht von Tier­schutz- und Tier­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen ein. Bis­her kön­nen nur Tier­hal­ter oder Tier­nut­zer, wie zum Bei­spiel Expe­ri­men­ta­to­ren, gegen Tier­schutz­auf­la­gen kla­gen. Das heißt, es kann nur kla­gen, wer weni­ger Tier­schutz durch­set­zen will. Mit einem Ver­bands­kla­ge­recht könn­te die Ein­hal­tung gel­ten­der Tier­schutz­be­stim­mun­gen gericht­lich geprüft und durch­ge­setzt wer­den. Wild­le­ben­de Tie­re sind eine Berei­che­rung für Bay­ern. Die Wie­der­an­sied­lung hier aus­ge­rot­te­ter Tier­ar­ten ist mög­lich und sinn­voll. Die­se dür­fen nicht wirt­schaft­li­chen und par­tei­po­li­ti­schen Inter­es­sen durch will­kür­li­che Abschüs­se geop­fert wer­den.

DIE LINKE for­dert:

  • eine Stär­kung des baye­ri­schen Tier­schutz­bei­rats durch eine gesetz­li­che Ver­an­ke­rung und ein­Ve­to­recht. Sei­ne Bestel­lung soll durch den Land­tag erfol­gen.
  • eine art­ge­rech­te Tier­hal­tung durch Aus­bau der Offen­stäl­le, aus­rei­chen­den Platz sowie genü­gend Bewe­gungs­mög­lich­kei­ten. Anbin­de­hal­tung für Milch­kü­he, Spal­ten­bö­den für Schwei­ne, Pelz­tier­far­men und Käfig­hal­tung von Geflü­gel sind damit nicht ver­ein­bar. Klei­ne Betrie­be sind vom Frei­staat bei ent­spre­chen­den Umbau­maß­nah­men beson­ders zu för­dern.
  • end­lich tier­schutz­ge­rech­te Rah­men­be­din­gun­gen für Zucht, Hal­tung und Mast von Kanin­chen.
  • ein Ver­bot von Akkord­ar­beit und Dum­ping­löh­nen in Schlacht­hö­fen sowie eine Video­über­wa­chung der Arbeits­läu­fe.
  • das Ver­bot des Schlach­tens und chir­ur­gi­sche Mani­pu­la­tio­nen an Tie­ren ohne wirk­sa­me Betäu­bung und ins­be­son­de­re die Abschaf­fung der betäu­bungs­lo­sen Kas­tra­ti­on von männ­li­chen Fer­keln, der Kuhen­thor­nung, dem Schna­bel­kür­zen sowie dem Cou­pie­ren von Schwei­ne­schwän­zen.
  • das Ver­bot von Tier­ver­su­chen.
  • eine tier­ver­suchs­freie Aus­bil­dung an den baye­ri­schen Unis.
  • eine Kenn­zeich­nungs­pflicht für vega­ne Pro­duk­te sowie Flüs­sig­ei- und Eipro­duk­te bezüg­lich ihrer Her­kunft.
  • das Ver­bot der Ein­fuhr und des Han­dels von Wild­tie­ren und Rep­ti­li­en aus aller Welt sowie ein Ein­fuhr­ver­bot für Pelz­pro­duk­te.
  • das mit­tel­fris­ti­ge Ver­bot der Hal­tung von Tie­ren im Zir­kus und zu Zwe­cken der Unter­hal­tung.
  • art­ge­rech­te Hun­de­hal­tung, ins­be­son­de­re das Ver­bot, ein­zel­ne Hun­de auf unbe­wohn­ten Grund­stü­cken zu hal­ten sowie die Ein­füh­rung eines Hun­de­füh­rer­scheins.
  • das Ver­bot des Schen­kel­bran­des bei Pfer­den.
  • die Ein­füh­rung eines Tau­ben­ma­nage­ments und einer Kas­tra­ti­ons­pflicht für frei­lau­fen­de Kat­zen.
  • kla­re Rege­lun­gen zum Ver­bot von Qual­zuch­ten sowie die Durch­set­zung von stren­gen Min­dest­an­for­de­run­gen für Tier­zucht und Tier­han­del, ins­be­son­de­re auch für Fut­ter­tie­re.
  • das Stop­pen von lan­gen Schlacht­tier­trans­por­ten über drei Stun­den hin­aus. Tie­re sind grund­sätz­lich am nächst­ge­le­ge­nen Schlacht­hof zu schlach­ten.
  • kei­ne will­kür­li­che Tötung von Haus­tie­ren im Wald und ein Ver­bot der Hob­by­jagd. Ver­stö­ße gegen das Tier­schutz­recht sind kon­se­quent zu ahn­den.
  • die Unter­stüt­zung von Tier­schutz­ver­ei­nen, Tier­ta­feln, ein För­der­pro­gramm für Inves­ti­ti­ons­kos­ten und den lau­fen­den Betrieb der Tier­hei­me sowie von Gna­den­hö­fen und Wild­tier­auf­fang­sta­tio­nen.
  • ein ent­schlos­se­nes Vor­ge­hen gegen ille­ga­len Wel­pen­han­del. Bis­her stellt ille­ga­ler Wel­pen­han­del eine Ord­nungs­wid­rig­keit dar. Um die Abschre­ckungs­wir­kung zu erhö­hen, soll sich die Staats­re­gie­rung auf Bun­des­ebe­ne für die Ein­füh­rung eines ent­spre­chen­den Straf­tat­be­stands in das Tier­schutz­ge­setz ein­set­zen.
  • die Ein­füh­rung des Staft­be­stands der Zoo­phi­lie.
  • Auf­klä­rungs­ar­beit über Tier­schutz und Tier­rech­te an Schu­len sowie einen bes­se­ren Schutz von Tier­rechts­ak­ti­vis­ten, die Miss­stän­de auf­de­cken.

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Für MEHR und kos­ten­frei­en Nah­ver­kehr

Ohne ein Auto ist man auf dem Land nicht mobil und in den Städ­ten wer­den die Men­schen durch die Auto­ab­ga­se krank. Die Mehr­heit will ent­spannt zur Arbeit und nach Hau­se kom­men.

DIE LINKE. Bay­ern setzt sich für gut aus­ge­bau­ten öffent­li­chen Nah­ver­kehr ein – sowohl in der Stadt als auch in länd­li­chen Regio­nen. Wir leh­nen jede Fahr­preis­er­hö­hung ab und wol­len den Null­ta­rif. Vor­rang für Fuß­gän­ger, Fahr­rad, Bus­se und Bah­nen.

Mobil in Bay­ern – umwelt­freund­lich und sozi­al

Unter dem Begriff „Mobi­li­tät“ ver­ste­hen die Fach­leu­te – völ­lig unab­hän­gig vom Ver­kehrs­mit­tel – die Häu­fig­keit von außer­häus­li­chen Orts­ver­än­de­run­gen pro Per­son und Zeit­ein­heit; dabei wird jede ein­zel­ne Orts­ver­än­de­rung durch einen Tätig­keits­wech­sel der betref­fen­den Per­son gekenn­zeich­net (zum Bei­spiel vom Woh­nen zum Arbei­ten, vom Arbei­ten zum Ein­kau­fen, vom Ein­kau­fen ins Kino und vom Kino wie­der zum Woh­nen nach Hau­se). Mobi­li­tät ist somit ein Maß­stab für die Teil­ha­be am gesell­schaft­li­chen Leben und damit für die Chan­cen­gleich­heit der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger. Kur­ze Wege vom Woh­nen zur Arbeit oder zum Ein­kauf sind die Vor­aus­set­zung für deren Erreich­bar­keit auch ohne Kraft­fahr­zeug (d.h. vor allem zu Fuß und per Rad).

Mobilit.tsbedürfnisse sind abhän­gig von der Lebens­si­tua­ti­on einer Per­son und den sich dar­aus erge­ben­den All­tags­an­for­de­run­gen. Die wesent­li­che Kenn­grö­ße der Mobi­li­tät ist die Mobi­li­täts­ra­te, das heißt die per­so­nen­be­zo­ge­ne Anzahl aller zurück­ge­leg­ten Wege pro Tag. Die­se Mobi­li­täts­ra­te liegt im Bun­des­durch­schnitt bei knapp vier Wegen pro Ein­woh­ner (über sechs Jah­re) und hat sich über die letz­ten Jahr­zehn­te so gut wie nicht ver­än­dert. Die Mobi­li­tät hat also – im Gegen­satz zur land­läu­fi­gen  Mei­nung – kei­nes­wegs zuge­nom­men. Zuge­nom­men – wenn auch nur gering­fü­gig – hat der täg­li­che Rei­se­zeit­auf­wand für die genann­ten vier Wege. Deut­lich ange­wach­sen sind aller­dings die zurück­ge­leg­ten Ent­fer­nun­gen (zum Bei­spiel zum Arbeits­platz und/oder zum Super­markt), die bei annä­hernd glei­chem Zeit­auf­wand und ins­be­son­de­re im Umland nur noch mit schnel­le­ren Ver­kehrs­mit­teln – vor­zugs­wei­se dem Auto – bewäl­tigt wer­den kön­nen. Für die­je­ni­gen, die wei­ter­hin auf lang­sa­me­re Ver­kehrs­mit­tel, zum Bei­spiel die eige­nen Fü.e, ange­wie­sen sind, steigt dage­gen der Rei­se­zeit­auf­wand und min­dert ihre Chan­ce, in der­sel­ben Zeit noch ande­re Orts­ver­än­de­run­gen vor­neh­men zu kön­nen: ihre Mobi­li­tät sinkt.

Für wen und für was wir uns stark machen

Im Mit­tel­punkt unse­res kom­mu­nal- und lan­des­po­li­ti­schen Enga­ge­ments im Arbeits­feld „Mobi­li­tät“ ste­hen die sozi­al und kör­per­lich schwä­che­ren – das heißt ver­letz­li­che­ren – Ver­kehrs­teil­neh­mer, die Fuß­gän­ger und Rad­fah­rer, die Fahr­gäs­te im öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr (ÖPNV) sowie – nicht zuletzt – die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger als Stra­ßen­an­woh­ner und ihre spe­zi­fi­schen For­de­run­gen nach mög­lichst gerin­gen ver­kehrs­be­ding­ten Beein­träch­ti­gun­gen durch Lärm, Fein­staub und Stick­stoff­di­oxid.

Der Kampf gegen zuneh­men­de Belas­tun­gen von Mensch und Umwelt – für einen wirk­sa­men Schutz der Gesund­heit und höchst­mög­li­che Ver­kehrs­si­cher­heit – ver­bin­det sich mit der drän­gen­den For­de­rung nach ins­ge­samt hoher Auf­ent­halts­qua­li­tät in unse­ren Wohn­quar­tie­ren, Orts- und Stadt(teil)zentren. Die unein­ge­schränk­te Mobi­li­tät aller Men­schen in Bay­ern muss sicher­ge­stellt sein – in den Groß‑, Mit­tel- und Klein­städ­ten eben­so wie in den länd­li­chen Regio­nen. Dies gilt für Arme wie für Rei­che, für Men­schen ohne eige­nes Auto und ins­be­son­de­re für Men­schen mit Behin­de­rung (Bar­rie­re­frei­heit).

Nach­ran­gig, jedoch nicht ohne Belang sind für uns dem­ge­gen­über die Inter­es­sen der moto­ri­sier­ten Ver­kehrs­teil­neh­me­rin­nen und ‑teil­neh­mer an raschem, staufrei­en Fort­kom­men bzw. mög­lichst gerin­gen Rei­se­zei­ten und aus­rei­chen­dem Park­raum eben­so wie der Güter- und Lie­fer­ver­kehr auf der Stra­ße. Ein Aus- oder Neu­bau von Stra­ßen kommt für uns nur dann in Betracht, wenn von unab­hän­gi­gen Gut­ach­tern nach­ge­wie­sen wer­den kann, dass die Umfeld- und Umwelt­be­las­tun­gen und die Unfall­ri­si­ken in der Gesamt­bi­lanz abneh­men, und wenn die erfor­der­li­che Umweltvertr.glichkeitsprüfung zu einem posi­ti­ven Ergeb­nis führt!

Für nach­ran­gig hal­ten wir schließ­lich auch die For­de­run­gen von Flug­rei­sen­den – ins­be­son­de­re von Viel­flie­gern – nach schnel­le­ren Ver­kehrs­ver­bin­dun­gen zu den baye­ri­schen Flug­hä­fen, ins­be­son­de­re in Mün­chen und Nürn­berg.

Ver­kehrs­wen­de ein­lei­ten – umwelt­ver­träg­li­che Mobi­li­tät stär­ken!

Die För­de­rung der ver­letz­li­che­ren Ver­kehrs­teil­neh­mer und der Fahr­gäs­te im ÖPNV erfolgt – wenn nötig – auch zu Las­ten des moto­ri­sier­ten Indi­vi­du­al­ver­kehrs (MIV), ins­be­son­de­re des Kfz-Berufs‑, aber auch des Ein­kaufs- und Frei­zeit­ver­kehrs im Umland der acht baye­ri­schen Groß­städ­te (Städ­te mit mehr als 100.000 Ein­woh­nern). Unser zen­tra­les Anlie­gen ist dabei, die­sen Teil des Kfz-Ver­kehrs spür­bar zu redu­zie­ren. Im Visier haben wir ins­be­son­de­re den Ziel- und Quell­ver­kehr der jewei­li­gen Umland­be­woh­ner, denen ein leis­tungs­fä­hi­ges und attrak­ti­ves Sys­tem von schie­nen­ge­bun­de­nen Ver­kehrs­mit­teln (aus S- und Stadt-Umland­bah­nen bzw. Regio-Tram-Net­zen) zur Ver­fü­gung gestellt wer­den muss. Ein sol­ches Sys­tem, attrak­ti­ve Lebens­be­din­gun­gen in der Stadt und güns­ti­ge Mie­ten sind zugleich ein pro­ba­tes Mit­tel gegen die Abwan­de­rung jun­ger Fami­li­en ins „bil­li­ge­re“ Umland („Stadt­flucht“) und das dar­aus resul­tie­ren­de Ein­pen­deln zum Arbeits­platz in die Kern­stadt (vor allem Mün­chen, Nürn­berg, Augs­burg, Regens­burg, Würz­burg, Ingol­stadt, Erlan­gen und Fürth) mit dem Auto, das durch die Ent­fer­nungs- bzw. Pend­ler­pau­scha­le („Zer­sie­de­lungs­prä­mie“) geför­dert wird. Der Bin­nen­ver­kehr inner­halb der Städ­te – auch der klei­ne­ren – soll­te grund­sätz­lich mit öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln, per Rad und zu Fuß abge­wi­ckelt wer­den. Die Ver­la­ge­rung von mög­lichst gro­ßen Antei­len des unnö­ti­gen Kfz-Ver­kehrs auf die stadt- und orts­ver­träg­li­che­ren Ver­kehrs­mit­tel des Umwelt­ver­bun­des (VUV) ist zugleich auch eine unab­ding­ba­re Vor­aus­set­zung für eine Ver­bes­se­rung der Ver­kehrs­be­din­gun­gen im not­wen­di­gen Wirt­schafts­ver­kehr.

Eine erfolg­rei­che Stra­te­gie der Ver­kehrs­ver­min­de­rung bzw. Ver­kehrs­ver­la­ge­rung weg vom Auto und hin zu umwelt­freund­li­che­ren Ver­kehrs­mit­teln setzt ein ent­spre­chend attrak­ti­ves Ange­bot im „Umwelt­ver­bund“ aus ÖPNV, Rad­fah­ren und Zu-Fuß-Gehen vor­aus und muss – gleich­zei­tig – durch weni­ger attrak­ti­ve Rah­men­be­din­gun­gen im moto­ri­sier­ten Indi­vi­du­al­ver­kehr geför­dert wer­den, etwa durch Park­raum­be­schrän­kung, restrik­ti­ves Park­raum-Manage­ment bzw. eine City-Maut in den Groß­städ­ten. Die­ses not­wen­di­ge Zusam­men­wir­ken von soge­nann­ten „Push-and-Pull“-Effekten wol­len wir – wo auch immer – stär­ker akzen­tu­ie­ren. Grund­sätz­lich muss gel­ten: Fuß­gän­ger vor Rad­fah­rer, ÖPNV vor MIV, Mensch vor Maschi­ne! Eine „gleich­ge­wich­ti­ge“ (kon­kur­rie­ren­de) Ent­wick­lung von ÖPNV und MIV kommt für uns nicht in Betracht!

Rad­we­ge­net­ze und öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr (ÖPNV) aus­bau­en!

Die eige­nen Fü.e und das Fahr­rad sind opti­ma­le Ver­kehrs­mit­tel für die Mobi­li­tät im Nah­be­reich und im wei­te­ren Wohn­um­feld, eben­so Pedel­ec und E‑Bike. Sie ver­ur­sa­chen so gut wie kei­ne Emis­sio­nen und för­dern die Gesund­heit. Dies gilt für länd­li­che Gemein­den eben­so wie für Klein‑, Mit­tel- und Groß­städ­te. Wir wol­len den Rad­ver­kehr als umwelt­freund­li­che Alter­na­ti­ve zum Auto im Nah­ver­kehr deut­lich stär­ken und die Rad­ver­kehrs­in­fra­struk­tur aus­bau­en. In den Städ­ten und Bal­lungs­ge­bie­ten müs­sen Rad­schnell­we­ge mit grü­ner Wel­le geschaf­fen wer­den. Dafür müs­sen der Frei­staat und der Bund aus­rei­chend zweck­ge­bun­de­ne Mit­tel bereit­stel­len. Wir wol­len die Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung fuß­gän­ger- und fahr­rad­freund­li­cher gestal­ten.

Wir tre­ten ein für einen flä­chen­de­cken­den, netz­ar­ti­gen und bar­rie­re­frei­en Aus­bau des ÖPNV mit Bus, Tram, U- und S‑Bahnen nicht nur in den Groß­städ­ten und ihrem jewei­li­gen Umland, son­dern auch in den Mit­tel- und Klein­städ­ten bis hin­ein in den länd­li­chen Raum; dies beinhal­tet nicht nur eine Erhö­hung des Platz­an­ge­bo­tes durch län­ge­re Züge und grö­ße­re Bus­se bzw. Gelenk­bus­se, son­dern auch eine kon­ti­nu­ier­li­che Ver­bes­se­rung des Fahr­ten­an­ge­bo­tes durch eine höhe­re Bedie­nungs­häu­fig­keit bzw. eine kür­ze­re Takt­fol­ge auch in den Abend- und Nacht­stun­den, eine Ver­dich­tung des Nacht­li­ni­en­net­zes, wei­te­re Beschleu­ni­gungs­pro­gram­me für Bus- und Tram­bahn-Lini­en, auch zu Las­ten des Kfz-Ver­kehrs, und mög­lichst zahl­rei­che umstei­ge­freie Direkt­ver­bin­dun­gen.

Anzu­stre­ben ist ein Bay­ern-Takt für Bus und Bahn nach dem Vor­bild der Schweiz. Im Mit­tel­punkt unse­rer Ver­kehrs­po­li­tik steht die Rei­se­ket­te von Tür zu Tür anstatt Höchst­ge­schwin­dig­kei­ten zwi­schen Ober­zen­tren. In einem ers­ten Schritt wol­len wir Bus- und Bahn­an­schlüs­se opti­mal auf­ein­an­der abstim­men. Wir wol­len eine Mobi­li­täts­ga­ran­tie für den länd­li­chen Raum; als Min­destan­ge­bot ist ein ganz­tä­gi­ger Stun­den­takt zwi­schen allen Grund- und Mit­tel­zen­tren sicher­zu­stel­len. In Gebie­ten mit schwa­cher Ver­kehrs­nach­fra­ge kön­nen Ruf­bus­se, Bür­ger­bus­se und Anruf­sam­mel­ta­xis (AST-Sys­te­me) ein Grund­an­ge­bot gewähr­leis­ten.

Wir kämp­fen für ver­bind­li­che Fahr­gast­rech­te im gan­zen Land. Bei den der­zei­ti­gen frei­wil­li­gen Ver­ein­ba­run­gen haben die Fahr­gäs­te nur in 5 Pro­zent der Fäl­le über­haupt einen Anspruch auf Ent­schä­di­gung bei Ver­spä­tun­gen oder Total­aus­fall von Ver­bin­dun­gen.

