Gedenken
Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht
Am Sonntag, 15. Januar führte DIE LINKE Nürnberg - Fürth eine öffentliche Gedenkstunde an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht auf dem Nürnberger Rosa-Luxemburg-Platz durch. An diesem Tag jährte sich zum 93. Mal die Ermordung der beiden sozialistischen PolitikerInnen durch rechte Freikorps in Berlin.
„Aus der Geschichte lernen bedeutet für uns insbesondere, heute rechten Terror und dessen Nährboden konsequent zu bekämpfen“ erklärte dazu die stellvertretende LINKE-Kreisvorsitzende Christine Stroheker in ihrer Gedenkrede
Im kürzlich mit großer Mehrheit verabschiedeten Parteiprogramm stellt sich die LINKE ausdrücklich in die Tradition von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Deren leidenschaftlicher Einsatz für Frieden, Demokratie und soziale Gerechtigkeit und das Ziel eines demokratischen Sozialismus seien auch heute noch wichtige Orientierungspunkte.
Die Gedenkrede zum Nachlesen:
Gedenkrede Rosa Luxemburg – Karl Liebknecht am 15.01.2012
Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Freundinnen und Freunde,
wir haben uns hier versammelt, um gemeinsam der Ermordung von Rosa Luxemburg
und Karl Liebknecht heute vor 93 Jahren zu gedenken.
Wir erinnern daran, weil wir aus dem Geschehenen Lehren für heute und morgen
ziehen wollen. Bertolt Brecht hat diese Lehren in seinem Gedicht „Grabschrift für
Rosa Luxemburg“ so zusammengefasst:
Hier liegt begraben
Rosa Luxemburg
Eine Jüdin aus Polen
Vorkämpferin deutscher Arbeiter
Getötet im Auftrag Deutscher Unterdrücker.
Unterdrückte
Begrabt eure Zwietracht!
Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wurden ermordet, weil Sie eine Gefahr für die
Herrschenden waren, weil Sie eine grundlegend andere, eine sozialistische
Gesellschaftsordnung anstrebten.
Beide hatten gegen den drohenden Weltkrieg schon lange vor dem August 1914 und
erst recht nach seiner Entfesselung mit aller Kraft angekämpft.
Statt auf „Burgfrieden“ und „Vaterlandsverteidigung“, wie die Mehrheit der
Sozialdemokratie, setzten sie auf eine soziale Revolution, um das bis dahin in der
Geschichte beispiellose Gemetzel auf den Schlachtfeldern zu beenden.
Wie wir wissen, kam diese Revolution im November 1918, sie blieb aber auf halbem
Wege stecken – „Der Kaiser ging – die Generäle blieben.“ Um die alte Ordnung der
Dinge zu sichern, mussten Rosa und Karl aus dem Weg geräumt werden.
Damit sich die Regierenden die Hände nicht selbst schmutzig machen mussten,
kümmerten sich darum bewaffnete Banden, sogenannte „Freikorps“. Die Morde an
Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht waren nicht die letzten Fälle, in denen die
politische Auseinandersetzung von rechts mit blutiger Gewalt geführt wurde: wenig
später fielen Matthias Erzberger und Walter Rathenau Mordanschlägen zum Opfer.
Es war nur folgerichtig, dass diese Freikorps bald zu den Vorläufern der NSDAP
gehörten.
Wem fallen da heute nicht die rechten Terrorgruppen ein, die in den vergangenen
Jahren für ihre menschenverachtenden Ziele zahlreiche Morde begangen haben.
Wieder tritt hier blutige Gewalt an die Stelle der politischen Auseinandersetzung und
was damals „Freikorps“ hiess nennt sich heute genauso zynisch „Freies Netz Süd“.