Die baye­ri­sche LINKE tritt für eine Ent­kri­mi­na­li­sie­rung von Fahr­gäs­ten ohne gül­ti­gen Fahr­schein und für die Ein­füh­rung eines gebüh­ren­frei­en öffent­li­chen Nah­ver­kehrs (Null­ta­rif) ein, sofort für Kin­der und Jugend­li­che bis zum Ende ihrer Aus­bil­dung (kos­ten­lo­se Beför­de­rung zur Schu­le und zurück nach Hau­se) und für alle durch die Umge­stal­tung des Tarif­sys­tems nach sozia­len und umwelt­be­zo­ge­nen Gesichts­punk­ten, und zwar über eine kon­se­quen­te, zuneh­men­de Absen­kung der Prei­se für Monats­kar­ten. Wir wol­len einen ein­heit­li­chen Bay­ern-Tarif statt ÖPNV-Klein­staa­te­rei und bun­des­weit ein­heit­li­che Stan­dards beim Ange­bot und den Tarif­be­din­gun­gen um den Fli­cken­tep­pich der Ver­kehrs­ver­bün­de zu über­win­den. Wir tre­ten für kom­mu­na­le, demo­kra­tisch kon­trol­lier­te Nah­ver­kehrs­un­ter­neh­men ein. Der Vor­rang eigen­wirt­schaft­li­cher Betrie­be muss abge­schafft wer­den.

Statt Pro­fi­te für Uber und Co. wol­len wir den regu­lier­ten Taxi­be­trieb als Teil des öffent­li­chen Ver­kehrs. Dafür wol­len wir mehr Mit­tel vom Land und auch vom Bund sowie eine Nah­ver­kehrs­ab­ga­be für Unter­neh­men. Zur Finan­zie­rung bei­tra­gen kön­nen Umla­gen auf die Nutz­nie­ßer eines effi­zi­en­ten ÖPNV: Arbeit­ge­ber, Ein­zel­han­del, Gas­tro­no­mie und Ver­mie­ter, aber auch eine City-Maut, Abga­ben auf Stell­plät­ze für Kun­den und Beschäf­tig­te. Ermä­ßig­te Job-Tickets für Arbeit­ge­ber, die Monats­kar­ten für die gesam­te Beleg­schaft erwer­ben, kön­nen eben­falls zur Kos­ten­de­ckung bei­tra­gen.

Schie­nen­in­fra­struk­tur aus­bau­en und erhal­ten!

Wir plä­die­ren für eine poly­zen­tri­sche Stadt‑, Regio­nal- und Lan­des­ent­wick­lung. Die Schie­nen­in­fra­struk­tur im Groß­raum Mün­chen soll­te dem­entspre­chend zur ver­kehr­li­chen Ent­las­tung der Lan­des­haupt­stadt bei­tra­gen und sich daher nicht län­ger mono­zen­trisch auf den Münch­ner Mari­en­platz aus­rich­ten, son­dern sowohl auf die Münch­ner Stadt­teil­zen­tren und Umland­ge­mein­den als auch auf die der­zeit noch weni­ger attrak­ti­ven Zen­tren der „Metro­pol­re­gi­on“, wie zum Bei­spiel Ingol­stadt, Lands­hut, Rosen­heim, Kauf­beu­ren und Augs­burg, die jeweils auch unter­ein­an­der gut erreich­bar sein müs­sen.

Den zwei­ten S‑Bahn-Tief­tun­nel durch das Münch­ner Stadt­zen­trum leh­nen wir wei­ter­hin ent­schie­den ab. Wir kri­ti­sie­ren vor allem die extrem hohen Bau- und Betriebs­kos­ten des Neu­bau­pro­jek­tes und sehen erheb­li­che Sicher­heits­ri­si­ken bei zwei­fel­haf­tem Mehr­wert für die Fahr­gäs­te und die All­ge­mein­heit. Auch nach dem bereits erfolg­ten Bau­be­ginn kämp­fen wir auch vor Gericht für einen Bau­stopp und für die Rea­li­sie­rung bes­se­rer Lösun­gen, ins­be­son­de­re für den Aus­bau des Süd- und Nord­rings und die Ertüch­ti­gung der Außen­äs­te. Bereits heu­te ist abseh­bar, dass für wich­ti­ge Ver­kehrs­pro­jek­te in den ande­ren Regio­nen Bay­erns auf Jah­re hin­aus kei­ne oder nur unzu­rei­chen­de Mit­tel zur Ver­fü­gung ste­hen wer­den.

Wir tre­ten ein für die Moder­ni­sie­rung und den flä­chen­haf­ten Aus­bau des Schie­nen­net­zes um Eng­päs­se zu besei­ti­gen, Lücken zu schlie­ßen und neue Anschlüs­se zu schaf­fen. Dies gilt für Ver­bin­dun­gen im Fern­ver­kehr eben­so wie für sol­che im Regio­nal- und Güter­ver­kehr. Zur Moder­ni­sie­rung gehört auch der zwei­glei­si­ge Aus­bau ein­glei­si­ger Stre­cken; in Bay­ern sind das etwa 50 Pro­zent aller Stre­cken (ca. 3.000 km). Dazu gehört bei­spiels­wei­se die Stre­cke zwi­schen Ingol­stadt und Augs­burg, die Lech­feld- und die Ammer­see­bahn, die Stre­cke von Günz­burg nach Min­del­heim sowie die Linie von Ulm nach Kemp­ten.

Wir sagen Nein zum Abbau von Eisen­bahn­in­fra­struk­tur. Die Reak­ti­vie­rung still­ge­leg­ter Stre­cken ist uns ein beson­de­res Anlie­gen. Güter­ver­kehr muss auch unter 300 km wie­der auf die Schie­ne. Kein Stel­len­ab­bau bei DB-Car­go! Daher set­zen wir uns für ein bun­des­wei­tes Inves­ti­ti­ons­pro­gramm zur zügi­gen Elek­tri­fi­zie­rung der bis­her nur von Die­sel­fahr­zeu­gen genutz­ten Bahn­stre­cken ein; vor­ran­gig sind hier­bei die Stre­cken Gel­ten­dorf – Mem­min­gen – Lin­dau, Gra­fing – Mühl­dorf – Frei­las­sing, Rosen­heim – Lands­hut, Nürn­berg – Schwan­dorf – Cham – Furth i.W., Nürn­berg – Markt­red­witz und Hof – Markt­red­witz – Regens­burg.

Die weit­aus bes­te und sinn­volls­te Form von Elek­tro­mo­bi­li­tät ist und bleibt der Schie­nen­ver­kehr.

Wir set­zen uns für ein euro­päi­sches Nacht­zug­netz ein, damit Rei­sen in Euro­pa wie­der bequem und öko­lo­gisch mög­lich ist. Wir for­dern die Hal­bie­rung der Tras­sen­prei­se, damit mehr Ver­kehr auf die Schie­ne kommt.

Ein beson­de­res Anlie­gen ist uns dar­über hin­aus nach wie vor auch die Ver­la­ge­rung des Güter­ver­kehrs von der Stra­ße auf die Schie­ne und eine stär­ke­re Finan­zie­rung des Gleis­an­schluss­pro­gramms. Neue Gewer­be- und Indus­trie­ge­bie­te müs­sen durch die Schie­ne erschlos­sen wer­den und dür­fen des­halb nur noch in der Nähe von Bahn­stre­cken ent­ste­hen.

Wir for­dern bar­rie­re­freie und nut­zer­freund­li­che Bahn­hö­fe mit Ser­vice­per­so­nal, ver­läss­li­che, getack­te­te Fahr­plä­ne und set­zen uns für eine Ände­rung der Geschäfts­po­li­tik der Deut­schen Bahn AG ein: Die­se muss sich am Gemein­wohl aus­rich­ten und nicht am Bilanz­ge­winn. Der Schie­nen­ver­kehr muss öffent­lich orga­ni­siert und bedarfs­ge­recht finan­ziert wer­den. Not­wen­dig ist Koope­ra­ti­on statt Kon­kur­renz. Alle wei­te­ren Schrit­te in Rich­tung Libe­ra­li­sie­rung und Pri­va­ti­sie­rung im Schie­nen­ver­kehr müs­sen gestoppt wer­den. Alle erfolg­ten Pri­va­ti­sie­run­gen, Aus­glie­de­run­gen und Auf­spal­tun­gen bestehen­der Eisen­bahn­ge­sell­schaf­ten müs­sen rückg.ngig gemacht wer­den. Wir wol­len eine Reform der Bahn­re­form, mit der die DB auf Pri­va­ti­sie­rungs­kurs gesetzt wur­de. Wir wol­len eine demo­kra­ti­sche Bür­ger­bahn, bei der auch die Kom­pe­tenz und Erfah­rung der Beschäf­tig­ten zum Tra­gen kommt.

Schluss mit der Sub­ven­tio­nie­rung des Kfz-Ver­kehrs – Kei­ne Pri­va­ti­sie­rung des ÖPNV und der DB!

Wir hal­ten es für unab­ding­bar, nicht nur die Ver­kehrs­pla­nung in den Kom­mu­nen, son­dern auch die regio­na­le und über­re­gio­na­le Ver­kehrs­po­li­tik kon­se­quent auf den Umwelt­ver­bund aus­zu­rich­ten und zu die­sem Zweck auch auf Lan­des- und Bun­des­ebe­ne neue Finan­zie­rungs­quel­len zu erschlie­ßen. Des­halb plä­die­ren wir für „Kos­ten­wahr­heit im Ver­kehr“ und damit für eine Abkehr von der bis­lang übli­chen Sub­ven­tio­nie­rung des Kfz-Ver­kehrs (wie zum Bei­spiel beim Die­sel- und „Bio­kraft­stoff“) zuguns­ten des ÖPNV.

Die Bereit­stel­lung eines attrak­ti­ven Mobi­li­täts­an­ge­bo­tes im umwelt­freund­li­chen ÖPNV hal­ten wir für eine Kern­auf­ga­be staat­li­cher Daseins­vor­sor­ge, die – ähn­lich wie das Erziehungs‑, Bil­dungs- und Gesund­heits­we­sen – vom Frei­staat und dem Bund kurz­fris­tig deut­lich stär­ker geför­dert und lang­fris­tig voll­stän­dig aus Steu­er­mit­teln finan­ziert wer­den muss. Jede Pri­va­ti­sie­rung öffent­li­cher Ver­kehrs­in­fra­struk­tur – auch der Bahn – leh­nen wir strikt ab.

Anstel­le einer Kauf­prä­mie für Elek­tro­au­tos wol­len wir Elek­tro­mo­bi­li­tät im öffent­li­chen Ver­kehr för­dern. Zuschüs­se für elek­trisch ange­trie­be­ne Las­ten­fahr­rä­der und E‑Autos sind sinn­voll für Hand­wer­ker, sozia­le Diens­te und Taxis. Das steu­er­li­che Dienst­wa­gen­pri­vi­leg muss nach öko­lo­gi­schen Kri­te­ri­en umge­stal­tet wer­den, damit nicht wei­ter­hin vor allem Gut­ver­die­nen­de, Arbeit­ge­ber und die Auto­mo­bil­in­dus­trie auf Kos­ten der All­ge­mein­heit und der Umwelt pro­fi­tie­ren. Die Pend­ler­pau­scha­le wol­len wir in eine sozi­al gerech­te Mobi­li­täts­zu­la­ge umwan­deln und damit zusätz­lich einen Anreiz zum Benut­zen des Umwelt­ver­bunds bie­ten. Die hier frei­wer­den­den Mit­tel wer­den in den Aus­bau des öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehrs inves­tiert.

DIE LINKE will den Import von „Bio­kraft­stof­fen“ unter­bin­den, weil damit Nah­rungs­mit­tel­pro­duk­ti­on in Län­dern des glo­ba­len Südens ver­drängt und Bio­to­pe zer­stört wer­den. Regio­na­le Pflan­zen­öl­kraft­stof­fe soll­ten nur im Agrar­be­reich und beim ÖPNV ein­ge­setzt wer­den. Die mas­si­ve Beein­flus­sung der Ver­kehrs­po­li­tik durch die Auto­mo­bil­kon­zer­ne muss gera­de in Bay­ern the­ma­ti­siert wer­den. Die CSU-Lan­des­re­gie­rung scheint eher Sach­wal­ter der Inter­es­sen der Akti­en­in­ha­ber der Auto­mo­bil­kon­zer­ne als ver­ant­wort­lich für die Zukunfts­in­ter­es­sen der Bevöl­ke­rung zu sein.

Lan­des­mo­bi­li­täts­plan ent­wi­ckeln – Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan über­ar­bei­ten!

Wir for­dern einen ver­bind­li­chen Lan­des­mo­bi­li­täts­plan, der auf eine bes­se­re Ver­knüp­fung aller Ver­kehrs­trä­ger abzielt und alle Sied­lungs­ge­bie­te Bay­erns netz­ar­tig ver­bin­det. Dar­in ist dar­zu­stel­len, wie wir zukünf­tig unein­ge­schränk­te Mobi­li­tät für alle Men­schen sicher­stel­len kön­nen und dabei weni­ger moto­ri­sier­ten Kfz-Ver­kehr ver­ur­sa­chen.

DIE LINKE tritt in Bay­ern wie auf Bun­des­ebe­ne für eine grund­le­gen­de Über­ar­bei­tung des Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plans 2030 ein. Dabei sind sozia­le, raum­ord­ne­ri­sche und öko­lo­gi­sche Belan­ge min­des­tens gleich­wer­tig zu betrach­ten. Moder­ni­sie­rung und Sanie­rung vor­han­de­ner Infra­struk­tur müs­sen Vor­rang vor Neu­bau haben. Wir wol­len einen Bun­des­mo­bi­li­täts­plan, mit dem die sozi­al­öko­lo­gi­sche Mobi­li­täts­wen­de voll­zo­gen wird und bei dem der schie­nen­ge­bun­de­ne Per­so­nen- und Güter­ver­kehr im Mit­tel­punkt steht. Statt Stra­ßen­bau- und Pres­ti­ge­pro­jek­ten bei der Bahn und bei den Flug­hä­fen wol­len wir den Aus­bau des ÖPNV sowie des Rad- und Fuß­ver­kehrs in den Kom­mu­nen und Regio­nen finan­zie­ren.

Bei der Pla­nung von Ver­kehrs­pro­jek­ten wol­len wir Bür­ge­rin­nen und Bür­ger und Inter­es­sen­ver­tre­tun­gen von Anfang an voll ein­be­zie­hen und wirk­li­che Alter­na­ti­ven zur Dis­kus­si­on stel­len. Wir wol­len Bürgerr.te auf Bundes‑, regio­na­ler und kom­mu­na­ler Ebe­ne ein­füh­ren, um die Ver­kehrs­pla­nung zu demo­kra­ti­sie­ren.

Die geplan­te Infra­struk­tur-GmbH leh­nen wir ab. Sie ist der Kon­trol­le des Bun­des­ta­ges ent­zo­gen und ermög­licht Pri­va­ti­sie­rung durch die Hin­ter­tür. Auto­bah­nen und Bun­des­stra­ßen sind aber wesent­li­cher Teil der öffent­li­chen Infra­struk­tur. Wir leh­nen alle direk­ten oder indi­rek­ten Pri­va­ti­sie­run­gen von Ver­kehrs­in­fra­struk­tur ab. Auch öffent­lich-pri­va­te Part­ner­schaf­ten (ÖPP) ver­ur­sa­chen lang­fris­tig Mehr­kos­ten, sind ein Risi­ko für die öffent­li­che Hand und schrän­ken die Demo­kra­tie ein. Wir betei­li­gen uns aktiv an außer­par­la­men­ta­ri­schen Pro­tes­ten gegen die dro­hen­de Pri­va­ti­sie­rung der Bun­des­fern­stra­ßen und stel­len uns die­ser ver­häng­nis­vol­len Ent­wick­lung kon­se­quent ent­ge­gen.

Eine PKW-Maut für die Nut­zung der Bun­des­fern­stra­ßen leh­nen wir ab, und zwar sowohl für Aus- als auch für Inlän­der. Sie schafft den glä­ser­nen Bür­ger und ist der Ein­stieg in die Pri­va­ti­sie­rung des Auto­bahn­net­zes.

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Woh­nen bezahl­bar machen!


Gepostet Von am Mai 5, 2018

Für MEHR bezahl­ba­ren Wohn­raum

Der aktu­el­le baye­ri­sche Minis­ter­prä­si­dent ver­scher­bel­te 32.000 staat­li­che Woh­nun­gen an einen Hedge­fonds, damit weni­ge Inves­to­ren ihre Pro­fi­te auf Kos­ten der Mie­te­rin­nen und Mie­ter stei­gern kön­nen. DIE LINKE. Bay­ern will die Miet­preis­ex­plo­si­on stop­pen und 40.000 neue Sozi­al­woh­nun­gen pro Jahr bau­en, damit die Mehr­heit bezahl­ba­ren Wohn­raum bekommt. Öffent­li­cher Boden darf nicht pri­va­ti­siert, son­dern nur im Erb­bau­recht ver­ge­ben wer­den.

Bezahl­ba­re Mie­te statt hoher Ren­di­te

„(1) Jeder Bewoh­ner und jede Bewoh­ne­rin Bay­erns hat Anspruch auf eine ange­mes­se­ne Woh­nung. (2) Die För­de­rung des Bau­es von bezahl­ba­rem Wohn­raum ist Auf­ga­be des Staa­tes und der Gemein­den.  (3)Die Woh­nung ist für jeder­mann eine Frei­stät­te und unver­letz­lich.“ (Baye­ri­sche Ver­fas­sung: Art. 106)
(1) Die Ver­tei­lung und Nut­zung des Bodens wird von Staats wegen über­wacht. Miss­bräu­che sind abzu­stel­len. (2) Stei­ge­run­gen des Boden­wer­tes, die ohne beson­de­ren Arbeits- oder Kapi­tal­auf­wand des Eigen­tü­mers ent­ste­hen, sind für die All­ge­mein­heit nutz­bar zu machen. (Baye­ri­sche Ver­fas­sung: Art. 161)

 

In den baye­ri­schen Städ­ten und Bal­lungs­zen­tren explo­die­ren die Mie­ten. Die Städ­te ver­än­dern sich: Die attrak­ti­ven Innen­stadt­la­gen sind mehr und mehr den Rei­chen vor­be­hal­ten. Arme, Stu­die­ren­de, Men­schen mit gerin­gem Ein­kom­men, Rent­ne­rin­nen und Rent­ner wer­den ver­drängt. Und auch für Men­schen mit mitt­le­rem Ein­kom­men wird es immer enger. Ein immer grö­ße­rer Teil von Lohn und Gehalt müs­sen fürs Woh­nen auf­ge­bracht wer­den. Die Angst, sich kei­ne Woh­nung mehr leis­ten zu kön­nen, ver­un­si­chert vie­le Men­schen. Die Immo­bi­li­en­prei­se und Mie­ten stei­gen, weil nach der Finanz­kri­se 2008 und ange­sichts nied­ri­ger Zin­sen immer mehr Immo­bi­li­en­fonds und Miethaie, wie GBW, Patri­zia, Vono­via und Deut­sche Woh­nen, nach neu­en Pro­fit­mög­lich­kei­ten suchen. Sie kau­fen Miets­häu­ser und „moder­ni­sie­ren“ die Mie­ter hin­aus: Die Bestands­mie­ten stei­gen bei Neu­ver­mie­tung oder Umwand­lung in Eigen­tums­woh­nun­gen win­ken gro­ße Gewin­ne. Die­se Ent­wick­lung hat inzwi­schen auch vie­le mitt­le­re und klei­ne­re Städ­te erreicht: Wohn­raum, Moder­ni­sie­rung und die Spe­ku­la­ti­on mit Immo­bi­li­en ist das neue „Beton-Gold“.

Gleich­zei­tig ver­öden immer grö­ße­re Tei­le des länd­li­chen Raums durch die ver­fehl­te Struk­tur­po­li­tik der baye­ri­schen Staats­re­gie­rung, den Man­gel an Arbeits­plät­zen und die schlech­te Anbin­dung an die öffent­li­che Infra­struk­tur. Wäh­rend in den Groß­städ­ten die Mie­ten explo­die­ren, ste­hen in vie­len länd­li­chen Regio­nen Woh­nun­gen und Häu­ser leer. Wenn Woh­nun­gen leer ste­hen und die Ver­mie­tung unsi­cher ist, wird weni­ger inves­tiert, z.B. in ener­ge­ti­sche Sanie­rung, Bar­rie­re­frei­heit oder Instand­hal­tung. Gera­de Woh­nungs­un­ter­neh­men auf dem Land kön­nen zudem Belas­tun­gen durch Alt­schul­den oft nicht abbau­en. Das beschleu­nigt den Weg­zug der Bevöl­ke­rung. Das Dilem­ma: Die Vor­tei­le länd­li­chen Woh­nens (güns­ti­ge­re Mie­ten, nach­bar­schaft­li­ches Zusam­men­le­ben, natur­na­hes Umfeld) glei­chen die Nach­tei­le (län­ge­re Wege, mehr Zeit­auf­wand, höhe­re Kos­ten für Mobi­li­tät usw.) nicht aus. Auch der Zugang zu sozia­len, wirt­schaft­li­chen, kul­tu­rel­len und gesell­schaft­li­chen Ange­bo­ten ist oft beschränkt. Die­se Situa­ti­on ver­schärft das Ungleich­ge­wicht der Lebens­ver­hält­nis­se in Stadt und Land. Wir wol­len die länd­li­chen Regio­nen und struk­tur­schwa­che Räu­me durch ein Lan­des­pro­gramm unter­stüt­zen. Auf­wer­tung von Wohn­raum und Wohn­um­feld müs­sen dabei zusam­men gedacht wer­den.

GBW-Skan­dal: Staat­li­che Woh­nungs­be­stän­de wur­den pri­va­ti­siert

Die baye­ri­sche Staats­re­gie­rung schaut die­sen Ent­wick­lun­gen weit­ge­hend taten­los zu. Statt den Bestand öffent­li­cher Woh­nun­gen aus­zu­bau­en, wur­den staats­ei­ge­ne Woh­nun­gen ver­kauft und über 30.000 GBW-Woh­nun­gen unter Feder­füh­rung des dama­li­gen Finanz­mi­nis­ters Söder ohne Not pri­va­ti­siert. Die Mie­te­rin­nen und Mie­ter kämp­fen seit­dem mit Miet­erhö­hun­gen und haben Angst vor Ver­trei­bung wegen Moder­ni­sie­rungs­miet­erhö­hun­gen oder Abriss. Sie haben nicht ver­ges­sen, dass sie die Zeche für die Spe­ku­la­ti­ons­ver­lus­te der Baye­ri­schen Lan­des­bank (Bay­ern­LB) zah­len müs­sen. Die wir­kungs­lo­se Miet­preis­brem­se der Bun­des­re­gie­rung wur­de zudem vom Land Bay­ern falsch umge­setzt, sodass jetzt Scha­den­er­satz­kla­gen von Mie­te­rin­nen und Mie­tern anhän­gig sind.

Der sozia­le Woh­nungs­bau ist wei­ter im Nie­der­gang. In Bay­ern gab es 1988 noch 495.000 Woh­nun­gen mit Miet- und Bele­gungs­bin­dun­gen – heu­te sind es nur noch 140.000. Die CSU hat die Mit­tel für die För­de­rung des sozia­len Woh­nungs­baus 2017 hal­biert; 2016 waren es 158 Mil­lio­nen Euro, was ange­sichts der Woh­nungs­not ein Skan­dal ist. Der viel­ge­prie­se­ne „Woh­nungs­pakt Bay­ern“ hat laut Inte­gra­ti­ons­mi­nis­te­rin Emi­lia Mül­ler 2016/17 sage und schrei­be bay­ern­weit 150 Fami­li­en von Ein­hei­mi­schen und Geflüch­te­ten ein neu­es Zuhau­se ver­schafft. Söder hat außer­dem als gro­ßen Wurf ange­kün­digt, über eine neue staat­li­che Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft „Bay­ern­heim“ 4.000 Woh­nun­gen bis 2020 zu bau­en. Unklar ist, ob Miet­woh­nun­gen oder Eigen­tums­woh­nun­gen ent­ste­hen sol­len.

Sozia­ler Frie­de gefähr­det

Miet­preis­spi­ra­le, Mie­ter­ver­trei­bung, Umwand­lung von Miet- in Eigen­tums­woh­nun­gen sind ein Spie­gel bestehen­der Ungleich­heit in unse­rem Land und tra­gen durch die stän­dig stei­gen­de Miet­kos­ten­be­las­tung für die vie­len Mie­te­rin­nen und Mie­ter auf­grund von Ren­di­te­er­war­tun­gen für weni­ge Spe­ku­lan­ten zur wach­sen­den Ungleich­heit bei. Es besteht die Gefahr, dass dadurch der sozia­le Frie­de gefähr­det ist. Skru­pel­lo­se Bau­trä­ger, Kapi­tal­an­le­ger, Inves­to­ren bestim­men mitt­ler­wei­le das Gesche­hen. Es gibt zwar immer noch Ver­mie­ter, die im Sin­ne einer sozia­len Ver­ant­wor­tung ihre Woh­nung zu einem ver­tret­ba­ren Preis ver­mie­ten, aber sie wer­den immer weni­ger. Woh­nen ist ein Men­schen­recht, Eigen­tum ver­pflich­tet! Wenn mit die­sem Eigen­tum Schind­lu­der getrie­ben wird, wenn Eigen­tü­mer von Woh­nun­gen über Moder­ni­sie­rung und Umwand­lung in Eigen­tums­woh­nun­gen Mie­te­rin­nen und Mie­ter ver­trei­ben oder mit­tels Leer­stand, kom­mer­zi­el­le Ver­mie­tung als Feri­en­woh­nung oder an Medi­zin­tou­ris­ten die Woh­nun­gen für die Bevöl­ke­rung nicht mehr zur Ver­fü­gung ste­hen, stellt sich die Fra­ge, ob deren Eigen­tum zu schüt­zen ist. Mög­lich­kei­ten der Ent­eig­nung von Grund­ei­gen­tum zum Woh­le der All­ge­mein­heit und des­sen .ber­füh­rung in öffent­li­ches Eigen­tum bestehen schon jetzt; sie müs­sen erleich­tert wer­den.

Wesent­li­che Preis­trei­ber für Mie­ten sind die durch die Decke schie­ßen­den Grund­stücks­prei­se. Sie machen mitt­ler­wei­le einen Groß­teil der Erhal­tungs­kos­ten beim Woh­nungs­bau aus. Schon in den 1970er Jah­ren wur­den im Bun­des­tag Ver­su­che unter­nom­men, Kon­zep­te zur Abschöp­fung sol­cher „leis­tungs­lo­sen“ Gewin­ne poli­tisch umzu­set­zen. Lei­der schei­ter­ten sämt­li­che die­ser Geset­zes­vor­ha­ben.

Das alles ist ein Ergeb­nis fal­scher Poli­tik. Der sozia­le Woh­nungs­bau wur­de aus­ge­trock­net und der Spe­ku­la­ti­on kei­ne Gren­zen gesetzt. Die­se Poli­tik wur­de von allen Par­tei­en, von der CSU, SPD, FDP bis hin zu den Grü­nen getra­gen. Nur DIE LINKE hat immer eine ande­re Posi­ti­on ver­tre­ten. Es ist Zeit, der Boden­spe­ku­la­ti­on und der Spe­ku­la­ti­on mit Woh­nen einen Rie­gel vor­zu­schie­ben. Wir brau­chen eine neue Wohn­ge­mein­nüt­zig­keit als Kern­be­stand­teil einer sozia­len und nach­hal­ti­gen Woh­nungs­po­li­tik.

Dafür steht DIE LINKE:

  • Vie­le Men­schen weh­ren sich gegen Miet­erhö­hung, Ver­drän­gung und Zwangs­räu­mun­gen. DIE LINKE steht an ihrer Sei­te. Wir wol­len, dass Mie­te­rin­nen und Mie­ter mehr Mit­spra­che erhal­ten oder ihre Häu­ser gemein­schaft­lich über­neh­men kön­nen (kol­lek­ti­ves Vor­kaufs­recht).
  • Wir for­dern, dass der öffent­li­che, sozia­le und gemein­nüt­zi­ge Woh­nungs­bau aus­ge­baut wird. Güns­ti­ge Mie­ten für mitt­le­re und unte­re Ein­kom­men müs­sen rea­li­siert wer­den, des­halb for­dern wir den Bau von jähr­lich min­des­tens 40.000 Sozi­al­woh­nun­gen mit dau­er­haf­ter Zweck­bin­dung in Bay­ern. Dazu bedarf es der Bereit­stel­lung not­wen­di­ger finan­zi­el­ler Mit­tel für die Kom­mu­nen durch das Land.
  • Wir for­dern einen gesetz­li­chen Rah­men für die Ein­füh­rung einer ver­bind­li­chen und aus­rei­chen­den Quo­te an sozi­al­ge­bun­de­nen Woh­nun­gen.
  • Um güns­ti­gen Wohn­raum zu erhal­ten, for­dern wir ein Lan­des­pro­gramm für Alt­bau­sa­nie­rung.
  • Wir wol­len, dass Eigen­tums­for­men geför­dert wer­den, die nicht pri­mär auf Gewinn­wirt­schaft aus­ge­rich­tet sind, wie z.B. Genos­sen­schaf­ten, gemein­nüt­zi­ge Orga­ni­sa­tio­nen und Kom­mu­nen.
  • Wir wol­len eine Ergän­zung aller För­der­re­geln um die Punk­te Bar­rie­re­frei­heit und Kli­ma­ge­rech­tig­keit.
  • Wir for­dern die dras­ti­sche Erhö­hung der finan­zi­el­len Lan­des­mit­tel zum Bau von Wohn­heim­plät­zen für Stu­die­ren­de und Azu­bis samt einer dau­er­haf­ten Zweck­bin­dung.
  • Die Mie­te­rin­nen und Mie­ter brau­chen eine Erhö­hung des Wohn­gel­des. Die öffent­li­che Hand darf nicht die pri­va­ten Gewin­ne der Woh­nungs­be­sit­zer näh­ren – des­halb wol­len wir den Mie­ten­de­ckel. Das Wohn­geld muss auf die Brut­to­warm­mie­te bezo­gen wer­den. Wir wol­len den Heiz­kos­ten­zu­schlag wie­der ein­füh­ren und eine Kli­ma-Kom­po­nen­te bei Wohn­geld und Kos­ten der Unter­kunft.
  • Geflüch­te­te dür­fen nicht zum Sün­den­bock für die Män­gel der Woh­nungs­po­li­tik gemacht wer­den. In einer sozia­len Offen­si­ve für alle kön­nen wir gutes Woh­nen für alle schaf­fen. Wir wol­len die Unter­brin­gung von Geflüch­te­ten in Mas­sen­un­ter­künf­ten been­den und dezen­tral orga­ni­sie­ren.
  • Wir for­dern die Wie­der­ein­füh­rung des Woh­nungs­auf­sichts­ge­set­zes  das in Bay­ern 2004 abge­schafft wur­de. Dies ermög­licht den Kom­mu­nen gegen­über Ver­mie­tern ein­zu­grei­fen, um eine Besei­ti­gung von gro­ben Män­geln wie Ver­wahr­lo­sung oder Über­be­le­gung von Wohn­raum zu erzwin­gen.
  • Wir for­dern von der baye­ri­schen Staats­re­gie­rung, dass sie sich für eine ech­te Miet­preis­brem­se ein­setzt. Die Miet­preis­brem­se muss flä­chen­de­ckend, unbe­grenzt und aus­nahms­los gel­ten und Höchst­gren­zen ein­hal­ten.
  • Die Moder­ni­sie­rungs­um­la­ge wol­len wir abschaf­fen. Für klei­ne Ver­mie­ter sol­len güns­ti­ge staat­li­che Dar­le­hen zur Ver­fü­gung gestellt wer­den, damit sie not­wen­di­ge Moder­ni­sie­run­gen stem­men kön­nen.
  • In vie­len Dör­fern und Klein­städ­ten wer­den neue Wohn­ge­bie­te im Außen­be­reich aus­ge­wie­sen. Dies führt zum Flä­chen­fraß. Die Orts­ker­ne ver­fal­len und lee­ren sich. Das Land Bay­ern muss finan­zi­el­le Mit­tel zur Sanie­rung und zum Erhalt der Orts- und Dorf­ker­ne bereit­stel­len.
  • Städ­te sind lebens­wert, wenn die Men­schen sie mit­ge­stal­ten kön­nen. Es braucht mehr Mit­spra­che bei Stadt­um­bau­pro­jek­ten, inner­städ­ti­schen Nach­ver­dich­tun­gen und bei gro­ßen Neu­bau­vor­ha­ben.
  • In Bal­lungs­räu­men soll ein kom­pak­ter, aber indi­vi­du­el­ler und bezahl­ba­rer Wohn­raum geschaf­fen wer­den, statt einen flä­chen­fres­sen­den und zer­sie­deln­den Eigen­heim­bau zu för­dern.
  • Der Miet­spie­gel darf kein Miet­erhö­hungs­spie­gel sein. Alle Mie­ten müs­sen in die Berech­nung ein­flie­ßen und nicht nur die der letz­ten vier Jah­re. Für Städ­te ab einer Bevöl­ke­rung von 25.000 wer­den Miet­spie­gel ver­pflich­tend. Die Kom­mu­nen erhal­ten hier­für finan­zi­el­le Unter­stüt­zung durch das Land Bay­ern.
  • Die Aus­wei­sung von beschränk­ten Milieu­schutz­ge­bie­ten ist ein stump­fes Schwert und hilft nicht gegen Mie­ter­ver­trei­bung (Gen­tri­fi­zie­rung) und Umwand­lung von Miet- in Eigen­tums­woh­nun­gen. Milieu­schutz­ge­bie­te hät­ten nur dann eine dämp­fen­de Wir­kung, wenn sie für eine gan­ze Stadt gel­ten wür­den. Nur die Abschaf­fung der Moder­ni­sie­rungs­miet­erhö­hung und ein gene­rel­les Umwand­lungs­ver­bot von Miet- in Eigen­tums­woh­nun­gen ist eine nach­hal­ti­ge Lösung.
  • Zweck­ent­frem­dung von Wohn­raum wol­len wir mit einem Zweck­ent­frem­dungs­ver­bot und hohen Abga­ben für Leer­stand und kom­mer­zi­el­ler Ver­mie­tung als Feri­en­woh­nung stop­pen. In Kom­mu­nen mit ange­spann­ter Wohn­si­tua­ti­on dür­fen Woh­nun­gen nicht aus Spe­ku­la­ti­ons­grün­den dau­er­haft leer ste­hen. Miet­woh­nun­gen dür­fen nicht kom­mer­zi­ell als Feri­en­woh­nun­gen ange­bo­ten wer­den.
  • Ver­mie­ter, die gegen die Rege­lun­gen zu Mie­ten­de­ckel, Miet­preis­brem­se oder Milieu­schutz ver­sto­ßen, müs­sen bestraft wer­den. Wir brau­chen ein Regis­ter, das Trans­pa­renz über die bis­he­ri­ge Mie­te her­stellt und den Daten­schutz der Mie­te­rin­nen und Mie­ter berück­sich­tigt. Miet­wu­cher muss end­lich wir­kungs­voll geahn­det wer­den.
  • Die Umset­zung des Mie­ter­schut­zes, von Miet­spie­gel, Milieu­schutz und Ver­bot von Ent­mie­tung und kom­mer­zi­el­len Feri­en­woh­nun­gen muss wirk­sam kon­trol­liert wer­den. Dafür wol­len wir auf Lan­des­ebe­ne eine Son­der­kom­mis­si­on „Gerecht Woh­nen“ und eine öffent­li­che Beschwer­de­stel­le schaf­fen.
  • Öffent­li­cher Boden darf nicht pri­va­ti­siert, son­dern nur im Erb­bau­recht ver­ge­ben wer­den; kom­mu­na­le und genos­sen­schaft­li­che Nut­zung wird bevor­zugt. Das betrifft vor allem lan­des­ei­ge­ne Lie­gen­schaf­ten.
  • Die Rege­lung, dass nach Ablauf der Frist von zehn Jah­ren auf Gewin­ne aus Immo­bi­li­en­ver­käu­fen kei­ne Steu­ern bezahlt wer­den müs­sen, wol­len wir abschaf­fen. Gewin­ne, die durch Spe­ku­la­ti­on und Immo­bi­li­en­ver­käu­fe ent­ste­hen, müs­sen deut­lich stär­ker besteu­ert wer­den.
  • Wir wol­len ein neu­es Boden­recht. Ohne Boden­preis­de­cke­lung wird es kei­ne wirk­sa­me Miet­preis­de­cke­lung geben. Ver­äu­ße­rungs­ge­win­ne aus Boden­preis­stei­ge­run­gen müs­sen abge­schöpft und für sozia­len, kom­mu­na­len und genos­sen­schaft­li­chen Woh­nungs­bau ver­wen­det wer­den.
  • Wir wol­len Woh­nun­gen zurück in die öffent­li­che Hand brin­gen. In ers­ter Linie Kom­mu­nen, aber auch Genos­sen­schaf­ten und Mie­ter­ge­mein­schaf­ten wol­len wir den Rück­kauf von Woh­nun­gen ermög­li­chen und durch die öffent­li­che Hand för­dern. Dafür soll ein Re-Kom­mu­na­li­sie­rungs­fonds auf­ge­legt und ein kom­mu­na­les Vor­kaufs­recht gestärkt wer­den.
  • In öffent­li­chen und pri­va­ten Unter­neh­men müs­sen demo­kra­ti­sche Mie­ter­rä­te gewählt wer­den. Mie­te­rin­nen und Mie­ter müs­sen an allen wich­ti­gen Ent­schei­dun­gen des Unter­neh­mens betei­ligt wer­den. Die Ergeb­nis­se von Auf­sichts­rats­sit­zun­gen öffent­li­cher Unter­neh­men müs­sen öffent­lich zugäng­lich sein. Mie­ter­ver­ei­ne müs­sen ein Ver­bands­kla­ge­recht erhal­ten. Wir wol­len die­se For­de­run­gen in einem bun­des­wei­ten Mie­ter­mit­be­stim­mungs­recht ver­an­kern, das für alle Woh­nungs­ge­sell­schaf­ten, öffent­lich und pri­vat, glei­cher­ma­ßen gilt. Auch Genos­sen­schaf­ten wol­len wir demo­kra­ti­sie­ren. Um die Grün­dung von klei­nen Genos­sen­schaf­ten für koope­ra­ti­ve und / oder alters­ge­rech­te Wohn- und Kul­tur­pro­jek­te zu erleich­tern, wol­len wir eine beson­de­re Rechts­form im Genos­sen­schafts­recht ein­füh­ren (Rechts­form der haf­tungs­be­schränk­ten Koope­ra­ti­ons­ge­sell­schaft).
  • Gewer­be­mie­ten: Es braucht einen lan­des­wei­ten Miet­spie­gel für Gewer­be­flä­chen und einen Kün­di­gungs­schutz für Gewer­be­trei­ben­de und gemein­nüt­zi­ge Ver­ei­ne. Die Ver­mie­ter haben beim Abschluss von Gewer­be­miet­ver­trä­gen bis­her weit­ge­hend freie Hand. Sie kön­nen die Miet­ver­trä­ge befris­ten, ohne dass dafür beson­de­re Grün­de vor­lie­gen. Gewer­be­mie­ten müs­sen auch begrenzt wer­den, um eine wohn­ort­na­he Ver­sor­gung mit Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten sowie Kitas und Ver­ei­ne zu erhal­ten. Das Miet­recht für Gewer­be­miet­ver­trä­ge muss geän­dert wer­den. DIE LINKE will, dass Miet­ver­hält­nis­se mit sozia­len Ziel­stel­lun­gen (etwa Kin­der­la­den, Wohn­pro­jekt, Phy­sio­the­ra­pie­pra­xis) künf­tig einem beson­de­ren Miet­recht unter­lie­gen, das vor will­kür­li­cher Kün­di­gung schützt, län­ge­re Kün­di­gungs­fris­ten und nur begrenz­te Mög­lich­kei­ten der Miet­erhö­hung vor­sieht. Dafür wol­len wir eine Bun­des­rats­in­itia­ti­ve.
  • Obdach­lo­sig­keit: Bis­her wird Woh­nungs­lo­sig­keit in Bay­ern nicht offi­zi­ell doku­men­tiert. Wir wol­len – gemein­sam mit den Sozi­al­ver­bän­den – eine baye­ri­sche Woh­nungs­not­fall­sta­tis­tik. So kön­nen Aus­maß, Ursa­che und Ver­lauf von Woh­nungs­lo­sig­keit erfasst wer­den. Zudem wol­len wir ein Gesamt­kon­zept gegen Woh­nungs- und Obdach­lo­sig­keit. Die Insti­tu­tio­nen der Woh­nungs­lo­sen­hil­fe müs­sen finan­zi­ell gestärkt wer­den. Wir wol­len Zwangs­räu­mun­gen ver­hin­dern. Eine Räu­mung in die Obdach­lo­sig­keit wol­len wir gesetz­lich aus­schlie­ßen. Das Recht auf Woh­nen steht in der baye­ri­schen Ver­fas­sung.
  • Mit Sha­re Deals umge­hen gro­ße Inves­to­ren die Grund­er­werb­steu­er. Kom­mu­nen und Län­dern wer­den damit Ein­nah­men in Mil­lio­nen­hö­he vor­ent­hal­ten. Wir wol­len sie – ohne Aus­nah­me – abschaf­fen und stre­ben eine ent­spre­chen­de Bun­des­rats­in­itia­ti­ve an.
  • Leer­stand zu Miet­woh­nun­gen! In ange­spann­ten Wohn­la­gen dür­fen leer ste­hen­de Woh­nun­gen nicht von der Steu­er abge­schrie­ben wer­den. Das setzt die fal­schen Anrei­ze. Ange­sichts der aktu­el­len Not­la­ge gilt: Wohn­raum oder als Wohn­raum nutz­ba­rer Gewer­be­raum, der aus Spe­ku­la­ti­ons­grün­den oder ähn­li­chem leer steht oder zweck­ent­frem­det wird, muss beschlag­nahmt und einer obli­ga­to­ri­schen Zwi­schen­nut­zung zuge­führt wer­den. Zivil­ge­sell­schaft­li­che Initia­ti­ven, die sich mit Mit­teln des zivi­len Unge­hor­sams für eine zweck­ge­mä­ße Nut­zung von Wohn­raum ein­set­zen („Beset­zun­gen“), müs­sen lega­li­siert wer­den.