Und noch eine Parallele lässt sich – bei allen Unterschieden in der politischen
Situation – zwischen damals und heute ziehen:
Die staatlichen Autoritäten waren und sind auf dem „rechten Auge“ blind. Statt
energisch gegen den rechten Terror vorzugehen, gibt es eine weite Grauzone aus
Gleichgültigkeit, Duldung bis hin zur Komplizenschaft. Die Mörder von Rosa
Luxemburg und Karl Liebknecht wurden für ihre Tat nie bestraft. Noch 1962 wurde
die Ermordung von Liebknecht und Luxemburg von der Bundesregierung geleugnet
und als „standrechtliche Erschießung“ bezeichnet.
Auch der heutige rechte Terror wird von der Bundesregierung nicht wirksam
bekämpft, sondern einfach wegdefiniert. Während nach Auskunft von Experten seit
1990 durch rechte Gewalt 182 Menschen in unserem Land zu Tode kamen, sind es
laut Bundesregierung lediglich 47 Todesopfer. Eine Anfrage unserer
Bundestagsfraktion an die Bundesregierung, in der Aufklärung über diese
Diskrepanz gefordert wurde, wurde im September 2011 mit nichtssagenden Floskeln
vom Tisch gewischt.
Der Tod von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ist uns deshalb heute Mahnung,
uns gemeinsam mit allen anderen demokratischen Kräften für die konsequente
Ächtung der Nazi-Ideologie und das Ende der staatlichen Finanzierung von Nazi-
Organisationen durch Abzug der V-Leute und Verbot der NPD einzusetzen.
93 Jahre sind seit dem Tod von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht vergangen.
Wenn beide in unserem kürzlich beschlossenen Parteiprogramm als politische
VorkämpferInnen erwähnt werden, dann nicht deshalb, weil sie fertige Antworten für
unsere heutigen Probleme und Herausforderungen liefern könnten. Schon Rosa
Luxemburg hat sich gegen ein unkritisches Nachplappern gewandt, als sie sagte:
„Marxismus ist eine revolutionäre Weltanschauung, die stets nach neuen
Erkenntnissen ringen muss, die nichts so verabscheut wie das Erstarren in einmal
gültigen Formen.“
Aber die Worte und Taten von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht bieten uns in
vielen Fragen noch heute eine wichtige Orientierung bei der Formulierung linker und
sozialistischer Politik für das 21. Jahrhundert.
Ich möchte hierbei insbesondere vier Punkte nennen:
- Linke Politik muss immer konsequente Antikriegspolitik sein.
Für Krieg gibt es keine Rechtfertigung, er dient nie den Interessen der
arbeitenden Bevölkerung, sondern immer wenigen Mächtigen und
Kriegsgewinnlern. Das mutige „Nein“ von Karl Liebknecht zu den
Kriegskrediten im Reichstag hat bis heute nicht an Bedeutung verloren.
- Linke Politik kann nur durch die aktive Beteiligung der arbeitenden Menschen
selbst am politischen Leben durchgesetzt werden, nicht allein durch
Parlamentsanträge und Parteibeschlüsse. Ohne eine starke
außerparlamentarische Bewegung steht linke Politik auf verlorenem Posten.
- Linke Politik will mehr Demokratie erreichen, nicht weniger. Deswegen haben
wir unwiderruflich mit dem Stalinismus gebrochen, den Rosa Luxemburg in
den letzten Monaten ihres Lebens bereits scharfsinnig und prophetisch
kritisiert hatte. Echte Demokratie beschränkt sich nicht darauf, alle vier Jahre
ein Kreuzchen in der Wahlkabine zu machen, sie erfordert die
Demokratisierung aller Lebensbereiche, vor allem der Wirtschaft.
- Linke Politik will nicht nur kosmetische Veränderungen, sondern eine
grundlegende Umgestaltung unserer Gesellschaftsordnung. Die Finanz- und
Wirtschaftskrise der letzten Jahre zeigt überdeutlich, dass der Kapitalismus
nicht das letzte Wort der Geschichte sein kann.
In diesem Sinne lasst uns Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ehren, indem wir
uns weiter solidarisch für Frieden, Demokratie und Gerechtigkeit, für eine
sozialistische Gesellschaft einsetzen.