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Gute Arbeit! Gute Löh­ne!


Gepostet Von am Mai 5, 2018

Gute Arbeit.

Gute Löh­ne.

Dei­ne Arbeit ist MEHR wert: Aus­beu­tung abschaf­fen

Die aktu­el­le Wirt­schafts­po­li­tik in Bay­ern macht nur die Super­rei­chen noch rei­cher. DIE LINKE will eine Wirt­schaft, die das Leben für die Mehr­heit schö­ner macht. DIE LINKE möch­te die Arbeits­zeit bes­ser ver­tei­len. Dazu gehö­ren höhe­re Löh­ne und Gehäl­ter, weni­ger Über­stun­den, mehr Zeit für Fami­lie, Freun­de und Kul­tur.

Gute Arbeit statt Arbeits­druck, Drang­sa­lie­rung und Exis­tenz­angst

„Für jeden Berufs­zweig kön­nen Min­dest­löh­ne fest­ge­setzt wer­den, die dem Arbeit­neh­mer eine den jewei­li­gen kul­tu­rel­len Ver­hält­nis­sen ent­spre­chen­de Min­dest­le­bens­hal­tung für sich und sei­ne Fami­lie ermög­li­chen.“ Baye­ri­sche Ver­fas­sung, Art. 169, Absatz 1

 

Vie­le kön­nen es nicht mehr hören, die­ses „Es geht ‚uns‘ gut“, denn trotz guter wirt­schaft­li­cher Lage geht die Sche­re zwi­schen Arm und Reich immer wei­ter aus­ein­an­der. Die Spit­zen­ge­häl­ter von soge­nann­ten „Füh­rungs­kräf­ten“ und die Kapi­tal­ein­kom­men sind sprung­haft ange­stie­gen – die Real­löh­ne im unte­ren und mitt­le­ren Bereich blei­ben gleich oder neh­men gar ab. Nach dem aktu­el­len baye­ri­schen Sozi­al­be­richt ver­grö­ßern sich die Ein­kom­mens­ab­stän­de, die Ver­mö­gens­kon­zen­tra­ti­on steigt in Bay­ern, die Armut und die Zahl der Abge­häng­ten aber auch. Die Armuts­ge­fähr­dung liegt mitt­ler­wei­le bei 15 Pro­zent. Von men­schen­wür­di­ger Arbeit für alle sind wir mei­len­weit ent­fernt. Von Lohn­ge­rech­tig­keit kann ange­sichts einer Lohn­lü­cke von 24 Pro­zent zwi­schen Frau und Mann kei­ne Rede sein. Grün­de dafür lie­gen in der Zunah­me pre­kä­rer Beschäf­ti­gung, in dem Aus­schei­den zahl­rei­cher Unter­neh­men und Betrie­be aus der Tarif­bin­dung aber auch in nied­ri­gen Tarif­ab­schlüs­sen.

Die Lan­des­re­gie­rung rühmt sich wegen einer his­to­risch nied­ri­gen Arbeits­lo­sen­quo­te von unter 3 Pro­zent, aber von den Beschäf­tig­ten arbei­ten mehr als 1,2 Mil­lio­nen Men­schen in Teil­zeit, in befris­te­ten Arbeits­ver­hält­nis­sen, in schlecht bezahl­te Leih­ar­beit oder in Mini­jobs. Gleich­zei­tig leis­te­ten im Jahr 2016 die Beschäf­tig­ten in Bay­ern 120 Mil­lio­nen Über­stun­den, davon 80 Mil­lio­nen unbe­zahl­te.

Die einen haben kei­nen Job, von dem sie leben kön­nen, die ande­ren schuf­ten bis zum Umfal­len. In den letz­ten 20 Jah­ren ist die Zahl der aty­pi­schen Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se um 70 Pro­zent gestie­gen. Seit 2003 hat sich die Zahl der Men­schen, denen zur Siche­rung ihres Lebens­un­ter­hal­tes ein Job nicht reicht, mehr als ver­dop­pelt.

Arbeit, Sozia­les und Wirt­schaft müs­sen grund­le­gend anders wer­den. Armut, Arbeits­druck, Exis­tenz­angst und gesund­heits­ge­fähr­den­de Mehr­fach­jobs dür­fen nicht län­ger sein. Dafür kämpft DIE LINKE. Arbeit ist die Quel­le allen Reich­tums und Grund­la­ge für den Lebens­un­ter­halt aller Men­schen. Das Nor­mal­ar­beits­ver­hält­nis, das nach dem Zwei­ten Welt­krieg von Beschäf­tig­ten und Gewerk­schaf­ten hart erkämpft wur­de, bedeu­te­te Sicher­heit gegen das Risi­ko von sozia­lem Abstieg. Es erlaub­te, die Zukunft zu pla­nen und die Grund­la­gen dafür zu legen, dass es den Kin­dern ein­mal bes­ser geht. Wir wol­len ein neu­es Nor­mal­ar­beits­ver­hält­nis, das für alle Men­schen sozia­le Sicher­heit ermög­licht und auf indi­vi­du­el­le Lebens­la­gen Rück­sicht nimmt: Die Löh­ne müs­sen für ein gutes Leben und für eine Ren­te rei­chen, die den Lebens­stan­dard im Alter sichert. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren haben Bur­nout und psy­chi­sche Erkran­kun­gen infol­ge von Dau­er­stress und belas­ten­den Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen dra­ma­tisch zuge­nom­men. Es wird an Per­so­nal gespart und der Leis­tungs­druck wird erhöht. In vie­len Beru­fen – ob in der Pfle­ge, in der Kita oder auf dem Bau – schaf­fen es die Beschäf­tig­ten auf­grund der hohen Belas­tung nicht bis zur Ren­te. Arbeit darf nicht krank machen. Aber so wie es jetzt ist, macht Arbeit vie­le Men­schen krank. Arbeit muss so gere­gelt wer­den, dass die Gesund­heit ein gan­zes Arbeits­le­ben über erhal­ten wird. Arbeit muss plan­bar und für ein Leben mit Kin­dern ver­ein­bar sein. Arbeit muss für alle Men­schen sicher und unbe­fris­tet, selbst­be­stimmt, tarif­lich bezahlt, sozi­al abge­si­chert und demo­kra­tisch mit­ge­stal­tet sein. Das gilt, egal ob die Arbeit mit Lap­top oder Wisch­mopp, im Pfle­ge­kit­tel oder Blau­mann geleis­tet wird. In einem rei­chen Land wie Deutsch­land muss sozi­al gerech­te Poli­tik damit anfan­gen, Armut zu ver­hin­dern. Arm trotz Arbeit, immer in Angst vor dem sozia­len Abstieg zu leben und per­ma­nen­te Unsi­cher­heit ob man mor­gen ent­las­sen wird, darf

es nicht geben. Wir müs­sen umkeh­ren. Men­schen dür­fen nicht in den per­sön­li­chen Abgrund getrie­ben wer­den. DIE LINKE kämpft an der Sei­te der Beschäf­tig­ten für höhe­re Löh­ne und glei­chen Lohn für glei­che und gleich­wer­ti­ge Arbeit von Frau­en und Män­nern. Wir wol­len kei­ne Leih­ar­beit mehr. Wir wol­len gute und unbe­fris­te­te Arbeits­ver­hält­nis­se. Beschäf­tig­te, die ihre Arbeits­zei­ten redu­zie­ren, müs­sen einen Anspruch auf Rück­kehr in Voll­zeit haben. Jede Sta­tis­tik zeigt: Beschäf­tig­te, die unter Tarif­ver­trä­ge fal­len, ver­die­nen bes­ser. Wir wol­len, dass Tarif­ver­trä­ge leich­ter all­ge­mein­ver­bind­lich erklärt wer­den kön­nen. Wir wol­len abschaf­fen, dass die Arbeit­ge­ber­sei­te gegen die All­ge­mein­ver­bind­lich­keit von Tarif­ver­trä­gen ein Veto ein­le­gen kann. Sach­grund­lo­se Befris­tung darf nicht län­ger zuläs­sig sein.

Wir wol­len mit einem Lan­des­min­dest­lohn­ge­setz dafür sor­gen, dass in lan­des­ei­ge­nen Unter­neh­men und Gesell­schaf­ten sowie bei Unter­neh­men, die sich um Auf­trä­ge und Wirt­schafts­för­de­rung durch das Land Bay­ern bewer­ben, ein Min­dest­lohn von 12 Euro pro Stun­de gezahlt wird. Betriebs­schlie­ßun­gen und Mas­sen­ent­las­sun­gen durch pro­fi­ta­bel arbei­ten­de Fir­men – wie jüngst bei Sie­mens – sind zu ver­bie­ten. Bei Ver­la­ge­rung von Betriebs­tei­len ins Aus­land for­dern wir eine Abga­be in Höhe der ent­ste­hen­den sozia­len Fol­ge­kos­ten. Eine Umwand­lung von Voll­zeit­stel­len in Teil­zeit- oder Mini­jobs wie im Zuge der Fle­xi­bi­li­sie­rung der Laden­öff­nungs­zei­ten, vor allem bei Dis­coun­tern, ist zu unter­bin­den. Wir set­zen uns dafür ein, dass die Beschäf­tig­ten von ihrer Arbeit gut leben kön­nen und nicht auf belas­ten­de Zusatz­jobs ange­wie­sen sind.

Die demo­kra­ti­sche Mit­be­stim­mung der Beschäf­tig­ten wird aus­ge­höhlt und ange­grif­fen. Immer mehr Unter­neh­men ver­su­chen Betriebs­rats­grün­dun­gen und gewerk­schaft­li­che Orga­ni­sie­rung zu ver­hin­dern – vie­le schre­cken dabei nicht vor kri­mi­nel­len Metho­den zurück.

Dafür steht DIE LINKE. Bay­ern:

  • Sozia­le Absi­che­rung: Ab dem ers­ten Euro muss eine vol­le Pflicht zur Sozi­al­ver­si­che­rung gel­ten. Wir set­zen uns dafür ein, dass Mini- und Midi-Jobs durch unbe­fris­te­te Arbeits­ver­trä­ge und exis­tenz­si­chern­de Ein­kom­men ersetzt wer­den. Dazu wol­len wir einen Rechts­an­spruch auf eine Min­dest­stun­den­zahl von 22 Stun­den pro Woche im Arbeits­ver­trag ein­füh­ren. Aus­nah­men darf es nur aus schwer­wie­gen­den wirt­schaft­li­chen Grün­den geben. Die Beweis­pflicht hier­für muss beim Unter­neh­men lie­gen. Zudem müs­sen Arbeit­ge­ber ver­pflich­tet wer­den, den Abschluss von Teil­zeit­ver­trä­gen unter 22 Stun­den mit dem Betriebs­rat zu erör­tern, der Betriebs­rat muss dafür ein Veto­recht erhal­ten.
  • Bei der betrieb­li­chen Wei­ter­bil­dung dür­fen Arbeit­ge­ber nicht aus der Ver­ant­wor­tung ent­las­sen wer­den. Fort­bil­dungs­maß­nah­men, die im Inter­es­se der Unter­neh­men sind, müs­sen von die­sen finan­ziert wer­den. Alle Beschäf­tig­ten müs­sen für ihre Wei­ter­bil­dung einen Rechts­an­spruch erhal­ten, ihre Arbeits­zeit zeit­wei­se redu­zie­ren oder zeit­lich begrenzt ganz aus­set­zen zu kön­nen. Wo Unter­neh­men Rege­lun­gen ver­wei­gern, muss eine gesetz­li­che Ver­pflich­tung grei­fen: Der Arbeit­ge­ber muss wäh­rend der Bil­dungs­teil­zeit einen teil­wei­sen Lohn­aus­gleich von min­des­tens 70 Pro­zent des Net­to­ge­halts und Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge zah­len.
  • Wir strei­ten für den Erhalt und die Aus­wei­tung von Flä­chen­ta­rif­ver­trä­gen. Die gel­ten­den Arbeit­neh­mer­schutz­rech­te sind ein­zu­hal­ten.
  • Auf­trä­ge der öffent­li­chen Hand wer­den nur noch an Betrie­be ver­ge­ben, die Arbeit­neh­mer­schutz­rech­te und gel­ten­de Tarif­ver­trä­ge ein­hal­ten. In ein Baye­ri­sches Ver­ga­be­ge­setz soll auf­ge­nom­men wer­den, dass bei der Auf­trags­ver­ga­be Unter­neh­men mit Betriebs­rat zu bevor­zu­gen sind, ohne dass dadurch Kleinst­un­ter­neh­men, die die Vor­aus­set­zun­gen dafür nicht erfül­len kön­nen, der Zugang zu öffent­li­chen Auf­trä­gen ver­wehrt wird. Unter­neh­men, die Mas­sen­ent­las­sun­gen durch­füh­ren, Arbeits­plät­ze abbau­en und ins Aus­land ver­le­gen oder aus steu­er­li­chen Grün­den den Fir­men­sitz ins Aus­land ver­la­gern, wer­den aus den Ver­ga­be­pro­gram­men aus­ge­schlos­sen.
  • Wir for­dern ein Recht auf Frei­zeit. Wäh­rend ande­re Par­tei­en das Arbeits­zeit­ge­setz fle­xi­bi­li­sie­ren und die gesetz­li­che Höchst­ar­beits­zeit auf täg­lich zwölf oder 13 Stun­den anhe­ben wol­len, for­dern wir eine Absen­kung! Die gesetz­li­che Wochen­höchst­ar­beits­zeit muss auf 40 Stun­den redu­ziert wer­den. Aus­nah­men müs­sen strik­ter begrenzt und stär­ke­re Kon­trol­len durch Arbeit­neh­mer­ver­tre­tun­gen und Arbeits­schutz­be­hör­den – Gewer­be­auf­sichts­äm­ter, Finanz­kon­trol­le Schwarz­ar­beit – müs­sen gesetz­lich vor­ge­schrie­ben wer­den. Ins­be­son­de­re in Bay­ern sind die Stel­len unbe­setzt, die drin­gend nötig wären.
  • Wir unter­stüt­zen die For­de­rung der Gewerk­schaf­ten nach einer Anti-Stress-Ver­ord­nung und die Initia­ti­ven, aty­pi­sche und beson­ders belas­ten­de Arbeits­zei­ten durch zusätz­li­che Frei­zeit aus­zu­glei­chen. Es braucht ein indi­vi­du­el­les Veto-Recht gegen Über­las­tung. Betriebs- und Per­so­nal­rä­te müs­sen umfas­sen­de Mit­be­stim­mungs­rech­te bei Per­so­nal­ein­satz, Ziel­vor­ga­ben und Arbeits­pla­nung erhal­ten.
  • Sab­bat­jah­re für alle: Beschäf­tig­te sol­len mehr­mals in ihrem Berufs­le­ben die Mög­lich­keit haben, für ein Jahr aus­zu­stei­gen. Damit ver­bun­den ist ein Rück­kehr­recht auf den glei­chen oder einen gleich­wer­ti­gen Arbeits­platz. Die Sab­bat­zei­ten kön­nen auch als klei­ne­re Aus­zei­ten von drei bis sechs Mona­ten genom­men wer­den.
  • Der Lohn­raub, der durch Über­stun­den ent­steht, muss sofort been­det wer­den. Arbeit­ge­ber müs­sen ver­pflich­tet wer­den, Arbeits­zei­ten voll­stän­dig zu erfas­sen und Über­stun­den mit  Zuschlä­gen oder Frei­zeit­aus­gleich abzu­gel­ten. Eine Begren­zung und ein zeit­na­her Aus­gleich von Mehr­ar­beit sind gesetz­lich zu ver­an­kern.
  • Wir wol­len ein Recht auf vor­über­ge­hen­de Arbeits­zeit­ver­kür­zung. Der bestehen­de Rechts­an­spruch auf Teil­zeit muss durch ein Rück­kehr­recht auf die vor­he­ri­ge ver­trag­li­che Arbeits­zeit ergänzt wer­den. Wir for­dern einen Rechts­an­spruch auf Erhö­hung der Arbeits­zeit, sofern in dem Unter­neh­men Arbeit mit der ent­spre­chen­den Qua­li­fi­ka­ti­on vor­han­den ist. Teil­zeit­ar­beit soll nur in einem Min­dest­vo­lu­men mög­lich sein, das eine eigen­stän­di­ge sozia­le Siche­rung ermög­licht.
  • Wir for­dern ein Ver­bot von Mas­sen­ent­las­sun­gen. Ent­las­sun­gen dür­fen nicht der Pro­fit­ma­xi­mie­rung die­nen. Hier braucht es ver­bind­li­che Mit­be­stim­mung mit Veto­recht des Betriebs­ra­tes (Interessenausgleich/Sozialplan) und pari­tä­ti­sche Mit­be­stim­mung in allen Groß­un­ter­neh­men.
  • Erhalt des Laden­schluss­ge­set­zes auf Lan­des­ebe­ne, kei­ne ver­kaufs­of­fe­nen Sonn­ta­ge: Vor allem in der Indus­trie neh­men Schicht­ar­beit rund um die Uhr und rund um die Woche immer mehr zu. Der sowohl im Grund­ge­setz als auch in der Baye­ri­schen Ver­fas­sung geschütz­te gemein­sa­me Sonn­tag, an dem sich eine Gesell­schaft und Gemein­schaf­ten bil­den, geht ver­lo­ren. Beson­ders augen­fäl­lig wird dies bei den ver­kaufs­of­fe­nen Sonn­ta­gen in Bay­ern, bei denen kaum eine Kom­mu­ne die dafür gül­ti­gen Rechts­vor­schrif­ten ein­hält.
  • Wir for­dern die Abschaf­fung aller Son­der­re­ge­lun­gen für reli­giö­se oder welt­an­schau­li­che „Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts“ im Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz (§ 118) und im All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­setz. Das Streik­recht und die betrieb­li­chen Mit­be­stim­mungs­rech­te müs­sen auch für die Beschäf­tig­ten in Kir­che, Dia­ko­nie und Cari­tas unein­ge­schränkt gel­ten. Das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz muss auch in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen Anwen­dung fin­den. Das kirch­li­che Arbeits­recht darf nicht über die für alle Ten­denz­be­trie­be gel­ten­den Beson­der­hei­ten hin­aus ein­ge­schränkt wer­den.
  • Die All­ge­mein­ver­bind­lich­keits­er­klä­rung von Tarif­ver­trä­gen muss erleich­tert und die ein­sei­ti­ge Veto-Mög­lich­keit abge­schafft wer­den.
  • Mit­be­stim­mung aus­wei­ten: Wir for­dern eine Novel­lie­rung des Baye­ri­schen Per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes mit deut­li­cher Aus­wei­tung der Mit­be­stim­mungs­mög­lich­kei­ten.
  • Wir wol­len zwin­gen­de Mit­be­stim­mungs- und Veto­rech­te der Beschäf­tig­ten und ihrer Betriebs­rä­te bei allen wirt­schaft­li­chen Fra­gen. Das gilt beson­ders für Betriebs­än­de­run­gen, Stand­or­t­än­de­run­gen und Ent­las­sun­gen sowie die Gestal­tung der Tätig­kei­ten und der Arbeits­be­din­gun­gen. Das Veto­recht soll bei Leih­ar­beit, Werk­ver­trä­gen, Befris­tun­gen, Per­so­nal­ab­bau, bei Schlie­ßun­gen etc. gel­ten. Nicht erst beim Abschluss eines Sozi­al­plans, son­dern bereits beim Inter­es­sen­aus­gleich for­dern wir Mit­be­stim­mungs­rech­te für Betriebs­rä­te.

 

  • Ver­stö­ße gegen die Mit­be­stim­mung stär­ker ahn­den: Wer die Bil­dung eines Betriebs­rats oder des­sen Arbeit behin­dert, macht sich gemäß § 119 Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz straf­bar. Aber nur in sel­te­nen Fäl­len kommt es zur Ankla­ge. Um effek­tiv gegen sol­che Behin­de­run­gen von Gewerk­schaf­ten und Betriebs­rä­ten (Uni­on Bus­ting und Betriebs­rä­te-Bashing) vor­ge­hen zu kön­nen, muss die Straf­ver­fol­gung bei Straf­ta­ten und Ver­stö­ßen gegen das Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz ver­bes­sert wer­den. Wir for­dern, dass auch Haft­stra­fen ver­hängt wer­den, wie es das Gesetz vor­sieht. Nur eine kon­se­quen­te Straf­ver­fol­gung und Ver­ur­tei­lung der Ver­ant­wort­li­chen wird dazu füh­ren, dass Straf­ta­ten gegen Betriebs­rä­te und Initia­to­ren zur Ein­lei­tung einer Betriebs­rats­wahl spür­bar abneh­men wer­den. Das Mit­tel einer Geld­bu­ße zeig­te bis­her kei­nen Abschre­ckungs­ef­fekt.
  • Wir for­dern zudem, dass Staats­an­walt­schaf­ten in Bay­ern Schwer­punkt­ab­tei­lun­gen bil­den, die sich aus­schließ­lich mit Straf­ta­ten aus dem Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz befas­sen. Ziel ist es hier­bei, dass das Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz voll­um­fäng­lich zur Anwen­dung kommt und Beschäf­tig­te bei der Wahl von Betriebs­rats­gre­mi­en vom Staat unter­stützt wer­den. Die Staats­an­walt­schaf­ten sol­len somit schnel­ler und effek­ti­ver gegen Arbeit­ge­ber vor­ge­hen kön­nen, die Betriebs­rats­wah­len ver­hin­dern.
  • DIE LINKE steht für stren­ge Kon­trol­len der Arbeit­ge­be­rin­nen und Arbeit­ge­ber zur Ein­hal­tung des Min­dest­loh­nes.
Wirt­schaft aktiv umge­stal­ten

DIE LINKE will einen grund­le­gen­den Rich­tungs­wech­sel in der Wirt­schafts- und Finanz­po­li­tik. Men­schen und Natur vor Pro­fit – dafür kämp­fen wir! Nur wenn die Macht von Groß­kon­zer­nen gebro­chen und Ent­schei­dun­gen über Inves­ti­tio­nen in allen Schlüs­sel­be­rei­chen der Wirt­schaft demo­kra­tisch getrof­fen wer­den, kön­nen der not­wen­di­ge öko­lo­gi­sche Umbau der Wirt­schafts­struk­tur und die Digi­ta­li­sie­rung auch sozi­al gerecht und am Gemein­wohl ori­en­tiert gestal­tet wer­den. Der Umbau der Wirt­schaft auf öko­lo­gisch nach­hal­ti­ge Pro­duk­ti­on muss so gestal­tet wer­den, dass Beschäf­ti­gung erhal­ten bleibt.

Seit Jahr­zehn­ten fin­det im pro­du­zie­ren­den und ver­ar­bei­ten­den Gewer­be, im Han­del und in der Land­wirt­schaft ein Struk­tur­wan­del statt, von dem ein­zel­ne Regio­nen in Bay­ern beson­ders hart betrof­fen sind. Aktu­ell führt die fort­schrei­ten­de Digi­ta­li­sie­rung zu tief­grei­fen­den Ver­än­de­run­gen im Bereich der Güter­pro­duk­ti­on und in diver­sen Dienst­leis­tungs­be­ru­fen. Eine akti­ve staat­li­che Indus­trie- und Beschäf­ti­gungs­po­li­tik ist erfor­der­lich, um Deindus­tria­li­sie­rung zu ver­hin­dern, vor­han­de­ne Arbeits­plät­ze durch Umstel­lung auf neue Tech­ni­ken zu sichern und sozi­al abge­si­cher­te Über­gän­ge von Beschäf­tig­ten aus schrump­fen­den in zukunfts­fä­hi­ge Bran­chen zu ermög­li­chen. Beim struk­tu­rel­len Umbau von Betrie­ben und Arbeits­plät­zen darf es kei­ne sozi­al und öko­lo­gisch blin­de Wachs­tums- und Ren­di­te­fi­xie­rung geben, viel­mehr müs­sen sozia­le Sicher­heit und gerech­te Ent­loh­nung, aber auch sin­ken­der Roh­stoff­ver­brauch und gerin­ge Umwelt­be­las­tung maß­ge­bend sein. Für Betrie­be und Fir­men sind regio­na­le För­der­pro­gram­me, für die Beschäf­tig­ten Wei­ter­bil­dungs- und Umschu­lungs­maß­nah­men zu ent­wi­ckeln.

Im Bereich der öffent­li­chen Daseins­vor­sor­ge hat die neo­li­be­ra­le Ent­staat­li­chungs- und Pri­va­ti­sie­rungs­po­li­tik der ver­gan­ge­nen Jah­re zu einer mas­si­ven Unter­ver­sor­gung geführt. Es ist eine Schan­de, wenn im „rei­chen“ Bay­ern Armut und Obdach­lo­sig­keit zuneh­men, wenn Kin­der und Jugend­li­che aus ärme­ren Fami­li­en nicht genü­gend geför­dert und Pfle­ge­be­dürf­ti­ge ver­nach­läs­sigt wer­den, wenn Biblio­the­ken oder Schwimm­bä­der geschlos­sen wer­den und aus Geld­man­gel Schul­ge­bäu­de ver­fal­len und Stra­ßen ver­rot­ten. Drin­gend nötig ist des­halb ein umfang­rei­ches staat­li­ches Inves­ti­ti­ons­pro­gramm für Bil­dung und sozia­le Auf­ga­ben sowie für wei­te­re Infra­struk­tur­maß­nah­men, wie z.B. Aus­bau der digi­ta­len Ver­net­zung, Aus­stat­tung der Schu­len und öffent­li­cher Ein­rich­tun­gen mit ent­spre­chen­der Hard­ware und Ver­bes­se­rung des öffent­li­chen Nah­ver­kehrs.

Wir wol­len als LINKE die öffent­li­che Beschäf­ti­gung stark aus­bau­en. Staat­li­che Mehr­aus­ga­ben für Bil­dung und Pfle­ge, sozia­len Wohn­raum, Wei­ter­bil­dung und Sozia­les sol­len durch eine sozi­al gerech­te und öko­lo­gisch aus­ge­rich­te­te Steu­er­po­li­tik finan­ziert wer­den, die Rei­che und finanz­star­ke Unter­neh­men ver­stärkt her­an­zieht und mehr als bis­her den scho­nen­den Umgang mit natür­li­chen Res­sour­cen hono­riert. Hier­zu ist es unab­ding­bar, die offe­nen Stel­len für Betriebs­prü­fer sofort zu beset­zen und zusätz­li­che Stel­len zu schaf­fen, da jeder Betriebs­prü­fer knapp 1,5 Mil­lio­nen Euro Mehr­ein­nah­men für den Staat gene­riert. Wir for­dern ein Zukunfts­in­ves­ti­ti­ons­pro­gramm, um öffent­li­che und sozia­le Dienst­leis­tun­gen zu ver­bes­sern sowie öffent­lich geför­der­te Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se und neue Arbeits­plät­ze mit umwelt­freund­li­chen und zukunfts­fä­hi­gen Inves­ti­tio­nen zu schaf­fen.

In den länd­li­chen Gebie­ten und den „Rand­re­gio­nen“ sinkt nicht nur die Bevöl­ke­rungs­dich­te und der Alters­durch­schnitt ist höher, auch die Arbeits­lo­sig­keit spie­gelt die auf die Groß­in­dus­trie kon­zen­trier­te baye­ri­sche Wirt­schafts­po­li­tik wie­der: Bay­ern braucht eine Lan­des­ar­beits­markt­po­li­tik, die auf die Ver­mitt­lung der schon lan­ge und teil­wei­se sehr lan­ge erwerbs­lo­sen Men­schen zielt. Das muss unbe­dingt durch Qua­li­fi­ka­ti­ons­an­ge­bo­te unter­stützt wer­den.

DIE LINKE. Bay­ern for­dert:

  • Erhalt und Aus­wei­tung öffent­li­chen Eigen­tums, um eine gestal­ten­de Wirt­schafts­po­li­tik im Inter­es­se des Gemein­wohls zu ermög­li­chen. Für Berei­che, die für das Gemein­wohl not­wen­dig sind, wie Was­ser, Ener­gie, Grund und Wohn­raum, Gesund­heit etc. sol­len auch gemein­wohl­ori­en­tier­te For­men des Besitz­tums ange­strebt wer­den.
  • eine Wirt­schafts- und Gewer­be­po­li­tik, die regio­na­le Kreis­läu­fe, eigen­stän­di­ges Hand­werk und Klein­un­ter­neh­men unter­stützt und die­se nicht zu abhän­gi­gen Zulie­fe­rern für weni­ge Indus­trie­kon­zer­ne ver­kom­men lässt.
  • För­der­mit­tel für mit­tel­stän­di­sche Betrie­be und Exis­tenz­grün­de­rin­nen und Exis­tenz­grün­der, die sich an tarif­li­che Stan­dards hal­ten und (gute!) Arbeits­plät­ze schaf­fen.
Digi­ta­li­sie­rung muss den Beschäf­tig­ten die­nen – Arbeits­zeit ver­kür­zen

Im Zuge der Pro­duk­ti­vi­täts­stei­ge­run­gen ins­be­son­de­re durch Digi­ta­li­sie­rung fin­det auch eine extrem belas­ten­de zeit­li­che Ver­dich­tung der Arbeit statt. Gleich­zei­tig wer­den immer mehr Beschäf­tig­te, mehr­heit­lich Frau­en und Allein­er­zie­hen­de, in unfrei­wil­li­ge Teil­zeit, Mini- und Midi-Jobs und damit in Erwerbs­ar­mut abge­drängt. Ein Alter in Not ist zwangs­läu­fig die Fol­ge. Ein neu­es Nor­mal­ar­beits­ver­hält­nis bedeu­tet nicht, dass alle ein Leben lang Voll­zeit in einem Betrieb arbei­ten, son­dern kür­ze­re Arbeits­zei­ten und eine gerech­te Ver­tei­lung der gesell­schaft­lich not­wen­di­gen Arbeit, auch zwi­schen den Geschlech­tern. Die Arbeit muss zum Leben pas­sen und nicht das Leben um die Arbeit krei­sen!

Durch eine all­ge­mei­ne Arbeits­zeit­ver­kür­zung kann das Ver­spre­chen der Digi­ta­li­sie­rung, selbst­be­stimm­ter zu arbei­ten und zu leben, für alle Wirk­lich­keit wer­den. Der Ver­brauch von Res­sour­cen könn­te durch höhe­re Effi­zi­enz gesenkt wer­den. Ohne den gesell­schaft­li­chen Kampf dafür wird jedoch das Gegen­teil ein­tre­ten. Bay­ern för­dert mit sei­ner Ori­en­tie­rung auf die „Arbeit 4.0“ (bzw. „Indus­trie 4.0“) das Gegen­teil einer sozia­len und öko­lo­gi­schen Ent­wick­lung. Die Ent­wick­lung neu­er Tech­no­lo­gi­en und die Digi­ta­li­sie­rung füh­ren dazu, dass sich die Anfor­de­run­gen an die Arbeit und die beruf­li­che Kom­pe­tenz der Men­schen ver­än­dern. Die genau­en Aus­wir­kun­gen auf Arbeits­kräf­te­be­darf, Qua­li­fi­ka­ti­ons­an­for­de­run­gen und Leis­tungs­ver­dich­tung las­sen sich erst erah­nen: In eini­gen Berei­chen kön­nen bis die Hälf­te der Arbeits­plät­ze durch Auto­ma­ti­on ent­fal­len, ver­stärk­te Team­ar­beit sowie ver­netz­tes und abs­trak­tes Den­ken wer­den vor­aus­ge­setzt; vie­le Tätig­kei­ten kön­nen von „zuhau­se“ aus erbracht wer­den. Dies för­dert pre­kä­re, unge­si­cher­te Arbeits­ver­hält­nis­se, Schein­selbst­stän­dig­keit, Leih­ar­beit und „Crowd-Working“. Letz­te­res bedeu­tet: Ein Arbeits­auf­trag wird auf spe­zi­el­len inter­net­ge­stütz­ten Platt­for­men aus­ge­schrie­ben und der schnells­te und bil­ligs­te Bewer­ber bekommt den Auf­trag. Hin­zu kommt die zuneh­men­de Ver­hal­tens- und Leis­tungs­kon­trol­le durch auto­ma­ti­sier­te und halb­au­to­ma­ti­sier­te Sys­te­me.

Wir müs­sen die­se Ent­wick­lung posi­tiv für die Beschäf­tig­ten gestal­ten, was bedeu­tet: Wohl­stand und mehr Zeit für alle statt hoher Pro­fi­te für eine Min­der­heit von Kapi­tal­ei­gen­tü­mern. Wir strei­ten für eine Ver­kür­zung der Arbeits­zeit auf 30 Stun­den pro Woche, für eine bes­se­re Work-Life-Balan­ce als Ant­wort auf die Pro­duk­ti­vi­täts­stei­ge­run­gen in allen Berei­chen. Die Ver­kür­zung der Arbeits­zeit darf nicht zu mehr Stress bei den Beschäf­tig­ten füh­ren.

DIE LINKE. Bay­ern for­dert:

  • Die auto­ma­ti­sier­te lücken­lo­se Auf­zeich­nung und Ana­ly­se des Bewe­gungs­ab­lau­fes bzw. des Ver­hal­tens von Beschäf­tig­ten wäh­rend der Arbeits­zeit ist voll­stän­dig zu ver­bie­ten, denn sie sind als unan­ge­mes­se­ne Leis­tungs- und Ver­hal­tens­kon­trol­le zu betrach­ten. Jede Beur­tei­lung muss nach­voll­zieh- und anfecht­bar sein.
  • Digi­ta­li­sie­rung und die Arbeit und Auf­trags­ver­ga­be über Clouds und Platt­for­men schaf­fen neue, oft ent­grenz­te und pre­kä­re Beschäf­ti­gungs­for­men. Dem hal­ten wir ent­ge­gen: Fle­xi­bi­li­tät im Arbeits­le­ben muss sich nach den Bedürf­nis­sen der Beschäf­tig­ten rich­ten. DIE LINKE setzt sich für Geset­zes­ver­än­de­run­gen ein, die zu mehr Zeit­sou­ve­rä­ni­tät für die Ein­zel­nen und zu bes­se­rem Schutz gegen Dau­er­stress und Über­las­tung füh­ren. Mit der Digi­ta­li­sie­rung muss der Streit um Betei­li­gung der Beschäf­tig­ten an den Pro­duk­ti­ons­mit­teln neu ent­facht und eine öffent­li­che Grund­satz­de­bat­te über die Zukunft der Arbeit und alter­na­ti­ve Ent­loh­nungs- und Beschäf­ti­gungs­for­men geführt wer­den.
  • Wir wol­len das Recht auf Nicht­er­reich­bar­keit außer­halb der Arbeits­zeit. Wir set­zen uns für einen Rechts­an­spruch für Beschäf­tig­te auf mobi­les Arbei­ten und Home-Office mit ver­bind­li­chem Schutz vor Über­las­tung ein. Die­ser Anspruch muss frei­wil­lig sein und der Arbeit­ge­ber ist ver­pflich­tet, Stress und Belas­tung in die­sem Zusam­men­hang zu redu­zie­ren und zu ver­hin­dern.
Sank­ti­ons­freie Min­dest­si­che­rung statt Hartz IV

(3) Jeder Bewoh­ner Bay­erns, der arbeits­un­fä­hig ist oder dem kei­ne Arbeit ver­mit­telt wer­den kann, hat ein Recht auf Für­sor­ge. (Baye­ri­sche Ver­fas­sung: Art. 168 Abs. 3)

Die Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit nimmt zwar lang­sam ab, der ver­blei­ben­de Bestand ver­fes­tigt sich jedoch: 213 600 Men­schen waren im Dezem­ber 2017 offi­zi­ell arbeits­los, davon sind rund 101 900 Hartz-IVBe­trof­fe­ne (amt­lich ALG-II-Bezie­her); 51 000, d.h. fast ein Vier­tel davon gel­ten als lang­zeit­ar­beits­los. Hin­zu kom­men ca. 100 000 Men­schen, die aus der Arbeits­lo­sen­sta­tis­tik her­aus­ge­rech­net wer­den, weil sie sich ent­we­der in einer arbeits­markt­po­li­ti­schen Maß­nah­me befin­den, älter als 58 Jah­re oder vor­über­ge­hend arbeits­un­fä­hig sind. Außer­dem gibt es eine hohe Dun­kel­zif­fer von sol­chen, die zwar Arbeit suchen, aber sich nicht bei den Job­cen­tern mel­den.

Für uns ist die Tat­sa­che, dass mehr als 300 000 erwerbs­fä­hi­ge Men­schen in Bay­ern erwerbs­los sind, kei­nen Grund zu fei­ern. Die offi­zi­el­len Erfolgs­mel­dun­gen sind Nebel­ker­zen vor der Lebens­wirk­lich­keit vie­ler Men­schen. Die Arbeits­markt­po­li­tik muss sich in beson­de­rem Maße um die­je­ni­gen küm­mern, die schlech­te Chan­cen auf dem Arbeits­markt haben, d.h. vor allem gering Qua­li­fi­zier­te, Beschäf­tig­te über 50 und Men­schen, die an psy­chi­schen oder chro­ni­schen Erkran­kun­gen lei­den. Der nied­ri­ge Durch­schnitts­wert soll­te auch nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass es in Bay­ern Regio­nen gibt, die deut­lich über dem bun­des­wei­ten Arbeits­lo­sen-Durch­schnitt lie­gen. In Nürn­berg und Hof wur­de der Bun­des­schnitt mit 8,5 und 11,3 Pro­zent sogar deut­lich über­schrit­ten.

Von Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit betrof­fen sind ins­be­son­de­re Men­schen ohne abge­schlos­se­ne Berufs­aus­bil­dung, näm­lich 40 Pro­zent, wovon fast ein Vier­tel älter als 55 Jah­re ist. Den Men­schen, die sich in die­ser Sphä­re „ver­fes­tig­ter Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit“ befin­den, gilt unse­re beson­de­re Sor­ge und Auf­merk­sam­keit. Um zu ver­hin­dern, dass sie bei Ver­lust der Arbeit nach spä­tes­tens 18 Mona­ten in den Sta­tus dau­er­haft ver­fes­tig­ter Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit („Hartz IV“) abrut­schen, sind sei­tens der Job­cen­ter und Arbeits­agen­tu­ren ers­tens an per­sön­li­che Betreu­ung gebun­de­ne Ver­mitt­lungs­be­mü­hun­gen, zwei­tens Maß­nah­men zur beruf­li­chen Aus- und Wei­ter­bil­dung und drit­tens mehr­pha­si­ge prak­ti­sche Tätig­kei­ten im öffent­li­chen Beschäf­ti­gungs­sek­tor erfor­der­lich.

Seit Jah­ren sind die Maß­nah­men der Arbeits­agen­tu­ren und Job­cen­ter zur Ver­mitt­lung in Arbeit und zur Qua­li­fi­zie­rung für die Arbeits­lo­sen völ­lig unzu­rei­chend. Was als „Akti­vie­rung und beruf­li­che Ein­glie­de­rung“ dekla­riert wird, dient im Wesent­li­chen der Über­prü­fung der Ver­mitt­lungs­be­reit­schaft. Wer zu einem Ter­min beim Job­cen­ter nicht erscheint, das drit­te vor­ge­schla­ge­ne Bewer­bungs­trai­ning nicht antritt, oder eine vor­ge­schla­ge­ne – oft pre­kä­re, schlecht bezahl­te – Arbeit nicht antritt, wird sank­tio­niert, bis zum Aus­schei­den aus dem Leis­tungs­be­zug. Für die Wei­ter­bil­dung wer­den kurz­fris­ti­ge Bil­lig-Ange­bo­te (PC-Kur­se etc.) bevor­zugt, wäh­rend Aus­bil­dun­gen mit ver­wert­ba­ren Berufs­ab­schlüs­sen nur sel­ten geneh­migt wer­den. Voll­ends bei Lang­zeit­ar­beits­lo­sen ohne Berufs­ab­schluss fehlt es an mehr­jäh­ri­gen, mehr­pha­si­gen Aus­bil­dun­gen mit inten­si­ver Betreu­ung nach Werk­statt-Prin­zip, für die ein öffent­li­cher Beschäf­ti­gungs­sek­tor zu schaf­fen ist, aus dem nach erfolg­rei­chem Abschluss mit wei­te­rer Unter­stüt­zung in den ers­ten Arbeits­markt gewech­selt wer­den kann.

Wir wol­len die Ursa­chen der Erwerbs­lo­sig­keit bekämp­fen, sozia­le Sicher­heit garan­tie­ren und Armut besei­ti­gen. Dazu müs­sen zusätz­li­che, gut bezahl­te und tarif­lich abge­si­cher­te Arbeits­plät­ze geschaf­fen wer­den statt Mini­jobs und unfrei­wil­li­ger Teil­zeit­ar­beit. Wer erwerbs­los ist, darf nicht in Armut gedrängt wer­den – daher braucht es eine sank­ti­ons­freie Min­dest­si­che­rung statt Hartz IV. Wir wol­len außer­dem einen öffent­li­chen Beschäf­ti­gungs­sek­tor für Men­schen schaf­fen, die der­zeit kei­ner regu­lä­ren Beschäf­ti­gung nach­ge­hen kön­nen. DIE LINKE for­dert, dass die Mit­tel für arbeits­markt­po­li­ti­sche Maß­nah­men bei den Arbeits­agen­tu­ren und Job­cen­tern nicht gekürzt, son­dern in erheb­li­chem Maße auf­ge­stockt wer­den. An die Stel­le kurz­fris­ti­ger Maß­nah­men, die den Betrof­fe­nen nicht hel­fen, müs­sen lang­fris­ti­ge Maß­nah­men tre­ten, die zu aner­kann­ten Berufs­ab­schlüs­sen füh­ren.

Der in Regel­sät­zen von ALG II vor­ge­ge­be­ne „Bedarf“ ist zu nied­rig ange­setzt und ver­hin­dert ein Leben in Wür­de und mit sozia­ler Teil­ha­be. Des­halb wol­len wir Hartz IV durch eine sozi­al gerech­te, indi­vi­du­el­le und sank­ti­ons­freie Min­dest­si­che­rung erset­zen. Das Prin­zip der Bedarfs­ge­mein­schaft, das nur dazu dient, Hartz-IV-Beträ­ge klein­zu­rech­nen, leh­nen wir ab. Per­spek­ti­visch for­dern wir eine bedarfs­de­cken­de, sank­ti­ons­freie Min­dest­si­che­rung. In einem ers­ten Schritt for­dern wir eine Erhö­hung der Regel­sät­ze, die die tat­säch­li­chen Lebens­hal­tungs­kos­ten absi­chert. Auch die­ser Betrag wird jähr­lich ange­passt. Wir wis­sen, dass die Hartz-IV-Drang­sa­lie­rung nur auf Bun­des­ebe­ne abge­schafft oder ver­än­dert wer­den kann. Gleich­wohl sehen wir die Ver­pflich­tung Bay­erns, auch auf­grund sei­ner Ver­fas­sung, soviel wie mög­lich für die Ver­bes­se­rung der Lebens­si­tua­ti­on der Hartz-IV-Opfer zu tun. Sank­tio­nen:
Obwohl die Hartz-IV-Regel­sät­ze das abso­lu­te Exis­tenz­mi­ni­mum beinhal­ten sol­len, wel­ches nicht wei­ter unter­schrit­ten wer­den darf, bie­tet das SGB II etli­che Instru­men­te, Betrof­fe­ne mit einer Kür­zung der Zah­lun­gen zu dis­zi­pli­nie­ren. Wich­tigs­ter Teil die­ser Instru­men­te sind die Sank­tio­nen, die im Wesent­li­chen auf eine Kür­zung der aus­ge­zahl­ten Monats­be­trä­ge hin­aus­lau­fen. Das heißt, der Staat nimmt den Betrof­fe­nen einen Teil des Exis­tenz­mi­ni­mums kalt­her­zig weg. Allein in Bay­ern sind davon jähr­lich rund 30 000 Bezie­he­rin­nen und Bezie­her von ALG-II betrof­fen. Wer­den „zumut­ba­re Arbeit oder Maß­nah­men zur Ein­glie­de­rung in Arbeit“ nicht ange­tre­ten, ver­wei­gert oder durch ent­spre­chen­des Ver­hal­ten ver­hin­dert, kön­nen gra­vie­ren­de­re Kür­zun­gen fol­gen. Bei der ers­ten Pflicht­ver­let­zung beträgt die Kür­zung des Regel­sat­zes 30 Pro­zent, im Wie­der­ho­lungs­fall 60 Pro­zent.

Bei fort­ge­setz­ter Ver­wei­ge­rung bzw. grund­sätz­lich „nicht­ko­ope­ra­ti­vem“ Ver­hal­ten gegen­über dem Job­cen­ter kann die kom­plet­te Leis­tung inklu­si­ve der Kos­ten für die Unter­kunft gestri­chen wer­den. Auch bei „Kün­di­gung einer weni­ger als 15 Stun­den wöchent­lich umfas­sen­den Beschäf­ti­gung, weil der Hin­zu­ver­dienst unter Anrech­nungs­be­din­gun­gen nicht mehr loh­nend erscheint“, kön­nen der­art eska­lie­ren­de Sank­tio­nen ver­hängt wer­den. Betrof­fe­ne wer­den so in pre­kä­re Arbeits­ver­hält­nis­se gezwun­gen, weil ihnen sonst die Obdach­lo­sig­keit droht. Schon Frist­ver­säum­nis­se kön­nen zu einer Kür­zung des Hartz-IV-Betrags füh­ren und bei wei­ter­ge­hen­den „Ver­stö­ßen“ aus Sicht der Ämter grei­fen Sank­tio­nen bis zur voll­stän­di­gen Strei­chung des Arbeits­lo­sen­gel­des. Wie Unter­su­chun­gen zei­gen, ist dabei der Will­kür der Job­cen­ter Tür und Tor geöff­net. Betrof­fen von Kür­zun­gen sind über­wie­gend jün­ge­re Lang­zeit­ar­beits­lo­se, die auf die­se Wei­se dis­zi­pli­niert wer­den sol­len. Wir sagen: Eine Kür­zung des Exis­tenz­mi­ni­mums darf es nicht geben! Wir leh­nen die Sank­tio­nen ohne Wenn und Aber ab und kämp­fen dage­gen an der Sei­te der Betrof­fe­nen.

Regel­satz und Mie­te:
Auch die stei­gen­de Ver­schul­dung der Hartz-IV-Haus­hal­te zeigt, dass die Leis­tun­gen der Job­cen­ter nicht aus­rei­chen, um den Lebens­un­ter­halt der bedürf­ti­gen Fami­li­en zu decken. Die Zahl der Wider­sprü­che gegen und die Pro­zes­se um feh­ler­haf­te Beschei­de – zu 40 bis 60 Pro­zent gewin­nen die Kla­gen­den – zei­gen, dass die Ämter restrik­tiv vor­ge­hen. Die unso­zia­le Här­te des SGB II zeigt sich u.a. dar­in, dass not­wen­di­ge Anschaf­fun­gen, wie der Ersatz eines kaput­ten Kühl­schranks, nach dem alten Sozi­al­recht mit der Bewil­li­gung eines ein­ma­li­gen Betra­ges erle­digt wer­den konn­te, wäh­rend sie nach dem jet­zi­gen SGB II vom Regel­satz bestrit­ten wer­den müs­sen. Die­se Rech­nung geht aber nicht auf, da der Regel­satz dafür nicht aus­reicht. Was als Mög­lich­keit bleibt, ist die Auf­nah­me eines Kre­dits beim Job­cen­ter, der in den fol­gen­den Mona­ten vom nicht zu unter­schrei­ten­den Exis­tenz­mi­ni­mum abge­stot­tert wer­den muss, was dann zu einem Unter­schrei­ten des Exis­tenz­mi­ni­mums führt. Der Regel­satz für „Woh­nen, Ener­gie und Wohn­in­stand­hal­tung“ ist mit knapp 37 Euro im Monat zu nied­rig. Immer mehr Hartz-IV Haus­hal­ten wird der Strom abge­dreht. Die tat­säch­li­chen Kos­ten der Grund­ver­sor­gung von Sin­gle- Haus­hal­ten (ca. 1.500 kWh pro Jahr) belau­fen sich in Bay­ern auf monat­lich rund 44 Euro. Die Dif­fe­renz führt aber­mals zu einem Unter­schrei­ten des Exis­tenz­mi­ni­mums.

Ähn­lich sieht es bei den Miet­kos­ten aus. Die­se wer­den zwar inklu­si­ve Neben­kos­ten vom Amt über­nom­men, aller­dings nur bis zu einer gewis­sen Höhe. Auf eine Sozi­al­woh­nung war­ten Bedürf­ti­ge oft Jah­re. Die weni­gen Woh­nun­gen, die sonst in das Bud­get pas­sen, sind kaum zu bekom­men. In Mün­chen kom­men auf eine Woh­nung oft meh­re­re hun­dert inter­es­sier­te Woh­nungs­su­chen­de. Eini­ge ent­schei­den sich des­halb für eine teu­re­re Unter­kunft, um ihre Chan­cen zu erhö­hen oder blei­ben ent­mu­tigt in ihrer zu teu­ren Woh­nung. Leis­tungs­be­zie­he­rin­nen und ‑bezie­her zah­len des­halb durch­schnitt­lich vier Pro­zent der Miet­kos­ten von ihrem Regel­satz. Prak­tisch geht das zulas­ten der Mit­tel, die eigent­lich der Siche­rung des Lebens­un­ter­halts die­nen sol­len. Die Ange­mes­sen­heits­gren­zen für die Miet­hö­he, sowie der Regel­satz müs­sen des­halb drin­gend auf ein rea­lis­ti­sches Niveau ange­ho­ben wer­den.

Allein­er­zie­hen­de und Bedarfs­ge­mein­schaf­ten:
Die Bedarfs­ge­mein­schaf­ten aus einem oder einer Erwach­se­nen und Kind(ern) zei­gen die Unge­rech­tig­keit der Agen­da 2010 sehr deut­lich. In Bay­ern gibt es zur Zeit etwa 80 000 soge­nann­te „Bedarfs­ge­mein­schaf­ten“, in denen Allein­er­zie­hen­de oder in Part­ner­schaft leben­de Erwach­se­ne und dazu­ge­hö­ren­de Kin­der Hartz IV bezie­hen (amts­deutsch: Leis­tun­gen nach SGB II). 6,8 Pro­zent der unter 18-Jäh­ri­gen sind von Zah­lun­gen der Job­cen­ter voll­stän­dig abhän­gig. Durch­schnitts­zah­len trü­gen aber: Die­ser Anteil schnellt in Städ­ten wie Schwein­furt, Hof und Nürn­berg auf über 20 Pro­zent hoch. Beson­ders benach­tei­ligt sind Allein­er­zie­hen­de mit ihren Kin­dern, d.h. zu 90 Pro­zent Frau­en. Sind sie­ben Pro­zent der Paar-Fami­li­en von staat­li­cher Grund­si­che­rung abhän­gig, so sind es 41 Pro­zent der allein­er­zie­hen­den Müt­ter. Für die 2,2 Mil­lio­nen Kin­der, die von nur einem Eltern­teil groß­ge­zo­gen wer­den, bedeu­tet das ein erheb­li­ches Armuts­ri­si­ko und bei Hartz-IV-Abhän­gig­keit tat­säch­li­che Armut. Eine Ursa­che für das Armuts­ri­si­ko von Allein­er­zie­hen­den und deren Kin­dern sieht die Ber­tels­mann- Stif­tung im feh­len­den Unter­halt durch den geschie­de­nen oder getrennt leben­den Part­ner (dies trifft auf etwa 50 Pro­zent der Allein­er­zie­hen­den zu) bzw. bei nur teil­wei­ser oder spo­ra­di­scher Zah­lung. Sie schlägt des­halb eine Ver­bes­se­rung des Unter­halts­vor­schus­ses vor. Hartz-IV-Bedarfs­ge­mein­schaf­ten hilft dies jedoch nicht, da der Regel­satz mit dem ein­kal­ku­lier­ten „Mehr­be­darf“ für Allein­er­zie­hen­de um den Unter­halts­vor­schuss gekürzt wird. Für Kin­der und Jugend­li­che rei­chen die nach Alter gestaf­fel­ten monat­li­chen Regel­sät­ze nicht aus, um mehr als eine not­dürf­ti­ge Grund­ver­sor­gung zu gewähr­leis­ten. Kin­der­ar­mut ist untrag­bar, ins­be­son­de­re in einem solch rei­chen Land. Oft genug wird auf die Nut­zung der Tafeln zurück­ge­grif­fen. Alters­ge­mä­ße Teil­ha­be am sozia­len Leben in und außer­halb der Schul­klas­se (z.B. Ein­la­dun­gen, Klas­sen­fahr­ten, Sport) ist kaum mög­lich. Kin­der und Jugend­li­che aus Hartz-IV-Fami­li­en sind arm und vom sozia­len Leben abge­kop­pelt. Mate­ri­el­le und psy­chi­sche Ent­beh­run­gen der Eltern set­zen sich bei den Kin­dern fort. Chan­cen, dem durch bes­se­re Bil­dung zu ent­ge­hen, sind gering. Durch das Hartz-IV-Sys­tem wer­den alle über 17 Jah­re alten Mit­glie­der der Bedarfs­ge­mein­schaft, soweit sie sich nicht in Aus­bil­dung befin­den, gezwun­gen, sich kon­ti­nu­ier­lich selbst um Arbeit zu bemü­hen, an wenig ziel­füh­ren­den „Maß­nah­men“ der Job­cen­ter teil­zu­neh­men oder ange­bo­te­ne Jobs jed­we­der Art anzu­tre­ten. Wäh­rend das Arbeits­lo­sen­geld I indi­vi­du­ell an die Per­son des bzw. der arbeits­los Gewor­de­nen gebun­den ist, rich­tet sich das Arbeits­lo­sen­geld II nach einem für Erwach­se­ne und Kin­der gesetz­lich fest­ge­schrie­be­nen „Bedarf“, der aber für die gesam­te Bedarfs­ge­mein­schaft berech­net wird. Zunächst ver­langt das Bedürf­tig­keits­prin­zip vor­han­de­nes Ver­mö­gen bis auf einen Rest fürs Alter auf­zu­brau­chen und alle Aus­ga­ben für die Fami­lie nach fes­ten Regel­sät­zen zu pla­nen. Arbeits­ein­kom­men des Part­ners bzw. der Part­ne­rin und ander­wei­ti­ge Ein­künf­te (z.B. Kin­der­geld, Unter­halts­zah­lun­gen von getrennt leben­den Part­nern) wer­den in vol­ler Höhe auf die Regel­sät­ze in der Bedarfs­ge­mein­schaft ange­rech­net. Paa­ren, die über ein Jahr zusam­men in einer Woh­nung leben, wird unter­stellt gemein­sam zu wirt­schaf­ten und eine ehe­ähn­li­che Gemein­schaft zu bil­den. Die Fol­ge: Der bzw. die Bedürf­ti­ge hat je nach Höhe des Gehalts des Part­ners bzw. der Part­ne­rin nur noch einen gemin­der­ten oder sogar gar kei­nen Anspruch mehr auf Sozi­al­leis­tun­gen. Die­se soll nun der Part­ner bzw. die Part­ne­rin über­neh­men, was zu einer pre­kä­ren Abhän­gig­keit auf der einen Sei­te und einer enor­men finan­zi­el­len Belas­tung auf der ande­ren führt. Das alles kann zu Aus­ein­an­der­set­zun­gen füh­ren, bis hin zur Erwä­gung lie­ber aus­zu­zie­hen als die mit Hartz IV ver­bun­de­ne finan­zi­el­le Schlech­ter­stel­lung und Dis­kri­mi­nie­rung in Kauf zu neh­men. Vor allem jun­ge Men­schen wer­den nach einem Jahr Zusam­men­le­ben noch nicht an einer in die­sem Aus­maß ver­bind­li­chen Gemein­schaft ähn­lich einer Ehe inter­es­siert sein. Betrof­fe­nen wird dadurch das Recht auf ein selbst­be­stimm­tes Leben genom­men. Die ehe­ähn­li­che Gemein­schaft ist auch des­halb höchst unge­recht, da sie die Pflich­ten einer Ehe ein­for­dert, die Vor­tei­le einer Ehe wie Steu­er­erspar­nis­se usw. aber ver­wehrt. Wir leh­nen es ab, dass der Staat sich sei­ner Ver­ant­wor­tung ent­zieht und die­se an Mit­glie­der einer Bedarfs­ge­mein­schaft über­trägt, denen so selbst kaum mehr als der Regel­satz auf dem Kon­to bleibt. Das Resul­tat die­ser Berech­nung ist kärg­li­ches Leben in mate­ri­el­ler Armut. Der Kampf mit den Ämtern um die rich­ti­ge Berech­nung von Hartz IV, um jeden Euro und jeden Cent, der täg­li­che Über­le­bens­kampf, die durch die Lebens­um­stän­de her­vor­ge­ru­fe­nen Ent­täu­schun­gen für Kin­der und damit für ihre Eltern (vom feh­len­den Weih­nachts­ge­schenk bis zur offen­sicht­li­chen Bedürf­tig­keit) erhö­hen das Risi­ko psy­chi­scher Krank­hei­ten.

Migran­tin­nen und Migran­ten:
Der Erlass des Bun­des­ge­set­zes, wel­ches EU-Bür­ge­rin­nen und ‑Bür­gern bis zu fünf Jah­ren vom Bezug von Sozi­al­leis­tun­gen aus­schließt, hat zu Schick­sa­len bit­ters­ter Armut in Bay­ern und in ganz Deutsch­land geführt. Arbeits­mi­gran­tin­nen und ‑migran­ten aus unse­ren EU-Nach­bar­staa­ten leben häu­fi­ger in erbärm­li­chem Elend und oft in Woh­nungs­lo­sig­keit. DIE LINKE for­dert ein Lan­des­un­ter­stüt­zungs­pro­gramm für die Kom­mu­nen zur Unter­stüt­zung von EU-Migran­tin­nen und — Migran­ten in Bay­ern. Das Pro­gramm soll­te u.a. die Finan­zie­rung der Unter­brin­gung, Bera­tung in Lan­des­spra­chen zu sozia­len Pro­blem­la­gen, Arbeit und Woh­nen sowie die Finan­zie­rung von Deutsch­kur­sen ent­hal­ten. Außer­dem for­dern wir, dass Bay­ern sich im Bun­des­rat für die Abschaf­fung die­ses Geset­zes ein­setzt.

Öffent­li­cher Beschäf­ti­gungs­sek­tor und Unter­stüt­zung bei Wie­der­ein­glie­de­rung

Im Zuge des Aus­baus der regu­lä­ren, tarif­li­chen Beschäf­ti­gung im öffent­li­chen Dienst for­dern wir auf Bun­des­ebe­ne zwei Mil­lio­nen neue Arbeits­plät­ze. Für Bay­ern ent­spricht dies knapp 250 000 Stel­len. Zusätz­lich wol­len wir mit einem öffent­lich geför­der­ten Beschäf­ti­gungs­sek­tor neue Per­spek­ti­ven für Men­schen schaf­fen, die der­zeit kei­ner regu­lä­ren Beschäf­ti­gung nach­ge­hen kön­nen, auch auf­grund kör­per­li­cher oder psy­chi­scher Beein­träch­ti­gun­gen. Sie sol­len Stadt­teil­zen­tren, Initia­ti­ven und kul­tu­rel­le Pro­jek­te stär­ken. Die Stel­len müs­sen sich an den regio­na­len Gege­ben­hei­ten und den Bedürf­nis­sen der Erwerbs­lo­sen aus­rich­ten. Die Ent­loh­nung darf den Min­dest­lohn und einen Brut­to­lohn von monat­lich min­des­tens 1.500 Euro (Voll­zeit) nicht unter­schrei­ten. Es gilt immer, dass die Nut­zung von finan­zi­el­len Mit­teln für gesell­schaft­lich nütz­li­che Beschäf­ti­gung Vor­rang hat vor der Finan­zie­rung von Erwerbs­lo­sig­keit – soge­nann­ter Pas­siv-Aktiv-Trans­fer.

Nicht immer fällt die Ein­ar­bei­tung nach lan­ger Erwerbs­lo­sig­keit leicht. Not­wen­dig ist es daher gera­de für Lang­zeit­er­werbs­lo­se, nicht in pre­kä­re Erwerbs­si­tua­tio­nen zu gera­ten, das heißt in sach­grund­lo­sen Befris­tun­gen. Die Beschäf­ti­gun­gen müs­sen sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig sein. Wie­der­ein­glie­de­run­gen soll­ten bei Bedarf mit Bera­tung beglei­tet wer­den, wenn die Betrof­fe­nen mit Über­schul­dung, Han­di­kaps oder sozi­al­in­di­zier­ten Abwei­chun­gen umge­hen müs­sen oder gar psy­chi­sche Pro­ble­me davon­tra­gen. Bei Men­schen mit wenig Deutsch­kennt­nis­sen muss ein all­tags­in­te­grier­ter Auf­bau von Kennt­nis­sen der deut­schen Spra­che erfol­gen.

DIE LINKE. Bay­ern for­dert:

  • eine Erhö­hung der Ange­mes­sen­heits­gren­zen bei den Kos­ten der Unter­kunft (KdU) für eine fai­re Chan­ce Woh­nun­gen zu fin­den und gene­rell mehr sozia­len Woh­nungs­bau.
  • mehr Sach­be­ar­bei­te­rin­nen und Sach­be­ar­bei­ter in den Agen­tu­ren für Arbeit und Job­cen­tern, um die Über­las­tungs­si­tua­tio­nen zu redu­zie­ren; dadurch sol­len ver­bes­ser­te Bera­tun­gen statt­fin­den.
  • den Aus­bau der öffent­li­chen Beschäf­ti­gung.
  • unab­hän­gi­ge Schlich­tungs­stel­len, um Hartz-IV-Bezie­hen­den mehr Mög­lich­kei­ten des Wider­spruchs in die Hand zu geben.
  • die Umwand­lung von Ein-Euro-Jobs und „Bür­ger­ar­beit“ in sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge, tarif­lich ent­lohn­te Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se.
  • einen Bay­ern­pass, der Gering­ver­die­nen­den und Sozi­al­leis­tungs­be­zie­he­rin­nen und ‑bezie­hern den Zugang zu Muse­en, kul­tu­rel­len Ein­rich­tun­gen oder Sport­ver­ei­nen sowie als Sozi­al­ti­cket Ver­güns­ti­gun­gen im öffent­li­chen Nah­ver­kehr nach dem Vor­bild ein­zel­ner Kom­mu­nen ermög­licht. Für Kin­der soll es freie Fahrt in Bus und Bahn geben. Per­spek­ti­visch sind ein ticket­frei­er ÖPNV (Null­ta­rif) und die Ein­füh­rung einer Sozi­al-Bahn­Card anzu­stre­ben.
  • sozi­al gestaf­fel­te Strom­prei­se.

Im Bund set­zen wir uns außer­dem ein für:

  • eine län­ge­re Zah­lung des Arbeits­lo­sen­gel­des I.
  • eine Erwerbs­lo­sen­ver­si­che­rung, die den Lebens­stan­dard annä­hernd sichert und einen Absturz in die Armut ver­hin­dert.
  • eine bedarfs­de­cken­de und sank­ti­ons­freie Min­dest­si­che­rung.
  • die Abschaf­fung der Sank­tio­nen und Sperr­zei­ten sowie der Bedarfs­ge­mein­schaf­ten.
  • ein Ver­bot von Strom­sper­ren.
Selbst­be­stim­mung und Teil­ha­be für Men­schen mit Behin­de­rung

Seit der Rati­fi­zie­rung der UN-Behin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on steht das The­ma Inklu­si­on in Hin­blick auf Men­schen mit Behin­de­run­gen stär­ker im Fokus. DIE LINKE tritt für eine vol­le und wirk­sa­me Teil­ha­be aller Men­schen mit Behin­de­run­gen ein. Wir wol­len Bar­rie­ren abbau­en – bau­li­che, kom­mu­ni­ka­ti­ve und struk­tu­rel­le – und Men­schen mit Behin­de­run­gen eine unab­hän­gi­ge Lebens­füh­rung ermög­li­chen.

Doch Inklu­si­on geht weit dar­über hin­aus. Inklu­si­on ist Men­schen­recht: Sie eröff­net allen Men­schen die Mög­lich­keit, über­all im poli­ti­schen, sozia­len und kul­tu­rel­len Leben nicht nur dabei zu sein, son­dern es auch selbst­be­stimmt aktiv gestal­ten zu kön­nen. Dop­pel­struk­tu­ren in Bil­dung, Woh­nen und Arbeit wol­len wir auf­lö­sen. Für Men­schen mit Behin­de­run­gen gibt es beson­ders vie­le Dis­kri­mi­nie­run­gen und struk­tu­rel­le Zugangs­be­schrän­kun­gen: auf dem Arbeits­markt, im Sozi­al­raum, im Ver­kehr, in der Bil­dung und in der ehren­amt­li­chen sowie poli­ti­schen Betä­ti­gung.

Das wol­len wir ändern:

  • • Wir unter­stüt­zen und för­dern die Behin­der­ten­ver­bän­de und ‑ver­tre­tun­gen in ihren For­de­run­gen nach Eigen­ver­ant­wort­lich­keit unter Berück­sich­ti­gung der indi­vi­du­el­len Bedürf­nis­se der Betrof­fe­nen. Men­schen mit Behin­de­run­gen sind Fach­leu­te in eige­ner Sache.
  • Wir wol­len die lücken­lo­se Umset­zung des baye­ri­schen Akti­ons­plans unter tat­säch­li­cher und wirk­sa­mer Betei­li­gung der Betrof­fe­nen und ihrer Selbst­ver­tre­tungs­or­ga­ni­sa­tio­nen. Der Akti­ons­plan wird regel­mä­ßig fort­ge­schrie­ben und kon­kre­ti­siert. Nach­prüf­ba­re Ziel­vor­ga­ben, Umset­zungs­fris­ten und eine aus­rei­chen­de Finan­zie­rung sind unum­gäng­lich – Men­schen­rech­te dür­fen nicht unter Finan­zie­rungs­vor­be­halt gestellt wer­den. Neue und älte­re Geset­ze sol­len dabei auf Kon­for­mi­tät mit der UN-Behin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on regel­mä­ßig über­prüft wer­den.
  • Das Wahl­recht für alle soll umge­setzt und alle Wahl­rechts­aus­schlüs­se sol­len abge­schafft wer­den. Wahl­lo­kal, Wahl­ver­fah­ren, Wahl­ma­te­ria­li­en und Wahl­ein­rich­tun­gen müs­sen bar­rie­re­frei sein.
  • Wir wol­len ein baye­ri­sches Bil­dungs­pro­gramm für alle Bil­dungs­be­rei­che und Alters­stu­fen (2– Leh­rer-Prin­zip) ohne Son­der­ein­rich­tun­gen.
  • Men­schen mit Behin­de­run­gen und ihre Selbst­ver­tre­tungs­or­ga­ni­sa­tio­nen benö­ti­gen Unter­stüt­zung. Das beinhal­tet vor allem die För­de­rung unab­hän­gi­ger Bera­tung durch Exper­tin­nen und Exper­ten in eige­ner Sache, von Initia­ti­ven und öffent­lich­keits­wirk­sa­men Maß­nah­men.
  • Jeg­li­che bau­li­chen und kom­mu­ni­ka­ti­ven Bar­rie­ren müs­sen besei­tigt wer­den. Öffent­li­che Inves­ti­tio­nen und För­der­gel­der sol­len zukünf­tig auch an das Kri­te­ri­um der Bar­rie­re­frei­heit gebun­den wer­den.
  • Für mehr bar­rie­re­freie Woh­nun­gen muss der § 48 der baye­ri­schen Bau­ord­nung wie­der in den Prüf­kata­log der Bau­be­hör­den auf­ge­nom­men wer­den.
  • DIE LINKE will ein bar­rie­re­frei­es Gesund­heits­sys­tem. Bar­rie­re­frei­heit muss ein Zulas­sungs­kri­te­ri­um bei Arzt­pra­xen und medi­zi­ni­schen Ein­rich­tun­gen sein und Umbau­maß­nah­men müs­sen geför­dert wer­den.
  • Mobi­li­tät, Informations‑, Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und ande­re Diens­te müs­sen bar­rie­re­frei sein. Für Schwer­be­hin­der­te oder Kran­ke, die den öffent­li­chen Nah­ver­kehr nicht nut­zen kön­nen, soll zur Ermög­li­chung der Teil­ha­be am öffent­li­chen Leben ein kos­ten­frei­er Fahr­dienst zur Ver­fü­gung ste­hen.
  • Wir wol­len Bank­au­to­ma­ten bar­rie­re­frei umrüs­ten, so dass auch Men­schen mit Seh­schwä­che sie nut­zen kön­nen.
  • Wir for­dern eine gute finan­zi­el­le Aus­stat­tung der Kom­mu­nen zur Aus­ge­stal­tung der Inklu­si­on.

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Unser Bay­ern funk­tio­niert mit­ein­an­der, nicht gegen­ein­an­der

Markt und Kapi­tal leben von Bedin­gun­gen, die sie selbst nicht schaf­fen oder dau­er­haft erhal­ten kön­nen. Bund, Län­der und Gemein­den, immer mehr auch euro­päi­sche und welt­um­span­nen­de öffent­li­che Insti­tu­tio­nen set­zen die poli­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen. Städ­te, Gemein­den, Land­krei­se und auch die Bun­des­län­der stel­len die Ver­sor­gung mit tech­ni­schen, sozia­len und kul­tu­rel­len Ein­rich­tun­gen sicher. Die ste­ti­ge Wei­ter­ent­wick­lung die­ser Infra­struk­tur stellt die Wei­chen für Lebens­qua­li­tät und wirt­schaft­li­che Chan­cen auf Jah­re und Jahr­zehn­te im Vor­aus. Lin­ke Poli­tik inter­ve­niert in die­se Pla­nungs­pro­zes­se, um ein Gegen­ge­wicht zu den Unge­rech­tig­kei­ten des Mark­tes zu schaf­fen. Uns geht es um ver­bes­ser­te Lebens­be­din­gun­gen für die Men­schen und um Teil­ha­be aller Gemein­den und Regio­nen an der wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung. Unser Ansatz einer soli­da­ri­sch­aus­glei­chen­den Struk­tur­po­li­tik ist gera­de heu­te wich­tig, wo wir erle­ben, dass das Ziel gleich­wer­ti­ger Lebens­ver­hält­nis­se für Frau­en und Män­ner, Kin­der, Jugend­li­che und Stu­die­ren­de, Erwerbs­tä­ti­ge, Rent­ne­rin­nen und Rent­ner und Men­schen mit kör­per­li­chen und/oder geis­ti­gen Ein­schrän­kun­gen all­zu oft nur ein Lip­pen­be­kennt­nis ist: Öffent­li­che Mit­tel wan­dern in die Regio­nen mit boo­men­der Wirt­schaft, wäh­rend in peri­phe­ren, struk­tur­schwa­chen Regio­nen der Zugang zu öffent­li­chen Gütern und Ein­rich­tun­gen denen schwer­ge­macht wird, die sie am drin­gends­ten brau­chen.

Über Jahr­zehn­te haben CSU, FDP, SPD und Grü­ne durch Steu­er­erleich­te­run­gen für Rei­che dafür gesorgt, dass die Ein­nah­men im Staats­haus­halt nied­ri­ger als die Aus­ga­ben lagen. Die Staats­ver­schul­dung in Deutsch­land ist bei gleich­blei­ben­der Staats­quo­te kon­ti­nu­ier­lich gestie­gen. Auch wenn die Staats­ein­nah­men aktu­ell stei­gen, kann die in der Baye­ri­schen Ver­fas­sung ver­an­ker­te „Schul­den­brem­se“ dazu füh­ren, dass Inves­ti­tio­nen in Bil­dung, Umwelt­schutz oder Sozi­al­leis­tun­gen gekürzt wer­den. Für DIE LINKE muss der Staat auch und gera­de in Zei­ten kon­junk­tu­rel­ler Schwä­che dafür sor­gen, sozia­le Siche­rungs­sys­te­me, Bil­dungs­an­ge­bo­te und Inves­ti­tio­nen in den sozi­al­öko­lo­gi­schen Wan­del auf­recht­zu­er­hal­ten. DIE LINKE lehnt des­halb die Schul­den­brem­se wei­ter­hin ab.

Für mehr Ren­te statt Alters­ar­mut

DIE LINKE will gesetz­lich regeln, dass alle in eine gemein­sa­me Ren­ten­kas­se ein­zah­len. Auch Poli­ti­ker, Beam­te und Rei­che. Dadurch ist genug Geld da, damit alle Rent­ne­rin­nen und Rent­ner in Wür­de altern und für ihre Enkel­kin­der, Fami­li­en und Freun­de da sein kön­nen.

Bay­ern schafft es nicht allei­ne!

Das Bun­des­land Bay­ern ist seit Jahr­zehn­ten ein Land im Umbruch. In der Zeit nach dem 2. Welt­krieg ergriff die indus­tri­el­le Ent­wick­lung auch sämt­li­che länd­li­chen Gebie­te des Flä­chen­staa­tes. Im Wirt­schafts­le­ben ging der Anteil der bäu­er­li­chen und hand­werk­li­chen Fami­li­en­be­trie­be und der klei­nen Geschäf­te zurück. Regio­na­le Wirt­schafts­kreis­läu­fe bra­chen zusam­men. Die indus­tri­el­le Pro­duk­ti­on für den Welt­markt und die Ver­sor­gung mit Gütern aus aller Welt bestim­men inzwi­schen das Bild. Bay­ern konn­te die­se Umwäl­zung nicht aus eige­ner Kraft bewäl­ti­gen und schon gar nicht im Selbst­lauf markt­wirt­schaft­li­cher Kräf­te. Poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen von Bund und Frei­staat beför­der­ten die Ent­wick­lung. Jahr­zehn­te­lang bean­spruch­te der Frei­staat Zuwei­sun­gen aus dem Län­der­fi­nanz­aus­gleich. Geziel­te und poli­tisch moti­vier­te Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen gro­ßer Kon­zer­ne tru­gen zur Ent­wick­lung der Indus­trie in Bay­ern bei.

Das Land wur­de als „Ord­nungs­zel­le Bay­ern“ bevor­zug­ter Stand­ort von Atom- und Rüs­tungs­in­dus­trie. Die von einem brei­ten Bünd­nis letzt­lich ver­hin­der­te Wie­der­auf­be­rei­tungs­an­la­ge in Wackers­dorf soll­te Bay­ern zum Zen­trum der Atom- und Reak­tor­wirt­schaft machen.

Wir strei­ten für ein koope­ra­ti­ves und soli­da­ri­sches Bay­ern

Ent­wick­lung schei­tert, wenn sie auf Bal­lung in Zen­tren setzt. Sie kann gelin­gen, wenn sie Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen im länd­li­chen Raum und in den Zen­tren zusam­men denkt und plant. Statt Stand­ort­kon­kur­renz muss eine koope­ra­ti­ve Ent­wick­lung geför­dert wer­den.

Die Vor­aus­set­zun­gen für eine nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung sind in ganz Bay­ern gut. Fast über­all gibt es eine ent­wi­ckel­te Gewer­be- und Indus­trie­kul­tur und die dazu­ge­hö­ri­ge Infra­struk­tur. Über­all wis­sen die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger die Lebens­be­din­gun­gen zu schät­zen. Über­all sind die Men­schen an bes­ten und wohn­ort­na­hen Bil­dungs­ein­rich­tun­gen für ihre Kin­der und für das eige­ne Ler­nen inter­es­siert. Sie wol­len in einer sozi­al und kul­tu­rell viel­sei­ti­gen Umge­bung leben.

Eine Poli­tik des „Mia san mia“ ver­stellt den Blick auf die Chan­cen, die sich aus inten­si­ver Koope­ra­ti­on zwi­schen Städ­ten und Regio­nen, in den länd­li­chen Gebie­ten, mit den angren­zen­den Nach­bar­staa­ten Euro­pas und den Nach­bar­län­dern in der Bun­des­re­pu­blik erge­ben. Bay­ern ist im Welt­maß­stab eine bes­ten­falls mit­tel­gro­ße Wirt­schafts­re­gi­on, die ihre Stär­ke heu­te in der Zusam­men­ar­beit mit den Nach­barn suchen und ent­wi­ckeln muss. Eine Schlüs­sel­rol­le spie­len dabei die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge, Inter­net, Medi­en, Bil­dungs- und Kul­tur­aus­tausch, Indi­vi­du­al- und öffent­li­cher Ver­kehr. Ein Euro­pa ohne Gren­zen, ohne Natio­na­lis­mus und Klein­staa­te­rei muss heu­te ver­tei­digt und neu erkämpft wer­den.

Bal­lung und Schrump­fung – zwei alar­mie­ren­de Ent­wick­lun­gen

In den letz­ten Jahr­zehn­ten ist welt­weit ein Wan­del der Indus­trie­ge­sell­schaf­ten in Gang gekom­men. Man spricht von der wis­sens­ba­sier­ten und digi­ta­li­sier­ten Indus­trie­ge­sell­schaft, einer über­all wirk­sa­men Ten­denz zur Ver­städ­te­rung, ja sogar von der „Metro­po­li­sie­rung der Erde“. Unbe­strit­ten ist, dass wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung heu­te eine sinn­vol­le Kom­bi­na­ti­on von Indus­trie, Wis­sen­schaft, Kul­tur, von Ein­rich­tun­gen der sozia­len Daseins­vor­sor­ge und der tech­ni­schen Infra­struk­tur vor­aus­setzt. Wenn die Poli­tik nicht oder unge­nü­gend steu­ert, kommt es zu über­hitz­ten Bal­lungs­pro­zes­sen; dane­ben kön­nen gan­ze Regio­nen ver­öden. Die­ses Pro­blem zeigt sich in den letz­ten Jah­ren gera­de im Frei­staat Bay­ern.

Die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung kon­zen­triert sich hier auf zwei Bal­lungs­räu­me. Der Nor­den ist gespal­ten – wäh­rend wei­te Tei­le Fran­kens nicht an das Indus­trie- und Han­dels­wachs­tum des 20. Jahr­hun­derts anschlie­ßen kön­nen, bil­det sich in Form einer Metro­pol­re­gi­on ein Zen­trum um die Städ­te Nürn­berg, Erlan­gen, Fürth und Schwa­bach her­aus, in dem sich ver­mehrt krea­ti­ve und wis­sens­in­ten­si­ve Öko­no­mi­en bal­len. Im Süden hat sich im Groß­raum Mün­chen eine Bal­lung ent­wi­ckelt, die den Groß­teil der baye­ri­schen Res­sour­cen an sich zieht. Dane­ben boo­men zur­zeit noch unter ande­rem die vom Auto­mo­bil­bau und ihren Zulie­fe­rern gepräg­ten Zen­tren wie Regens­burg und Ingol­stadt. Abseits der Zen­tren kommt die Ent­wick­lung nicht mit, es sind Rück­schrit­te und Schrump­fungs­pro­zes­se zu spü­ren.

Gan­ze Land­stri­che dro­hen zu ver­öden, weil über Jahr­zehn­te v.a. der jün­ge­re Teil der Bevöl­ke­rung nur anders­wo Arbeit fand. Die­se Ent­wick­lung ist auch Fol­ge einer Poli­tik, die sich an die markt­ge­trie­be­nen Bal­lungs­pro­zes­se und wirt­schaft­li­chen Kon­zen­tra­ti­ons­ten­den­zen dran­hängt, anstatt gezielt gegen­zu­steu­ern.

Das aktu­el­le Lan­des­ent­wick­lungs­pro­gramm Bay­ern (LEP) vom 01.09.2013 zeigt exem­pla­risch das Vor­ge­hen der Staats­re­gie­rung. Die­ses Mani­fest der Dere­gu­lie­rung ver­ab­schie­det sich von jeder lan­des­pla­ne­ri­schen Wir­kung. Ins­be­son­de­re die Fest­le­gung, dass Ein­zel­han­dels­groß­pro­jek­te künf­tig erst ab 1200 m² Ver­kaufs­flä­che begin­nen – statt wie bis­her ab 800 m² – wird dra­ma­ti­sche Aus­wir­kun­gen auf eine aus­ge­wo­ge­ne Nah­ver­sor­gung haben. Die Ver­ödung der Innen­städ­te, ins­be­son­de­re in klei­ne­ren Städ­ten und Gemein­den, wird sich wei­ter beschleu­ni­gen.

Gleich­zei­ti­ge Ent­wick­lung statt Leucht­turm­po­li­tik

Die baye­ri­sche Lan­des­po­li­tik der Ära Stoi­ber woll­te aus Mün­chen eine „Glo­bal City“ machen: Hoch­haus-Sky­line für Mün­chen, Trans­ra­pid zum Flug­ha­fen, Flug­ha­fen als glo­ba­les Dreh­kreuz, Mün­chen als Finanz­platz für den Alpen-Adria-Raum und schließ­lich Mün­chen als Ver­an­stal­ter der Olym­pi­schen Win­ter­spie­le. Alle die­se Plä­ne sind geschei­tert. Geblie­ben ist eine Über­hit­zung im Groß­raum Mün­chen, die gera­de nicht die ande­ren Regio­nen mit­zieht, son­dern ihnen scha­det.

Die Fol­gen für die Men­schen: Wild­wüch­si­ge Bal­lung führt zu explo­die­ren­den Lebens­hal­tungs­kos­ten, vor allem bei den Mie­ten, die eine gro­ße und wach­sen­de Zahl von Men­schen nicht mehr auf­brin­gen kann. Die Kul­tur des sozia­len Aus­gleichs, in den gro­ßen Städ­ten des Lan­des mit Nach­druck von den Gewerk­schaf­ten und den Sozi­al­ver­bän­den ver­tre­ten, ver­fällt. Luxus macht sich neben Armut breit.

Vie­le haben Arbeit und sind trotz­dem arm. Außer­halb der Bal­lung, in den wei­ten länd­li­chen Räu­men des Flä­chen­staa­tes, kommt es in einer gro­ßen Zahl von Land­krei­sen, ja sogar in gan­zen Regie­rungs­be­zir­ken, zum Rück­gang an Arbeits­plät­zen und zur Abwan­de­rung beson­ders jün­ge­rer Men­schen. Dazu trägt auch die ver­fehl­te Arbeits­markt­po­li­tik bei, die Erwerbs­lo­se zwingt, zuge­wie­se­ne Arbeits­plät­ze fern des Wohn­orts anzu­neh­men.

Dort wird es für die Gemein­den immer schwie­ri­ger, ange­mes­se­ne Ein­rich­tun­gen für Erzie­hung, Bil­dung, Gesund­heit und das Leben im Alter zu unter­hal­ten. Die Poli­tik, die im Frei­staat mit Unter­stüt­zung vor allem aus der Münch­ner Poli­tik auf die Ent­wick­lung von „Grea­ter Munich“ zur „Glo­bal City“ gesetzt hat, führ­te in eine Sack­gas­se. Aus die­ser gibt es einen Aus­weg, wenn Poli­tik und Wirt­schaft von den Men­schen zum Umden­ken gezwun­gen wer­den. Dass dies mög­lich ist, haben zahl­rei­che erfolg­rei­che Bür­ger­initia­ti­ven gezeigt, von der Ver­hin­de­rung der ato­ma­ren Wie­der­auf­be­rei­tung bis hin zum Bür­ger­ent­scheid gegen die drit­te Start­bahn am Münch­ner Flug­ha­fen. DIE LINKE lehnt eine drit­te Start­bahn wei­ter­hin ab.

Wir benö­ti­gen eine Lan­des­po­li­tik, die auf Aus­gleich und Koope­ra­ti­on zwi­schen den Städ­ten und den jewei­li­gen Nach­bar­re­gio­nen setzt. Ziel muss es sein, Bal­lungs­pro­zes­se aus­glei­chend zu steu­ern und wei­te­re Zer­sie­de­lung zu ver­hin­dern. Durch eine Aus­wei­tung direkt-demo­kra­ti­scher Ent­schei­dun­gen kann es zudem gelin­gen, rei­ne Pres­ti­ge­pro­jek­te der Poli­tik zu ver­hin­dern.

Nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung braucht demo­kra­ti­sche, koope­ra­ti­ve und trans­pa­ren­te Ver­fah­ren

Eine nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung in allen Regio­nen Bay­erns ist das Ziel lin­ker Struk­tur­po­li­tik. Wir ste­hen für eine Ent­wick­lung, die den Bedürf­nis­sen der Men­schen bei mög­lichst klei­nem öko­lo­gi­schem Fuß­ab­druck dient. Sie darf die Mög­lich­kei­ten künf­ti­ger Genera­tio­nen nicht gefähr­den und muss ihre Bedürf­nis­se befrie­di­gen. Die regio­na­len Bedin­gun­gen sind ent­schei­dend dafür, aus wel­chen Ele­men­ten eine solch nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung bestehen kann.

In all den Fra­gen der Regio­nal- und Struk­tur­pla­nung setzt DIE LINKE auf die demo­kra­ti­sche Betei­li­gung der Öffent­lich­keit. Gera­de für Groß­pro­jek­te wie Flug­ha­fen­aus­bau, Auto­bahn­bau oder auch eine Bewer­bung für sport­li­che Groß­ereig­nis­se ist sie uner­läss­lich. Über­di­men­sio­nier­te und undurch­sich­ti­ge Pro­jek­te wer­den von den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern meist abge­lehnt. Das Mit­wir­ken Vie­ler und Rück­sicht auf Ein­wän­de aller Art ist nötig und wich­tig. Denn die Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten der Ein­zel­nen müs­sen respek­tiert wer­den, wenn die Ent­wick­lung aller gut gehen soll. Vor Ort und in Koope­ra­ti­on mit den Nach­barn kann am bes­ten beur­teilt wer­den, wel­che sozia­len, kul­tu­rel­len, wirt­schaft­li­chen und öko­lo­gi­schen Min­dest­stan­dards gel­ten müs­sen, um ein gutes Leben im länd­li­chen Raum in allen Lebens­la­gen zu ermög­li­chen.

Kon­ti­nu­ier­li­che Bericht­erstat­tung und Ver­öf­fent­li­chung aktu­el­ler Pla­nun­gen sind im Rah­men von Open Government unver­zicht­bar. Die Betei­li­gung und Ver­net­zung in grenz­über­grei­fen­den Open-Government-Initia­ti­ven und die Ein­füh­rung von Infor­ma­ti­ons­frei­heit und Trans­pa­renz­ge­set­zen sind Bestand­teil die­ses Plans. Wir wol­len Bürgerr.te auf Bundes‑, regio­na­ler und kom­mu­na­ler Ebe­ne ein­füh­ren, um Pla­nungs­pro­zes­se zu demo­kra­ti­sie­ren.

Dezen­tra­li­sie­rung als Grund­li­nie lin­ker Struk­tur- und Regio­nal­po­li­tik

Zur Ver­mei­dung von zusätz­li­chem Zeit- und Ver­kehrs­auf­wand auf­grund zuneh­men­der Zen­tra­li­sie­rung set­zen wir uns für die För­de­rung von dezen­tra­len Nach­bar­schafts­zen­tren in länd­li­chen Regio­nen ein.

Das fängt an bei Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten für den täg­li­chen Bedarf (Nach­bar­schafts- oder Dorflä­den), Päck­chen­an­nah­me- und ‑abga­be­stel­len, Inter­net­ca­fés, zeit­wei­se besetz­ten Arzt­pra­xen sowie mobi­len oder fah­ren­den Ärz­tin­nen und Ärz­ten, Büche­rei­en, und geht bis zu Mobi­li­täts­zen­tra­len mit einem umfas­sen­den Bera­tungs- und Ser­vice­an­ge­bot.

Zur Stüt­zung des länd­li­chen Raums und für eine soli­da­ri­sche Lan­des­po­li­tik ist es erfor­der­lich, der gegen­wär­ti­gen Ent­wick­lung im Raum Mün­chen ent­ge­gen­zu­wir­ken. Dies kann gesche­hen durch eine geziel­te dezen­tra­le Ansied­lung stand­ortu­n­ab­hän­gi­ger Behör­den, aber auch durch För­de­rung von Kultur‑, Bil­dungs- und For­schungs­ein­rich­tun­gen. Zum Schutz ört­li­cher Klein­zen­tren gilt jedoch: Innen­ent­wick­lung und Umnut­zung hat Prio­ri­tät, eine wei­te­re Zer­sie­de­lung leh­nen wir ab.

Mono­struk­tu­ren sind wenig anpas­sungs­fä­hig an wech­seln­de Bedin­gun­gen. Nur eine brei­te Mischung von Indus­trie, Wis­sen­schaft, Dienst­leis­tung, For­schung, Kul­tur, Bil­dung, Land­wirt­schaft und Land­schafts­pfle­ge sowie Tou­ris­mus kann eine sta­bi­le Basis für eine nach­hal­ti­ge und soli­da­ri­sche Ent­wick­lung in Bay­ern sein.

Die Kom­mu­nen stär­ken – kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung braucht ver­läss­li­che Finan­zie­rung statt Gna­den­er­wei­se!

Ent­schei­dend für eine erfolg­rei­che Struk­tur­po­li­tik ist eine bes­se­re finan­zi­el­le Aus­stat­tung von Städ­ten und Gemein­den. Zur Umset­zung regio­nal erar­bei­te­ter Ent­wick­lungs­kon­zep­te ist aus­rei­chend eige­nes Geld erfor­der­lich.

Eige­ne Steu­er­quel­len, ins­be­son­de­re Gewer­be- und Grund­steu­er, sind von zen­tra­ler Bedeu­tung. Dar­über hin­aus for­dern wir vom Frei­staat Bay­ern, mehr Lan­des­mit­tel für den kom­mu­na­len Finanz­aus­gleich zur Ver­fü­gung zu stel­len, damit die kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung auch in wirt­schafts­schwä­che­ren Regio­nen hand­lungs­fä­hig bleibt. Spar­kas­sen und regio­na­le Genos­sen­schafts­ban­ken als ein Instru­ment ört­li­cher Wirt­schafts­för­de­rung müs­sen erhal­ten blei­ben.

Den struk­tu­rell abge­häng­ten Regio­nen sind zusätz­li­che Finanz­mit­tel zur För­de­rung noch bestehen­der Wirt­schafts­ker­ne und Unter­stüt­zung bei der Ent­wick­lung und Ansie­de­lung neu­er Wirt­schafts­be­rei­che mit Arbeits­plät­zen und Wert­schöp­fung vor Ort zur Ver­fü­gung zu stel­len. Die Ener­gie­wen­de mit den Mög­lich­kei­ten von Ener­gie­ge­nos­sen­schaf­ten bie­tet sich hier als eine beson­ders zu för­dern­de Mög­lich­keit an, die eine regio­na­le Ener­gie­ver­sor­gung in Bür­ger­hand ermög­licht.

Wir gehen von der Abschaf­fung der Stra­ßen­aus­bau­bei­trä­ge (Strabs) aus. Der dadurch ent­ste­hen­de Ein­nah­me-Aus­fall in den kom­mu­na­len Haus­hal­ten sollte/könnte durch eine Umla­ge aus der Kfz-Steu­er und/oder eine höhe­re Grund­steu­er kom­pen­siert wer­den, die dann aber nicht mehr auf die Woh­nungs­mie­ten umge­legt wer­den darf.

Die kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung von Gemein­den, Land­krei­sen und Städ­ten gilt als hohes Gut. Sie ist sowohl im Grund­ge­setz der Bun­des­re­pu­blik – Art. 28 – als auch in der Ver­fas­sung des Frei­staa­tes Bay­ern – Art. 10/11 –ver­an­kert. Das Grund­ge­setz kon­kre­ti­siert sogar die finan­zi­el­le Aus­stat­tung der Gemein­den: „Die Gewähr­leis­tung der Selbst­ver­wal­tung umfasst auch die Grund­la­gen der finan­zi­el­len Eigen­ver­ant­wor­tung; zu die­sen Grund­la­gen gehört eine den Gemein­den mit Hebe­recht zuste­hen­de wirt­schafts­be­zo­ge­ne Steu­er­quel­le.“

Zwei Drit­tel aller öffent­li­chen Inves­ti­tio­nen wer­den von den Kom­mu­nen aus­ge­ge­ben, für Schu­len, Kin­der­gär­ten, Bäder, Stra­ßen und Ver­kehrs­mit­tel. Aller­dings wer­den die Kom­mu­nen bei den Finan­zen, genau­er gesagt den kom­mu­na­len Ein­nah­me­quel­len, „an der kur­zen Lei­ne“ gehal­ten.

Die Steu­er­ein­nah­men der Kom­mu­nen ste­hen auf wacke­li­gen Bei­nen. Nur bei der („wirt­schafts­be­zo­ge­nen“) Gewer­be­steu­er gibt es ein wirk­li­ches „Hebe­recht“, allein es steht auf höchst schwan­ken­der Basis. Denn wenn eine Kom­mu­ne – also Land­kreis mit sei­nen Gemein­den – über­haupt ein ver­an­lag­tes Gewer­be hat, so weiß eigent­lich nie­mand so recht, wie sich die Grund­la­gen berech­nen.

Selbst eine Groß­stadt wie die Lan­des­haupt­stadt muss zuge­ben, dass sie sich regel­mä­ßig ver­schätzt. So gibt es mal eine über­ra­schen­de Nach­zah­lung, mal aber auch eine Rück­zah­lung. Ver­läss­lich­keit geht anders!

Die Kom­mu­nen neh­men neben der Gewer­be­steu­er noch wei­te­re Steu­ern ein, vor allem über ihre Antei­le an der Ein­kom­men­steu­er, der Kör­per­schaft­steu­er, der Umsatz­steu­er und der Grund­er­werb­steu­er. Die­se Antei­le jedoch sind von den Kom­mu­nen nicht beein­fluss­bar. Die Län­der geben ihre Antei­le nur sehr zöger­lich wei­ter – Wir indes for­dern: Die kom­mu­na­len Steu­er­ein­nah­men müs­sen auf eine aus­kömm­li­che und ver­läss­li­che Höhe ange­ho­ben wer­den!

Der Frei­staat kaschiert die­se sys­te­ma­ti­sche Unter­fi­nan­zie­rung der kom­mu­na­len Ebe­ne durch ein kom­pli­zier­tes Sys­tem des „kom­mu­na­len Finanz­aus­gleichs“. Über die Zusam­men­schlüs­se der kom­mu­na­len Ebe­ne, den Gemein­de­tag, den Land­kreis­tag und den Städ­te­tag, wird dar­über vor jedem Haus­halts­jahr zäh ver­han­delt: Wie groß wird der Gesamt­topf „Kom­mu­na­ler Finanz­aus­gleich“, wie wer­den die ein­zel­nen Unter­töp­fe dotiert?

Bezeich­nen­der­wei­se ist die­ses Füll­horn im Wahl­jahr 2018 sehr viel üppi­ger gefüllt als in den Vor­jah­ren. Mar­kus Söder brüs­tet sich ent­spre­chend: 9,5 Mrd. Euro – mehr als eine hal­be Mil­li­ar­de mehr als im Jahr 2017 – sind es 2018. Sie wer­den den Kom­mu­nen vom Land „gewährt“ – ganz nach Guts­her­ren­art!

Die über­all not­lei­den­den Kran­ken­häu­ser erhal­ten auf ein­mal fast ein Drit­tel mehr Mit­tel (643 Mio. Euro). Für Ver­kehrs­in­fra­struk­tur, vor allem für Stra­ßen, ver­steht sich, gibt es auf ein­mal 10 % mehr (446 Mio. Euro). Der ÖPNV (öffent­li­cher Per­so­nen­nah­ver­kehr) krebst dabei mit 74 Mio. Euro vor sich hin, was im Auto­staat Bay­ern kaum ver­wun­der­lich, für vie­le Men­schen aber höchst uner­freu­lich ist.Worauf die Gemein­den beson­ders ange­wie­sen sind, sind die soge­nann­ten Schlüs­sel­zu­wei­sun­gen. Auch sie stie­gen in die­sem Jahr um wun­der­sa­me 10 % auf ins­ge­samt 3,7 Mrd. Euro. Viel Geld, soll­te man mei­nen. Aber zum Ver­gleich: Allei­ne 10 Mrd. Euro muss­te der Frei­staat zur Ret­tung einer ein­zel­nen Bank auf­brin­gen, näm­lich der damals im Spe­ku­la­ti­ons­sumpf fast dahin­ge­schie­de­nen Bay­ern­LB – wir erin­nern uns an die aben­teu­er­li­chen Deals mit Kärn­tens FPÖ-Lan­des­haupt­mann Hai­der rund um die Hypo-Alpe-Adria! Also auch der wahl­kampf­ge­mäß auf­ge­hübsch­te kom­mu­na­le Finanz­aus­gleich 2018 erreicht nicht mal die Höhe der „stil­len Hil­fe Lan­des­bank“! Für die Kom­mu­nen muss ihr Haus­halt auf soli­den Bei­nen ste­hen und lang­fris­tig plan­bar sein.

Daher for­dert DIE LINKE. Bay­ern:

  • die Anhe­bung der Steu­er­an­tei­le ins­be­son­de­re an der Umsatz­steu­er, da die­se die brei­tes­te und damit ver­läss­lichs­te Basis dar­stellt.
  • die Erfül­lung des Ver­fas­sungs­auf­trags des Grund­ge­set­zes: Die Gemein­den brau­chen eine Wirt­schafts­steu­er, die auf nach­voll­zieh­ba­rer Grund­la­ge von den Gemein­den erho­ben wer­den kann und deren Höhe (Hebe­satz) von den Gemein­den bestimmt wird.
  • dass der kom­mu­na­le Finanz­aus­gleich zual­ler­erst dem Aus­gleich struk­tu­rel­ler Ungleich­hei­ten zwi­schen den Gemein­den dient, wozu sei­ne Mit­tel von einer gemein­sa­men Kör­per­schaft aus kom­mu­na­ler und Lan­des­ebe­ne nach fes­ten Regeln ver­ge­ben wer­den.
  • fer­ner den Erhalt des Län­der­fi­nanz­aus­gleichs, der Grund­la­ge glei­cher Ent­wick­lungs­chan­cen in allen Bun­des­län­dern ist, denn „Bay­ern zuerst“ ist kei­ne trag­fä­hi­ge Poli­tik – weder in Bay­ern noch in Euro­pa.
Bay­ern ver­net­zen

Eine star­ke und gut aus­ge­bau­te digi­ta­le Infra­struk­tur ist der Grund­stein einer moder­nen Gesell­schaft. Sie ermög­licht sozia­le Teil­ha­be und eine leis­tungs­fä­hi­ge und zukunfts­si­che­re Wirt­schaft. Durch den flä­chen­de­cken­den Aus­bau eines dezen­tra­len Glas­fa­ser­net­zes wird zudem der länd­li­che Raum gestärkt und gewinnt wie­der an Lebens­qua­li­tät. Aus­bau­initia­ti­ven und Genos­sen­schaf­ten sol­len ver­stärkt geför­dert wer­den. Mit­tel­fris­tig schwebt uns ein flä­chen­de­cken­des Glas­fa­ser­netz bis in jedes Gebäu­de vor, das der öffent­li­chen Hand gehört (bspw. rekom­mu­na­li­sier­ten Stadt­wer­ken, Land­krei­s­in­itia­ti­ven oder einer wie­der­ver­ge­sell­schaf­te­ten Tele­kom). Gewinn­ori­en­tier­ten Groß­kon­zer­nen ertei­len wir eine Absa­ge. Freie WLAN-Ange­bo­te wol­len wir wei­ter aus­bau­en.

Die­se not­wen­di­ge Ent­wick­lung wur­de in den letz­ten Jah­ren extrem ver­nach­läs­sigt. DIE LINKE. Bay­ern möch­te des­halb die „wei­ßen Fle­cken“ nicht mit der Über­gangs­lö­sung Vec­to­ring ver­sor­gen, die wei­ter­hin auf die völ­lig ver­al­te­ten Kup­fer­ka­bel setzt. Glas­fa­ser bis in jedes Haus ist die ein­zi­ge Tech­no­lo­gie, die auch zukünf­ti­gen Anfor­de­run­gen genü­gen wird. Ziel soll sein, allen Men­schen in Bay­ern einen frei­en, gesi­cher­ten Zugang zu Wis­sen und digi­ta­len Infor­ma­tio­nen zu ermög­li­chen. Den Zugang zu digi­ta­len Tech­no­lo­gi­en und zum Inter­net wol­len wir unab­hän­gig vom Ein­kom­men und sozia­len Hin­ter­grund ermög­li­chen. Dar­über hin­aus set­zen wir uns gemein­sam mit immer mehr Men­schen für ein frei­es Inter­net ohne Zen­sur ein.

DIE LINKE for­dert des­halb:

  • einen kom­mu­na­len und dezen­tra­len Aus­bau des Glas­fa­ser­net­zes bis jedes Gebäu­de.
  • den Aus­bau der öffent­li­chen WLAN-Hot­spots ohne Authen­ti­fi­zie­rung und die voll­stän­di­ge Abschaf­fung der Betrei­ber­haf­tung.
  • den offe­nen Zugang zum Inter­net, ohne Netz­sper­ren und Ein­grif­fe in die Kom­mu­ni­ka­ti­on von Sei­ten der Inter­net­an­bie­ter.
  • die sofor­ti­ge Been­di­gung des Vec­to­ring-Aus­baus, der letzt­lich dop­pel­te Inves­ti­tio­nen in Vec­to­ring- und Glas­fa­ser­aus­bau bedeu­tet. Statt­des­sen muss die Tele­kom unter demo­kra­ti­scher Kon­trol­le der Gewerk­schaf­ten, der Beschäf­tig­ten in der Tele­kom und der Öffent­lich­keit wie­der ver­ge­sell­schaf­tet wer­den. Mit dem Mono­pol der öffent­li­chen Hand muss das Glas­fa­ser­netz flä­chen­de­ckend aus­ge­baut wer­den.
  • den flä­chen­de­cken­den Aus­bau der mobi­len Net­ze vor allem im länd­li­chen Bereich und ent­lang von Bahn­stre­cken und Auto­bah­nen.

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